Wir sind die Jüngsten“, sagt Jörg Rohde mit einem verschmitzten Lächeln. Das erstaunt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Lollfußer Schützengilde in diesem Monat immerhin ihr 325-jähriges Bestehen feiert. Aber es ist, wie es ist: Die beiden anderen, die Friedrichsberger Schützengilde und die Altstädter St. Knudsgilde, sind deutlich älter. Letztere wurde 1449 gegründet.

Ab 12. Juli feiern die Lollfußer ihr großes Jubiläum. Darauf freuen sich die Gildebrüder insofern ganz besonders, als es das erste Schützenfest nach sechs Jahren ist. 2021 fiel es wegen der Pandemie aus. Die Möglichkeit, es ein Jahr später direkt nachzuholen, fiel aus, weil man im Drei-Jahre-Rhythmus mit den beiden anderen Gilden bleiben wollte. Also 2024!
118 Mitglieder hat die Lollfuẞer Schützengilde derzeit. Der 1. Ältermann Jörg Rohde freut sich, dass jetzt elf neue Mitglieder aufgenommen werden. Die so genannten Rekruten werden beim Schützenfest vorgestellt und womöglich auch ein wenig durch den Kakao gezogen. Neben der Pflege jahrhundertealter Tradition gehört auch Frohsinn - neben Ordnung und Einigkeit - zu den Vereinszielen.
Die Schützengilden entstanden aus früheren Bürgerwehren, berichtet Claus-Peter Jeß, der sich als derzeit regierender Schützenkönig besonders auf die Tage ab 12. Juli freut. „Das ist sein Fest!“, bekräftigt dann auch Jörg Rohde. Am Dienstag jedoch wird es einen Nachfolger geben. Wer immer am Abend den verbliebenen Rumpf des Vogels von der Stange schießt, wird die neue Majestät und darf sich einen Beinamen geben. Jeß ist „Claus-Peter, der Tolerante“.
Als die Aufgaben der Bürgerwehren von Polizei und Feuerwehren übernommen wurden, entwickelten sich die Gilden zu Traditionsvereinigungen. Dazu gehört zwingend eine Kleiderordnung; so wird man die Gildebrüder während der Festtage ausschließlich in Schwarz antreffen. Nur wenn es besonders heiß ist, darf der 1. Ältermann eine „Anzugserleichterung“ anordnen.
Die Gilden hatten immer schon eine große Bedeutung in der Stadt. „Das war früher der Hautevolée“, so Rohde. Nur bedeutende Bürger wurden Mitglied, und mit denen wollte es sich letztlich auch der König in Kopenhagen nicht verderben. Also machte er der Gilde 1732 die Schützenkoppel zum Geschenk. Bis heute ist diese öffentliche Fläche im Eigentum der Gilde, sie muss sich um die Pflege kümmern. Rohde und Jeẞ stehen dazu, dass die Lollfußer eine reine Herrengilde sind. Frauen können nicht Mitglied werden. „Aber ohne Frauen geht es nicht!“, stellt Rohde klar. Sie organisieren eigene Veranstaltungen und sind auch beim Schützenfest beteiligt. „Sie schießen auch!“, so Rohde.
Geschossen wird an mehreren Tagen. Ziel sind nacheinander die fünf Bestandteile des hölzernen Vogels: zwei Flügel, Kopf, Schwanz, Rumpf. Geschossen wird mit einem Kleinkalibergewehr. Damit es nicht zu ungewollten Schäden kommt, ist das Gewehr fest montiert und hat nur einen geringen Bewegungsspielraum. Der Vogel ist fest in einem Kasten, dem Kugelfang, montiert. Der Schießmeister überwacht das Schießen. König wird, wer am Dienstag mit seinem Schuss den Rumpf des Vogel herunterholt. „Das ist aber Glücksache“, sagt Rohde augenzwinkernd. Einmal habe man bis fast Mitternacht geschossen, bis er endlich herunter fiel.
Das Mammutprogramm der kommenden Tage ist genau getaktet. Erster nicht öffentlicher - Programmpunkt ist am Freitag um 14.30 Uhr das Girlandebinden der Schützenschwestern. Um 19 Uhr folgt ein Gottesdienst im Festzelt. Richtig los geht es dann am Sonnabend mit dem Antreten der Rekruten und der „Rekrutenbesichtigung durch Seine Majestät Claus-Peter der Tolerante. Ganz wichtig: die Generalversammlung. Eher lustig: der Hänselgang der Rekruten. Sehr gesellig: Tanz mit DJ Olli bis Mitternacht.
Mit schmissiger Musik des Spielmannszugs werden die Vorstandsmitglieder zu Hause am Sonntagmorgen ab 7.30 Uhr geweckt. Ab 16 Uhr geht es ans Schießen. Erstes Ziel: der Schwanz. Abends spielt die Band „Joker“ zum Tanz auf. Die ganze Stadt ist eingeladen. Am Montag folgt der„Marsch durch die Stadt“ bis hin zum Kloster. Um den Holm zu durchqueren, müssen sich die Gilden zuvor die Genehmigung des Ältermanns der Fischerzunft abholen. Abends wird wieder geschossen und getanzt. Am Dienstag gibt es ein Treffen mit den anderen Gilden, mit denen man dann gemeinsam zur Schützenkoppel marschiert. Ab 19 Uhr wird dann dort so lange geschossen, bis der neue König feststeht. рор