Die Mürwiker feiern ihr 60-jähriges Bestehen. Die Geschichte des Unternehmens begann am 2. Mai 1966, als Kurt und Elfriede Pahnke die erste „Mürwiker Werkstätte“ in ihrem Eigenheim in der Mürwiker Straße 109 in Flensburg gründeten. Ziel war es, ihrer Tochter Ursel sowie weiteren Schulabgängern mit Behinderung eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen. Der erste Auftrag kam von der Deutschen Post und wurde im Wohnzimmer der Familie Pahnke bearbeitet.

Aus einer kleinen Arbeitsstätte entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte einer der größten Träger der Eingliederungshilfe in der Region. Die Gründung erfolgte zu einer Zeit, in der Menschen mit Behinderung oft nur wenige oder keine Möglichkeiten hatten, am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Pahnkes wollten dies ändern und schufen einen Ort, an dem Fähigkeiten, Talente und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Dieser Gedanke prägt die Mürwiker bis heute. Aus den ersten entstandenen Arbeitsangeboten den nach und nach weitere Werkstätten, Wohnangebote sowie Bildungs- und Fördermaßnahmen. Heute bieten die Mürwiker vielfältige Leistungen in den Bereichen Arbeit, Bildung, Wohnen und Assistenz an zahlreichen Standorten im nördlichen Schleswig-Holstein an.
Ein zentrales Merkmal der Entwicklung der Mürwiker ist die stetige Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderung. Während früher häufig fürsorgliche und schützende Konzepte im Vordergrund standen, rückten mit den Jahren Selbstbestimmung und Teilhabe immer stärker in den Mittelpunkt, was sich unter anderem an den vielfältigen und differenzierten Wohnangeboten zeigt. Die Mürwiker setzen sich seit vielen Jahren für Selbstvertretung, Mitbestimmung und barrierefreie Kommunikation ein und haben entsprechende Strukturen oft schon entwickelt, bevor gesetzliche Vorgaben dies verlangten. Das Jubiläumsjahr unter dem Motto „60 Jahre in Bewegung“ bietet die Gelegenheit, auf diese erfolgreiche Entwicklung zurückzublicken und gleichzeitig die Werte in den Mittelpunkt zu stellen, die die Mürwiker seit ihrer Gründung prägen: Teilhabe, Selbstbestimmung, Qualität und Menschlichkeit.
Aktuelle politische Herausforderungen
Träger von Angeboten für Menschen mit Behinderung wie die Mürwiker stehen derzeit jedoch vor tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Inklusion und Teilhabe weiterentwickelt werden können, ohne bewährte Unterstützungsangebote zu gefährden. Gleichzeitig sehen sich die Mürwiker mit steigenden Kosten, Fachkräftemangel und den Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) konfrontiert.
Eine der größten Herausforderungen besteht in der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Ziel des BTHG ist es, Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung und individuelle Teilhabe zu ermöglichen. Leistungen sollen stärker personenzentriert ausgerichtet werden und weniger an Einrichtungen gebunden sein. In der Praxis bedeutet dies für die Mürwiker erhebliche organisatorische Anstrengungen: hoher Verwaltungsaufwand, komplexe Verhandlungen und zunehmend veränderte Bürokratie. woh