
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich möchte dieses Grußwort mit einem Kompliment beginnen: Schön, dass es Sie gibt! Ich meine das ganz ehrlich. Immerhin sind Sie, wenn Sie diese Zeitung in den Händen halten, Zeuge einer ganz besonderen Geburtstagsfeier. Und seine Gäste muss man loben, selbst wenn sie den Ehrentag bequem aus ihrem Lesesessel mit uns begehen. Und da unser Geburtstagskind aufgrund seines hohen Alters und seiner flachen Form nicht selbst sprechen kann, darf ich diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen.
Wir feiern heute 150 Jahre Husumer Nachrichten. Das sind 150 Jahre Qualitätsjournalismus eineinhalb, Jahrhunderte gefüllt mit Recherchen, Kommentaren und Analysen. Wie könnten wir so ein besonderes Datum also besser begehen als mit einer Jubiläumszeitung?
Im Herzen von Nordfriesland haben über die Jahrzehnte viele Reporter ihr Handwerk gelernt. Die Journalisten der Husumer Nachrichten eint heute wie früher die Liebe zu ihrer Heimat. Wir sind kritisch, wir gucken genau hin, aber immer aus einer wohlwollenden Perspektive, auch weil wir genau wissen, dass Husum so viel mehr ist als die von Theodor Storm zu Beginn seines Gedichtes beschriebene Eintönigkeit der grauen Stadt am Meer. Wir halten es eher mit der letzten Strophe und sagen: es hängt unser ganzes Herz an dieser besonderen Stadt. Und natürlich an der ganzen Region zwischen St. Peter-Ording und Ostenfeld, zwischen Drage und Bargum. Die übrigens auch von Theodor Storm gerne bereist wurde und sich in seinen Werken wiederfindet.
Als Lokaljournalist zu arbeiten, ist nicht immer einfach und gerade deswegen so wichtig. Die schiere Zahl der Nachrichten nimmt täglich zu und dennoch gibt es immer mehr Länder und auch Landstriche in Deutschland, in denen die Menschen keine Lokalnachrichten mehr bekommen. Dabei haben gerade die globalen Krisen der vergangenen Jahre gezeigt, wenn es in der Gesellschaft wackelt, wenn die Erde brennt, dann hat das immer auch Auswirkungen auf mein individuelles Leben, auf meine Stadt, auf mein Dorf.
Die Coronapandemie, die Klimakrise und der Krieg in der Ukraine haben uns wieder brutal vor Augen geführt, wie wichtig Meinungs- und Pressefreiheit sind. Gerade wenn Politik und Gesellschaft derart herausgefordert sind und neue Wege beschreiten müssen, braucht es Reporter, die dies mit lokalem Wissen und kritischem Blick begleiten. Dass Sie diese Zeilen lesen, zeigt uns, dass Sie diese Haltung teilen.
Darum geht mein großer Dank heute vor allem an Sie: an alle Leserinnen und Leser, die uns so lange die Treue gehalten haben, an Ihre Eltern und Großeltern, die die Husumer Nachrichten schon lasen, lange bevor wir auch nur zu hoffen wagten, diesen Geburtstag einmal feiern zu können. Ich danke aber auch allen Leserbriefschreibern, allen Gesprächspartnern und allen wachen, kritischen Geistern, die uns immer wieder auf Missstände aufmerksam machen und uns zu den relevanten Geschichten führen.
Bleiben Sie kritisch, aber bleiben Sie uns gewogen. Und bleiben Sie bei uns. Wir legen den Reporterblock nicht weg und versprechen:ob grauer Nebel oder klare Sicht, unser Herz schlägt weiter für lokale Nachrichten und für Husum und die Region.
Herzliche Grüße
Miriam Scharlibbe
Chefredaktion