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Bandleader Alexander Schick: "Bei der Musik vom King bekam ich Gänsehaut"

FOTO: MEMORIES; GRAFIK: ONYXPRJ/STOCK.ADOBE.COM

The Memories spielen - mit einer kleinen Unterbrechung - seit Jahren in den Sommermonaten regelmäßig in der Kurmuschel auf der Promenade in Westerland. Bandleader Alexander Schick sprach mit unserer Redaktion darüber, wie sich die Band vor 46 Jahren gegründet hat, welchen Herausforderungen sie sich heute stellen muss und was Elvis Presley damit zu tun hat.

Interview über Herausforderungen, Konzerte und mehr

Herr Schick, beschreiben Sie doch mal ein Konzert für jemanden, der noch nie dabei war.
Livemusik mit richtig fettem Sound. Keine Musik aus der Konserve. Alles ist handgemacht und live. Mit uns geht es mit Volldampf in die 1950er- und 60er-Jahre. Wir machen Musik, die immer älter ist als wir selbst und wir lieben die Welthits der Rock'n'Roll-Ära. Die Generation Silberlocke erkennt die Titel meist von den ersten Takten an. Wir lieben vor allem die gute Instrumentalmusik von damals. Den Gitarrensound der legendären Shadows und Ventures und den wunderbaren Bläsersound von Herb Alpert und Bert Kaempfert.

Wie oft müssen Sie gemeinsam proben? Wie bereiten Sie sich auf die Saison vor?
Da die Kollegen weit auseinander leben, übt jeder für sich selbst und die drei Bläser und die vier Kollegen der Rhythmusgruppe üben jeweils als Combo. Eine Gesamtprobe braucht man dann erst kurz vor Konzertbeginn, so dass man wieder aufeinander eingespielt ist. Aber die Kollegen sind alle Profis und gehören zu den Besten ihres Fachs. Da klappt das immer schnell, dass man wieder eine musikalische Einheit ist. Das ist also kein Problem. 

Doch in der Konzertsaison haben wir andere Probleme. Zwei Kollegen leben bei Kiel und einer studiert in Hamburg. Die Kollegen fahren für die Konzerte im Jahr Tausende von Kilometern und verbringen für ein Zwei-Stunden-Konzert fast sechs Stunden auf Autobahn und Landstraßen. Das ist jedes Jahr die größte Herausforderung. Unsere Konzerte finden daher auch früher als das sonstige Programm in der Musikmuschel statt, damit die Kollegen noch einen der letzten Züge aufs Festland bekommen, denn Montagmorgen ist wieder der normale Arbeitsalltag dran.

Kommen auch neue Stücke aus den 1950er- und 60er-Jahren dazu?
In den letzten beiden Saisons haben wir etliche neue Stücke dazu genommen. Diese sind immer sehr aufwändig, da die Notensätze genau abgehört werden müssen. So hat unser Solotrompeter Bertalan Frenczel sich lange hingesetzt und das gesamte Orchesterarrangement bei der Titelmelodie von James Bond rausgehört. Dann muss alles so umgeschrieben werden, dass der Titel mit sieben Musikern sich so voll und voluminös anhört, als wenn ein ganzes Orchester spielen würde. Das ist immer eine Herausforderung, aber das Ergebnis ist beeindruckend. Und für meine Frau ist James Bond nun der beste Titel bei uns im Programm. 

Wie kam es 1979 zur Gründung der Memories?
1977 starb Elvis Presley. Als ich durch die Fußgängerzone ging, standen Lautsprecher auf der Straße und ich hörte zum ersten Mal "Blue Suede Shoes“ und "Tutti Frutti“. Das hat mich als 15-Jährigen vom Hocker gehauen. Ich kannte damals nur diese übliche Schlagermusik von Heintje oder Roy Black. Aber bei der Musik von dem King bekam ich Gänsehaut. Ich besorgte mir Schallplatten, bekam eine Gitarre geschenkt und wollte unbedingt die Elvis-Songs spielen. In meiner Klasse auf dem Sylter Gymnasium war Bernd Pahlke, der schon damals im Musikunterricht auffiel, weil er ein absolutes Gehör hat. Er konnte gut Gitarre spielen und wir trafen uns jede Woche bei ihm zu Hause und übten. Als Bernd und ich dann in der Musikschule Westerland Gitarrenunterricht nahmen, hatten wir den Wunsch, eine Band zu gründen. Es fanden sich gleich etliche Mitstreiter. 

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So Mario Andresen, der noch heute unser Bassist ist und damals auch Jürgen Borstelmann, der heute ein hervorragender Kirchenmusiker auf Sylt ist. Wir übten jeden Sonntag in der Musikschule stundenlang. Bei der Jubiläumsfeier der Musikschule 1980 traten wir als neue Band auf und brauchten einen Namen. Elvis hatte bei seiner Combackshow von 1968 ein wunderschönes Lied präsentiert: „Memories“. Das stand bei unserem Bandnamen Pate.

Von 2019 bis 2023 hat die Band eine Pause eingelegt. Warum haben Sie sich dann für ein Comeback entschieden?
Das hatte mehrere Gründe. Nach 30 Jahren Mitgliedschaft sind unser Schlagzeuger Peer Oelschlägel und unser Trompeter Holger Hoffmann aus der Band ausgestiegen. Die vielen Konzerte, das Berufs- und das Familienleben kollidierten doch recht oft. So suchten wir einen neuen Drummer, was nicht einfach war. Dann kam Corona und es ging gar nichts mehr. In der Corona-Zeit verstarb dann auch noch unser langjähriger Gitarrist und Keyboarder Dr. Helmut von Grabowiecki. Das war musikalisch und menschlich ein großer Verlust. Wir hatten fast 40 Jahre zusammen Musik gemacht und waren enge Freunde. Eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr als Memories weiter machen.

FOTO: JÖRG ELIAS/ISTS; GRAFIK: ONYXPRJ/STOCK.ADOBE.COM
FOTO: JÖRG ELIAS/ISTS; GRAFIK: ONYXPRJ/STOCK.ADOBE.COM

Wir waren ja nur noch vier Musiker, die übrig geblieben waren. Versuche neue Musiker zu finden, scheiterten zunächst. Doch wir als „Ur-Memories“ gaben nicht auf. Und da spielte der talentierte Nachwuchs eine nicht unwesentliche Rolle. Bereits seit frühester Jugend sind die Söhne von Bertalan Frenczel in die Musik eingeführt worden. Samuel belegte mit seiner Trompete beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" den 1. Platz und sein Bruder Emanuel mit seiner Posaune den 5. Platz. Besser geht es nicht. Dann kam eines Tages ein Anruf und es stellte sich Ralf Brauckhof vor, ein Profi-Drummer, der damals in die Nähe von Sylt gezogen ist. 

Nach den ersten Takten bei der Probe merkten wir: Hier stimmt die Chemie. Nur einen Keyboarder fanden wir nicht. Daher entschlossen wir uns, "Back to the roots" zu gehen. In den 1960er-Jahren gehörte Herb Alpert mit seinen Tuijana Brass zu den erfolgreichsten Bands der Welt. Die Zusammensetzung dieser Band wurde zur Vorlage für uns: Zwei Trompeten, Posaune, Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren. Und das Projekt Memories 2.0 war geboren. Der Sound ist perfekt und klingt voll und wuchtig. So konnte es weitergehen und als wir 2023 die ersten Konzerte gaben, tobte das Publikum. Das hat uns bestärkt in dieser neuen Besetzung weiterzumachen.

HINWEIS:

alle Konzerttermine stehen auf memories-sylt.de


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