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Dirk Langenfeld, Inhaber des Fachhandels "Camp Nation" in Bonn: "Zelten ist einfach geiler"

Es ist das Stück Kindheit, das wir für immer behalten dürfen. Es riecht nach Abenteuer und fühlt sich nach Freiheit an...

...gut, vielleicht auch in unserer Erinnerung nach jeder Menge Nerven, weil das Ding einfach nicht stehenbleiben wollte und nach völliger Übermüdung, nach nächtlichem Fliegenklatschenjagen, da es doch noch immer eine Mücke gab, die das eine Schlupfloch durchs Moskitonetz fand. Heute sind diese kleinen Hindernisse (fast) Geschichte. Denn mit reichlich klugen Details ausgestattet, lässt es im Zelt mittlerweile ganz komfortabel wohnen und dennoch ist man immer noch mittendrin in der Natur. 

Unternehmen aus der Region

Das Zelt selbst hat übrigens schon einen langen Weg hinter sich, der bereits in der Altsteinzeit vor mehr als 40 000 Jahren angefangen hat. Funde belegen, dass sich bereits unsere Vorvorvorfahren mit einem Dach über dem Kopf vor allem Wettern geschützt haben und damit auf Reisen gingen. Einer, der das Urgestein allen Campingurlaubs liebt und sich das Zelten auch gleich noch zum Beruf gemacht hat, ist Dirk Langenfeld, Inhaber des Fachhandels„Camp Nation“ in Bonn. Natürlich lässt er es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, auf der „Caravan und Co.“-Messe in Rendsburg dabei zu sein. Wir haben vorher bei ihm angerufen und nachgefragt. 

Unternehmen aus der Region

Dirk, sag mal, Du bist ja einer der wenigen, der in Deutschland einen Fachhandel für Zelte hat. Wie kam es denn dazu?
Als meine Frau und ich vor gut 13 Jahren unser erstes Kind bekommen haben, überlegten wir, wie wir wohl in Zukunft Urlaub machen können. Auf meine Frage, ob wir nicht Zelten wollen, sagte sie „Auf gar keinen Fall“. Nass, feucht und Füße draußen - das war ihre Meinung. Damals war ich noch Geschäftsführer einer Veranstaltungsagentur.

Aller Widerrede zum Trost habe ich mir einige Informationen über Zelte eingeholt und dann auch eins online gekauft. Hätte ich es live gesehen, wäre es das nicht geworden. Bis dato war es so, dass weit und breit kein Laden zu finden war, der eins zum Angucken und Anfassen da hatte. Und da ich bestimmt nicht der Einzige bin, der sich vorher ansehen will, was er da kauft, beschloss ich einfach, selbst einen Campingladen aufzumachen. Mein Kollege fragte mich damals, ob ich einen Baum geraucht habe. 2017 ging es los und wenn es um Familienzelte, aber auch Vorzelte geht, sind wir mittlerweile einer der größten Händler bundesweit.

Und was ist mit Wohnwagen oder Wohnmobil? Wäre das nicht viel komfortabler? Und was hat deine Frau zu allem gesagt?
Hin und wieder, gerade beruflich und wenn es schnell gehen muss, nutze ich unser Firmenwohnmobil. Aber für Urlaube mit Frau, Kindern und Hund, planen wir immer das Familienzelt ein. Meine Frau Sabine ist mittlerweile bekloppter als ich. Wenn wir zelten gehen, haben wir einen großen Anhänger mit viel Klimbim dabei. Ich baue das Zelt in einer knappen Stunde auf und sie braucht wegen des Klimbims vier Stunden, um es einzurichten. Unser Zelt ist allerdings auch so groß, dass man eine Studenten-WG daraus machen könnte. 

Mal was ganz Anderes: Menschen, die mit dem WoMo oder dem Wohnwagen verreisen nennt man ja Camper. Aber wie nennt man diejenigen, die Urlaub mit dem Zelt machen?
Tatsächlich gibt es keine offizielle Bezeichnung, umgangssprachlich sagt man ganz einfach „Zelter“.

Was ist dein Argument? Für mich ist Zelten langes Aufbauen, haufenweise Heringe, Nässe bei Regen und stechende Mücken.
Langes Aufbauen ist nicht mehr. Bei einem Luftzelt zum Beispiel ist man relativ schnell fertig damit. Dass Heringe nach wie vor in den Boden müssen, steht jedoch außer Frage. Also, ich baue unser riesiges Ding in knapp einer Stunde auf. Was Insekten angeht: Markenzelte haben hochfunktionelle Moskitonetze und dann ist das auch nicht anders, als wenn ich im Hotel oder mit Wohnmobil unterwegs bin. Wenn ich mir nicht gerade ein billiges Discounter-Zelt kaufe, habe ich auch etwas, mit dem ich gut durch Regentage komme. Und wenn ich dann noch in ein Baumwoll-Mischgewebe investiere anstelle in ein Polyester-Zelt, ist auch für ein gutes Klima im Innenraum gesorgt. Ich persönlich schlafe in unserem Zelt im Sommer besser als in einer Dachgeschosswohnung. 

Welche Merkmale sollte ein gutes Zelt mitbringen?
Wenn ich in etwas investieren möchte, mit dem ich langfristig Spaß habe, dann kaufe ich mir ein Luftzelt. Dann sollte das wie gesagt ein Baumwoll-Mischgewebe-Zelt sein, oder zumindest viel Belüftung bieten. Zudem ich sollte darauf achten, dass es groß genug ist für das, was ich damit vorhabe. Wenn auf einem Zelt steht, dass es für vier Personen ist, dann ist es so, dass die alle gar keinen Platz haben. Fast alle Hersteller rechnen mit 60 Zentimetern pro Person zum Schlafen und heute hat fast jede Isomatte schon fast 70 Zentimeter Breite. Und wenn ich mal bei schlechtem Wetter drinnen sein muss, dann sollte das Zelt auch einen Wohnraum haben. Also, bei vier Leuten darf es mindestens ein Fünf-Personen-Zelt sein und wenn ich mich darin auch aufhalten will, dann eher ein Dreiraum-Zelt. Ab 1,80 Meter Größe muss ich zudem auf die Länge der Schlafkabine, damit ich nicht mit der Nase und den Füßen in der Zeltplane hänge. Dann sollte ich darauf gucken, welche Wassersäule ich habe. Unter 3000 Millimeter würde ich nichts kaufen. Namhafte Hersteller haben ausreichend Belüftung in den Zelten, damit ich gar nicht erst die Bildung von Kondenswasser habe. Günstige Hersteller erkennt man dann an wenig Belüftungsmöglichkeiten und fehlenden Moskitonetzen. Es kommt aber nicht darauf an, von welcher Marke das Zelt kommt, sondern welche Features es hat. 

Was ist denn die häufigst gestellte Frage eurer Kunden?
Also beim Vorzelt ist es die Frage nach dem Umlaufmaß, weil man dazu oft viel unsinnigen Kram im Netz findet. Welches Zelt passt an welches Wohnmobil? Das ist gar nicht so einfach. Vor allem beim Bus oder Kastenwagen wird es kompliziert, weil es so viele verschiedene Größen gibt. Beim Familienzelt ist die Frage, wie groß es sein muss, immer die erste. Der Kauf eines Familienzeltes benötigt einfach eine intensive Beratung. Läuft damit etwas verkehrt, dann ist schlichtweg der Urlaub zu Ende. 

Was macht denn euch als Fachhandel aus?
Ganz klar eben die richtige Beratung. Bei uns ist jeder im Team selbst leidenschaftlicher Zelter, Camper oder Wohnmobilist und wir wissen, wovon wir sprechen. Wir sind oft auf Messen unterwegs und kennen alle unsere Marken. Und wir haben so ziemlich jede Frage schon einmal gehört. Zudem lernen wir aus unseren Fehlern, die wie selber beim Campen machen.

Hast du eine Hausnummer, was eine solide Grundausstattung kostet?
Wenn ich von einem Familienzelt ab vier Personen ausgehe, sprich zwei Erwachsene und zwei Kinder, dann würde ich so ab 1500 Euro rechnen. Nach oben sind dann natürlich keine Grenzen gesetzt.

Wenn ich jetzt richtiger Anfänger bin und mir eine Grundausstattung an Einrichtung zulegen möchte, was brauche ich unbedingt und was brauche ich gar nicht?
Das ist natürlich eine Frage des Budgets. Eine gute Isomatte muss sein. Es gibt sich selbst aufblasende Matten mit Schaumstoffkern, die sind gut 15 Zentimeter dick. Nicht zu verwechseln mit Luftmatratzen, das würde ich dringend davon abraten. Wenn ich dann noch einen guten Schlafsack dabei habe, friere ich auch nicht, wenn es mal kühl wird. Vielleicht sollte man noch auf was sitzen und mit etwas Nahrung erwärmen können. Eine Lampe sollte man auch haben. Dann sage ich meinen Kunden: Kauf jetzt gar nicht mehr. Man wird dann sehen, was man noch braucht. Denn viele holen sich gleich zu Anfang noch eine dritte Lampe und dann noch Gläser und ein komplettes Besteck dazu. Zelten ist aber Reisen mit dem Notwendigen leichtem Gepäck. Es bedeutet in erster Linie, das Leben zu genießen. 

Kann ich denn ein Zelt beheizen?
Klar, es gibt ja zum Beispiel Elektroheizungen, die extra so gemacht sind, dass sie, wenn sie umfallen, automatisch ausgehen. Wobei man dazu sagen muss, dass die meisten Zelter erst ab den Osterferien bis zum Herbst zelten gehen, da brauche ich normalerweise keine Heizung.

Hast du ein paar Pflegetipps für das Zelt?
Ganz wichtig ist, wenn ich ein Zelt benutzt habe, muss es furztrocken sein, bevor ich es einlagere. Sonst bekommt es entweder Schimmel oder Stockecken oder beides. Wenn das Wasser nicht mehr abperlt, dann sollte ich über eine Imprägnierung nachdenken, da gibt es allerdings verschiedene Mittel. Auch empfiehlt es sich, immer mal wieder die Nähte anzusehen. Selbst kleine Schäden sollte man gleich reparieren, sonst fällt nachher noch der Urlaub ins Wasser.

Was ist denn die häufigste Frage beim Zeltkauf? Also beim Vorzelt ist es die Frage nach dem Umlaufmaß, weil man dazu oft viel Kram im Netz findet. Welches Zelt, passt an welches Wohnmobil. Beim Bussen ist es noch schwieriger, weil sie eine große Bandbreite an Größen haben. Beim Familienzelt sind es eher Fragen, wie groß es sein muss. Klar ist auf jeden Fall, wenn ich viele Kinder dabei hab, brauche ich eine große Parzelle. Familienzelt benötigt eine intensive Beratung, denn läuft da was falsch, ist der Urlaub zu Ende

Wie kommt eigentlich euer Hund Hannes zurecht?
Der kommt mit allem, was draußen stattfindet, gut klar. Wir haben auf der letzten Messe Camper kennengelernt, die verreisen in ihrem Kastenwagen mit zwei Katzen. Mit Tieren Urlaub machen, das geht.

Ihr seid ja dieses Jahr wieder mit dabei. Was werdet Ihr zeigen?
Wir werden wieder mit unseren Familienzelten dabei sein. Dieses Jahr richten wir auch eine Technikecke ein, weil wir mittlerweile eine Werkstatt haben. Dann haben wir auch ein paar Vorzelte dabei, die werden bei uns immer mehr nachgefragt.

Abschließend, was bedeutet dir ganz persönlich das Zelten? Ist das überhaupt was für Familien?
 Zelten ist für mich die beste Art, Familienurlaub zu verbringen, weil man im wahrsten Sinne des Wortes zusammenrückt. Ich merke immer wieder, dass wir im Campingurlaub mehr zusammen machen. Man hat einfach mehr Family-Time. Generell findet man auf dem Campingplatz mehr tiefenentspannte Menschen als woanders. Meine 13-jährige Tochter kennt Urlaub im Wohnmobil und sagt ganz klar„Zelten ist einfach geiler“.

Interview: Julia Voigt


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