Vor 55 Jahren machte sich der gelernte KFZ-Mechaniker Richard Radspieler selbstständig und übernahm die ARAL-Tankstelle in Tönning in der Eiderstedter Straße 16. Viele Stolpersteine musste der damals 26-Jährige überwinden und schreckte dabei vor keine Schwierigkeiten zurück.
Doch wie übernimmt man einen Betrieb mit leeren Hosentaschen und kaum Geld im Portmonee? Für Richard Radspieler war dies jedoch kein Hinderungsgrund, sich seinen Traum von einem eigenen Betrieb zu erfüllen. „Ich hatte gerade mal 50 Mark als Investitionssumme, nicht gerade viel Geld“, stellt er heute lachend fest. Doch wer nicht wagt, könne auch nicht gewinnen, lautete damals seine Devise.



Heute ist er mit seinen 81 Jahren immer noch im Betrieb und lenkt die Geschicke. Dabei wird er unterstützt von seinen elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zu ihnen gehören auch seine beiden Enkeln Mechatronikermeister Marlon und Mechatroniker Fabian Timm. Sie erinnern ihn an seine Anfänge, an seine Ausbildungszeit als KFZ-Mechaniker. Kaum ausgelernt und die Meisterschule hinter sich, stellten sich die ersten Hinternisse ein. Trotz Arbeitslosigkeit ließ er den Kopf nicht hängen. Immer wieder sah er sich nach einem Job um und bastelte an Autos herum. „Man darf sein Leben nie aus der Hand geben.“
Diese mahnenden Worte begleiteten ihn sein Leben lang. Denn im Hintergrund all seiner Bemühungen stand immer noch der Wunsch nach einem eigenen Betrieb. Und diese jahrelange Hoffnung wurde belohnt. Eine Zeitungsanzeige verwies ihn auf eine ARAL-Tankstelle, die einen neuen Pächter suchte. Zu diesem Pachtbetrieb gehörte eine Waschhalle und eine kleine Reparaturwerkstatt für zwei Autos, ganz nach seinem Geschmack. „Mir war augenblicklich klar, dass dies meine Chance war und griff sofort zu“, erinnert er sich. 50 Deutsche Mark waren seine Ersparnisse, mit denen er anfing. Bis heute hat er dieses abenteuerliche Unternehmen nicht bereut auch wenn die ersten Jahre keine Herrenjahre waren.
Die Übernahme der Tankstelle war mit viel Arbeit verbunden was zur Folge hatte, dass Familie und Hobbys zurück stecken mussten. Doch er folgte seiner Vision, baute sein Betrieb zu einer Freien Tankstelle um und erweiterte sein Reparaturservice. Hierzu wurde eine größere Halle angebaut und sein Unternehmen auf den neuesten technischen Stand ausgerüstet. Doch mehr Arbeit und Service erforderte auch mehr Personal. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören heute zum Team. Ein freundlicher Schnack mit den Kunden gehört ebenso zur Philosophie des Betriebes wie der fachgerechte und professionelle Service. Hierfür stehen in der modern und auf dem neuesten technischen Stand ausgestattete Werkstatt fünf verschieden große Hebebühnen. „Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören präzise Achsvermessungen und moderne Fahrzeugdiagnosen zur schnellen Fehlererkennung“, erklärt Marlon Timm. Er unterstützt seinen Großvater auf allen Ebenen und steht bereits in den Startlöchern zur Übernahme des Betriebes. Wenn alles gut verläuft, soll der Stabswechsel noch in diesem Jahr erfolgen, verrät der Mechatronikermeister.
Für seine Kunden hat er einen wichtigen Tipp. „Regelmäßige Inspektionen tragen zur Werterhaltung des Fahrzeugs bei.“ Und mit Karosseriearbeiten könnten sowohl Unfallschäden als auch Alterungserscheinungen behoben werden. Zum umfangreichen Serviceangebot des Unternehmens gehört der rund um die Uhr verfügbare Pannendienst. „Wir sind über das ganze Jahr einsatzbereit“, verspricht Marlon Timm. Mehrere Einsatzfahrzeuge ermöglichen es, schnell auf Notfälle zu reagieren. Zusätzlich bietet das Team Radspieler einen Erinnerungsservice für Hauptuntersuchungen an, damit die Kunden keine Fristen verpassen.
Um die Zukunft seines Unternehmens macht sich der Firmengründer Richard Radspieler keine Sorgen und verweist dabei auf seine beiden Enkel. „In ihren Händen ist der Betrieb gut aufgehoben“, stellt er zufrieden fest. hjm