Von der neuen Lust, aufs Land zu ziehen, profitiert auch Nordfriesland. Studien unter anderem des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung belegen, dass immer mehr Menschen aus Großstädten abwandern und ihr berufliches und familiäres Glück im Dorfleben oder in Städten mittlerer Größe suchen. 2021 habe es demnach die größte Abwanderung aus Großstädten seit 30 Jahren gegeben. Urwüchsige Natur, die im Vergleich zu Metropolen eher geringeren Lebenshaltungskosten und die familiäre Atmosphäre sind Argumente, die angeführt werden und somit genau auch auf Nordfriesland zutreffen.
Hinzu kommt der verstärkte Trend, beruflich aus dem Homeoffice arbeiten zu können. „Leben, wo andere Urlaub machen“ – der Spruch ist in der Tourismusregion Nordfriesland - mit seinen vielfältigen Freizeit- und Kulturangeboten fest verankert. Und das Wort von der „Work-Deich-Balance“ macht endgültig klar, dass jeder hier nach getaner Arbeit Entspannung und Sport am Meer suchen kann. Daher greifen auch mehr und mehr die Angebote auf, die die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFGNF) macht, um Unternehmen bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter zu unterstützen - bis hin zur Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland.
Auf den Sprung aus der Metropolregion Hamburg aufs Land bereiten sich gerade Lars Nissen, geborener Fandrich, und Hjördis Nissen vor. Die beiden 32-Jährigen wohnen noch in ihrer Eigentumswohnung in Norderstedt – mit ihrem fast zweijährigen Sohn. Beide arbeiten in Hamburg. Er berät nach seinem Bwl-Studium in Flensburg in einer Firma Unternehmen beim Marketing und in der Mediaplanung. Sie ist bei der Stadt Hamburg angestellt. Und obwohl sie so gesehen im Speckgürtel der Großstadt sesshaft geworden sind, zieht es sie nach Nordfriesland zurück in ihre Heimat. Lars stammt aus dem Husumer Ortsteil Rödemis, Hjördis aus Mildstedt. Im Bau ist in Mildstedt ein Doppelhaus, in ihre Hälfte wollen sie zum Jahreswechsel einziehen. „In Norderstedt hätten wir nur auf Biegen und Brechen einen Neubau finanzieren können, hier kriegen wir nun mehr Immobilie für weniger Geld“, belegt Lars Nissen einen der Kostenvorteile auf dem Land.
Die junge Familie ist ein Musterbeispiel für Rückkehrer, die in der Ferne ihre beruflichen Erfahrungen gesammelt haben und an einem bestimmten Punkt ihrer Karriere sich ihrer Wurzeln in Familien und Freundeskreis erinnern. Und beruflich bleibt sogar alles beim Alten. Homeoffice macht es möglich: Hjördis und Lars Nissen arbeiten von Mildstedt weiter für ihre bisherigen Arbeitgeber, sie für die Stadt Hamburg, er in der Beratung von Unternehmen. Der Sprung an die Westküste ist in jedem Fall der erste Schritt, um sich später gegebenenfalls auch spannenden Job-Angeboten in Nordfriesland zuzuwenden.

Längst punktet Nordfriesland auch mit Karrierechancen vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, Gesundheitswesen und Tourismus, die immer weiter wachsen. Wer sich an der Westküste umschaut, ist förmlich umzingelt von Stellenangeboten, mal auf dem Heck eines Lkw, mal auf Monitoren im Supermarkt und auch auf Großflächenplakaten. Das belegt die starke Nachfrage nach Mitarbeitenden quer durch alle Branchen.
Passgenau bietet die Wirtschaftsförderung Jobsuchenden und Arbeitgebern Unterstützung an, wenn es um die Besetzung offener Posten geht. So waren auch Nissens im Laufe ihrer Planungen auf die Kampagne „Küste sucht Könner“ der WFG-NF gestoßen. Die hat die Sehnsucht nach einem Arbeitsplatz am Meer zusätzlich zu den familiären Wurzeln noch einmal befeuert.
„Küste sucht Könner“: Die Kampagne der Wirtschaftsförderung gilt im Landkreis als zentraler Baustein, um Fachkräfte aus anderen Regionen anzuwerben. So werden vor allem die vorhandenen beruflichen Chancen herausgestellt. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die das Leben an der Küste mit einem beruflichen Neustart in der Region verbinden wollen.
Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass über soziale Medien Kurzfilme des Jobtesters Basti gestreut werden. Sie überzeugen dadurch, dass sie optisch die Reize der nordfriesischen Landschaft mit den beruflichen Chancen verbinden. „Basti – der Jobtester“ probiert regelmäßig spannende Jobs in innovativen Unternehmen, um zu zeigen, wie gut Nordfriesland als Mittelpunkt zum Leben und Arbeiten geeignet ist.
Das neu geschaffene „Welcome Center Schleswig-Holstein“ unterstützt zudem ausländische Fachkräfte und ihre Familien bei der Integration, von der Wohnungssuche über Behördengänge bis zur Arbeitsmarktintegration. Unternehmen werden bei der Anwerbung und dem Onboarding von internationalen Mitarbeitenden beraten. Darüber hinaus bietet die Wirtschaftsförderung Nordfriesland jegliche Hilfe bei der beruflichen Weiterbildung und Qualifizierung an, um die Nordfriesinnen und Nordfriesen fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft zu machen. epu