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Migräne mit Aura oder Schlaganfall?

Erstmal Augen zu! Die Aura vor einem Migräneanfall macht sich oft durch flimmernde Zacken im Gesichtsfeld bemerkbar. Foto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Taubheit in den Fingern und Worte, die einem nicht mehr einfallen mögen: Eine Aura kann einen durchaus erstmal an einen Schlaganfall denken lassen. Wo verläuft die Grenze?

KIEL
Der Grund für eine Migräne und damit für Auren ist, dass die Patientinnen und Patienten eine angeborene Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn haben.

,,Ihr Nervensystem steht ständig unter „Hochspannung“, sagt Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel. Ihre Gehirne nehmen dadurch Reize früher und schneller auf und verarbeiten sie rascher. Strömen zu viele Eindrücke ein zu schnell, zu plötzlich -, werden die Nervenzellen stark aktiviert. Dabei kann die Energieversorgung in ihnen zusammenbrechen.

Das bedeutet: Die Steuerung der Nervenfunktionen entgleist. „Und da die Sehrinde des Gehirns besonders viel benötigt, Energie kommt es zu Sehstörungen, der typischen visuellen Aura", sagt Hartmut Göbel.

Nicht immer einfach ist die Unterscheidung zwischen einer Aura und einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Sie gilt als Vorbote eines Schlagan falls. ,,Und Fehler sind sehr schädlich“, sagt Göbel. So könne die Fehldiagnose einer TIA als Migräne mit Aura zu einem vermeidbaren Schlaganfall führen.

Für eine sichere Diagnose muss der Patient mindestens zwei Episoden aufweisen, die spezielle Kriterien erfüllen. ,,Mit nur einer Episode ist es schwierig zu entscheiden“, sagt Göbel. Und ohnehin: Eine Diagnose kann nur ein Arzt oder eine Ärztin stellen. Wichtig: Besteht Verdacht auf einen Schlaganfall, ist das ein Fall für den Notruf 112. Denn die erste Zeit nach einem Schlaganfall entscheidet über das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn, heißt es von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Die Checkliste

Wenn mindestens zwei der folgenden Punkte erfüllt sind, spricht das eher für einen Schlaganfall:

1. Alle Symptome treten innerhalb von unter einer Minute mit maximaler Intensität auf und breiten sich nicht allmählich aus.

2. Es bestehen mehrere Symptome, die gleichzeitig auftreten.

3. Alle Symptome sind Defizite wie Sehverlust, Taubheit, Lähmungen. Es bestehen keine sogenannten positiven Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln oder Farbsehen.

4. Die Symptome werden nicht von Kopfschmerz begleitet, es folgt ihnen innerhalb einer Stunde auch kein Kopfschmerz nach.

Eher für eine Migräne-Aura sprechen diese Punkte:

1. Die Symptome treten langsam über 15 bis 30 Minuten zunehmend auf.

2. Wenn mehrere Symptome auftreten, treten sie sukzessive, also eines nach den anderen, auf.

3. Es bestehen sogenannte positive Symptome Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln, Farbsehen.

4. Nach spätestens einer Stunde folgen diesen Symptomen Kopfschmerzen. dpa/tmn

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