Ab 1901 war die Kleinbahn „Rosa“ im südlichen Kreisgebiet unterwegs. 2026 jährt sich dieser Startschuss für die Rendsburger Kreisbahn zum 125. Mal. Der Hohenwestedt nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine Sonderausstellung und sucht dafür nach „Rosa“-Bildern und Geschichten aus der Bevölkerung. Darüber hinaus präsentieren Jutta Eggers und ihre Mitstreiter einen informativen Foto-Jahreskalender für 2026. Museumsverein
Mit nur einem Meter Abstand zwischen den Schienen fuhr die Kleinbahn „Rosa“ ab Dezember 1901 von Rendsburg nach Hohenwestedt. „Rosa“ wurde in Betrieb genommen, um den Süden des Kreises Rendsburg bahntechnisch zu erschließen. „Für die Dörfer was das damals sozusagen der Anschluss an die Welt“, weiß Henning Mollenhauer vom Vorstand des Museumsvereins Hohenwestedt aus den Erzählungen seines Großvaters. „Die Kleinbahn hatte eine ungeheure Bedeutung, denn so konnten mit Güterwaggons landwirtschaftliche Produkte, Holz und Dünger transportiert werden“, ergänzt Museumsvereins-Kassenwart Rolf Wohlers. Von Hohenwestedt aus ging es mit der „Rosa“ über Remmels, Nindorf, Luhnstedt, Stafstedt, Legan, Spannan, Dammstedt, Jevenstedt, Schülp und Westerrönfeld nach Rendsburg. Das dauerte etwa einviertel Stunden. „Für die Passagiere waren das noch gemütliche Zeiten“, stellt Mollenhauer fest: „Die Dampfloks fuhren maximal 30 Stundenkilometer, die Triebwagen, die ab 1925 im Einsatz waren, 40 Stundenkilometer.“ 1916 erfolgte der Ausbau des „Rosa“Schienennetzes bis nach Schenefeld (heute Kreis Steinburg). 1954 wurde die Strecke Hohenwestedt-Schenefeld wieder stillgelegt, 1957 kam auch das Aus für die Strecke Hohenwestedt-Rendsburg.
Um „Rosas“ 125. „Geburtstag“ zu feiern, plant der Museumsverein Hohenwestedt eine Ausstellung, die am Sonntag, 11. Januar, um 15 Uhr im Burmesterhaus in der Friedrichstraße eröffnet werden soll. „Dafür suchen wir noch Bilder und Erinnerungen aus der Bevölkerung“, sagt Jutta Eggers, die die Idee zu der „Rosa“Sonderschau hatte. Ein paar Geschichten hat der Museumsverein schon zusammengetragen. Der Großvater von Rolf Wohlers war dabei, als 1925 rund 30 Hohenwestedter zum Nindorfer Kaffeeball fuhren. Weil sie alle noch ein bisschen länger feiern wollten, kamen sie auf die Idee, einen Sonderzug zu ordern, den der Hohenwestedter Stationsvorsteher nach Rücksprache mit der Rendsburger Zentrale auch tatsächlich genehmigte. Um Mitternacht holte der „Rosa“-Sonderzug die Kaffeeballgäste aus Nindorf ab.
Den Zwischenstopp in Remmels nutzten die Feierwütigen aber sogleich zur Einkehr in den örtlichen Bahnhofskrug. „Das Zugpersonal hatte größte Mühe, alle Fahrgäste für die letzte Etappe wieder in den Zug zu bekommen“, erzählt Henning Mollenhauer, der die Ausstellungseröffnung mit einem Lichtbildervortrag über eine Kleinbahnfahrt von Rensburg nach Schenefeld bereichern will.
Viele Bilder von der „Rosa“ hat auch der „Kreisbahn Rendsburg“-Jahreskalender des Museumsvereins Hohenwestedt für 2026 zu bieten. Zu sehen gibt es unter anderem Fotos von einem Bautrupp, der im Sommer 1900 von Hohenwestedt her kommend Remmels erreichte; von einer Dampflok, die 1934 in Remmels ihren Wasservorrat auffüllt; vom Kopfbahnhof in Hohenwestedt, von der Rendsburg, vom Streckenabschnitt im Luhnstedter Forst und von der Drehbrücke in Abschiedsfeier der Hohenwestedter für ihre Rosa“. Der Kleinbahn-Kalender ist im Heimatmuseum (geöffnet immer sonntags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr) und in der Gemeindebücherei erhältlich.
Hans-Jürgen Kühl