Seit fast 100 Jahren besteht der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Söth in Ahrenviöl. Heinrich Söth, der noch konventionelle Landwirtschaft betrieben hat, machte in den 80er Jahren eine Entdeckung: Ihm fiel auf, dass der Fischbestand in der Arlau von Jahr zu Jahr weniger wurde und erkannte, dass die Wasserqualität aufgrund von Überdüngung rapide gesunken ist. In dem Phänomen, das der Vater selbst beobachtete, fanden seine Söhne ihre Berufung und wandelten seit den 80er Jahren den elterlichen Hof in einen ökologischen Betrieb um, der seit nunmehr über 30 Jahren mit dem Siegel „Bioland“ ausgezeichnet ist.
„Das war damals eine Pionierarbeit. Wir gehörten vor 30 Jahren zu den ersten, die biologische Landwirtschaft betrieben“, sagt Gunnar Söth. „Wir haben aus Idealismus angefangen, in dem Bewusstsein darüber, welchen negativen Einfluss durch Überdüngung und Pestizide verseuchte Böden auf die Natur haben.“ Gunnar hat ökologische Landwirtschaft studiert und Renke war damals Erzieher, der neben seiner beruflichen Tätigkeit in Idstedt bei Schleswig zuerst nebenher auf dem Hof seiner Familie mitarbeitete. Er leitet heute den Direktvertrieb der von seinem Bruder angebauten Produkte. Anfangs waren die Bewohner Ahrenviöls skeptisch. Mit Begriffen wie „Nachhaltigkeit“ und „ökologische Landwirtschaft“ konnten damals die wenigsten etwas anfangen und dass die alternativen Landwirte auf ihrem Hof in einer WG zusammenlebten, wurde kritisch beäugt. Anfangs lieferten die Söths ihre Bio-Produkte nach Hamburg, weil es dort Kunden für Bio-Produkte gab.
Doch im Laufe der Zeit stieg auch in Nordfriesland und den benachbarten Kreisen das Interesse an den nachhaltigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen hier von Söth, bei denen vollständig auf Pestizide verzichtet wird und die Biodiversität im Vordergrund steht. Anstatt mit künstlich zugeführten Chemikalien wird hier mit der richtigen Fruchtfolge gearbeitet, um optimale Ernteerträge zu erzielen. Schwerpunktmäßig werden Kartoffeln, zehn verschiedene Sorten, angebaut. Aber auch die „söthen Erdbeeren“, Tomaten, Kohl und Kürbisse wachsen auf dem 40 Hektar großen Betrieb der Familie Söth. Neben den Eigenflächen werden zudem auch Flächen von befreundeten Betrieben genutzt, beispielsweise in Backensholz.
Der große Durchbruch für den Direktvertrieb von Söths Produkten begann im Jahr 2004 mit Renke Söths Konzept der Biokiste. „Als wir anfingen, hatten wir um die 15 Kunden, denen wir jede Woche eine Bio-Kiste lieferten. Damals verbreitete sich das nur über Mund-zu-Mund-Propaganda“, erinnert sich Renke Söth. Doch heute sind es 600 bis 700 Biokisten, die jede Woche verkauft werden. Über die Internet-Seite können Überraschungskisten oder eine individuelle Auswahl aus den 3000 verfügbaren Artikeln bestellt werden - als Abo oder Einzelbestellung. Mit der Schnupperkiste können Neukunden das Angebot kennen lernen. Außerdem gibt es einen Verkauf direkt auf dem Hof in Ahrenviöl und jeden Samstag auf dem Husumer Wochenmarkt.
Heute hat der Betrieb 15 Angestellte, die dafür sorgen, dass die Kunden regelmäßig frische Bio-Produkte bekommen. „Mir gefällt die Arbeit mit hochqualitativen Lebensmitteln und ich mag es einfach, die Obst- und Gemüsekisten zusammenzustellen“, sagt Angestellte Daniela Heller. „Mit dem tollen macht das richtig Team Spaß.“ Und Britta Becke sagt von sich sogar, dass sie mittlerweile zum Inventar gehöre. Sie ist seit 15 Jahren bei Söth beschäftigt, fing hier als Ausfahrerin von Bio-Kisten an und übernahm später die Büroarbeit. „Es ist hier an jedem Tag schön“, sagt Becke. Sie betont, dass sie sehr gerne zur Arbeit komme und ein sehr freundschaftliches Klima unter den Mitarbeitern herrsche.

Renke Söth weist darauf hin, dass die Bio-Produkte etwas teurer als die aus konventioneller Landwirtschaft sind, aber macht deutlich: ,Unsere Produkte sind preisweit, weil sie ihren Preis wert sind.“ Sein Antrieb ist, dass heute immer noch zu wenig für Natur- und Klimaschutz getan werde. „Das dringendste Thema unserer Zeit ist der Klimaschutz, denn wir sind kurz davor, den Planeten an die Wand zu fahren“, sagt Renke Söth. Ein oft unterschätztes Problem hierbei sei, dass zu viel Fleisch gegessen wird. Wenn man auf der Titanic sitze, während sie gerade untergeht, dann könne man nicht in Ruhe die Pokerkarten verteilen, sondern müsse so schnell wie möglich handeln. Er würde sich wünschen, dass noch mehr Landwirte den ökologischen Weg gehen. Doch durch bewussten Konsum können auch die einzelnen Endverbraucher einiges bewegen - entsprechend des Mottos „Kaufentscheidung ist Richtungsentscheidung.“
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