Wir lieben es einfach: kunterbunt verpackte Geschenke unterm Tannenbaum. Doch wohin mit der ganzen schicken Verpackung, wenn alles vorbei ist? Und wie wird der Weihnachtsmüll überhaupt richtig entsorgt? Wir haben bei Ines Herzmann, von der Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg GmbH (ASF) in Schleswig nachgefragt.
Frau Herzmann, was sind die häufigsten Fehler, die Menschen bei der Entsorgung von Geschenkpapier machen?
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass alle Arten von Papier, einschließlich Geschenkpapier, in die Papiertonne gehören. Besonders Glitzerpapier und lackierte Papiere sind ein Problem, weil sie Nicht-Papieranteile enthalten, die beim Recyclingprozess stören. Diese sollten daher in den Restabfall gegeben werden. Ein einfacher Trick, um zu erkennen, ob es ein Plastik- oder Lackschicht gibt, ist der Reißtest.
Welche Vorteile bietet die Verwendung von Recyclingpapier bei der Weihnachtsgeschenkverpackung für die Umwelt?
Recyclingpapier verbraucht bei der Herstellung weniger Energie und weniger Frischfasern. Das heißt, es müssen weniger Bäume dafür gefällt werden. Der Papiermüll ist der Rohstoff für neues Papier. Recyclingpapier ist mittlerweile optisch kaum von Frischfaserpapier zu unterscheiden. Die Verwendung von Recyclingpapier spart also natürliche Ressourcen und verringert den Energieverbrauch deutlich.
Können Sie einige kreative Alternativen zu herkömmlichem Geschenkpapier nennen?
Es gibt zahlreiche umweltfreundliche und einfallsreiche Möglichkeiten, Geschenke schön einzupacken, ohne dabei auf konventionelles Geschenkpapier zurückzugreifen. Eine der praktischsten Lösungen ist die Verwendung von Stoffbeuteln, die jedes Jahr aufs Neue wieder befüllt werden können. Ein weiterer origineller Ansatz ist das sogenannte “ Geschenk im Geschenk“. Hierbei wird beispielsweise ein Kochbuch in ein Geschirrtuch eingewickelt, ein Roman in einen Schal gehüllt oder ein Ticket in ein Fanshirt gesteckt. Auch alltägliche Materialien wie Zeitungspapier, alte Landkarten oder Poster eignen sich hervorragend als Verpackung. Kombiniert mit Naturmaterialien, wie Zweigen oder getrockneten Blumen, sieht das auch noch gut aus. Eine clevere Möglichkeit, um alte Verpackungen zu nutzen, ist das Neugestalten von leeren Keksdosen oder Schuhkartons zu dekorativen Geschenkboxen. Nicht zuletzt bietet es sich an, Geschenkpapier aufzubewahren und im nächsten Jahr wiederzuverwenden.
Warum gehören beschichtetes Geschenkpapier und Backpapier nicht ins Altpapier, obwohl sie Papier im Namen tragen?
Wie bereits erwähnt, stören Beschichtungen im Papier das Recycling. Landet das im Altpapier, muss es aufwendig aussortiert werden.
Stimmt es, dass zerbrochene Trinkgläser nicht in den Glascontainer gehören? Und was gehört dann in die Container?
Verpackungsglas, wie Flaschen und Gläser für Lebensmittel, gehört in den Altglascontainer, wo es nach Farben getrennt gesammelt wird. Trinkgläser hingegen, haben eine andere Glaszusammensetzung als Behälterglas. Daher gehören sie in die Restabfalltonne.
Können Sie erklären, warum zerbrochene Weihnachtsbaumkugeln nicht im Altglascontainer entsorgt werden sollen?
Auch die Zusammensetzung von Weihnachtsbaumkugelglas unterscheidet sich von dem des Behälterglases. Die unterschiedlichen Glassorten können nicht gemeinsa„m recycelt werden. Nichtverpackungsglas gehört in die Restabfalltonne. Auch Weihnachtskugeln aus Plastik gehören in den Restabfall.
Wie trägt die richtige Mülltrennung während der Weihnachtszeit zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei und warum ist das wichtig?
Durch die richtige Mülltrennung - nicht nur zur Weihnachtszeit - werden Rohstoffe in den Kreislauf zurückgeführt, was den Verbrauch von Frischmaterialien und den Energiebedarf verringert, der sonst bei der Herstellung und Rohstoffgewinnung anfallen würde. Dies verringert entsprechend die CO2-Emissionen und trägt damit zum Klimaschutz bei. Der Slogan unserer Kampagne„Wir lieben Recycling“ bringt es auf den Punkt: Dein Müll ist ein Rohstoff.
Warum ist es wichtig, dass Plastik - auch kompostierbare Plastiktüten nicht in die Biotonne geworfen wird?
In Bioabfallbehandlungsanlagen zersetzt sich der Bioabfall sehr schnell, deutlich schneller als sich kompostierbare Plastiktüten zersetzen. Genau wie die echten Plastiktüten werden daher auch die kompostierbaren Plastiktüten als Störstoffe aufwendig aussortiert. Besser ist, den Bioabfall in Papiertüten oder eingewickelt in Zeitungspapier in die Biotonne zu geben.
Was sollte man beachten, wenn man große Kartons entsorgen möchte? Gibt es Besonderheiten bei der Entsorgung auf den Recyclinghöfen?
Am einfachsten ist es, sehr große Pappen und Kartons zum Recyclinghof zu bringen. Dort drückt die Papierpresse die großen Kartons flach zusammen. Damit zu Hause die Papiertonne nicht sofort durch einen einzigen großen Karton blockiert ist, sollte sperriges Material hier ebenfalls zerlegt, zerrissen und/ oder flach gefaltet werden. Kartons und Papierabfälle, die neben die Tonne gestellt werden, werden nicht mitgenommen. Sind sie zum Beispiel vom Regen durchnässt, können wir das Material nicht mehr recyceln.
Warum ist es eigentlich so wichtig, Akkus, Batterien und E-Geräte nicht im Hausmüll zu entsorgen?
Die im E-Schrott enthaltenen Rohstoffe sollen im Wirtschaftskreislauf bleiben. Das klappt nur, wenn richtig entsorgt wird. In der Restabfalltonne sind die Rohstoffe verloren. Nicht zu unterschätzen ist auch die Brandgefahr. Elektrogeräte und Batterien, die im Müll entsorgt werden, können in Pressfahrzeugen oder auf Recyclinghöfen Brände verursachen. Glücklicherweise bieten mittlerweile viele Handelsgeschäfte, einschließlich großer Supermärkte Rücknahmestellen für Elektro-Kleingeräte und Batterien an. Gesetzlich sind Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche dazu verpflichtet, alte Elektrogeräte zurückzunehmen, sofern sie selbst regelmäßig solche Waren verkaufen. Dies bedeutet, dass Verbraucher ihre alten Geräte, wie einen Föhn oder einen Toaster, bequem während des Einkaufs zurückgeben können.
Wie unterstützt die mehrsprachige Sortieranleitung nicht-deutschsprachige Bürger dabei, ihre Abfälle korrekt zu sortieren?
Wir bieten Sortieranleitungen in zahlreichen Sprachen mit vielen bildlichen Darstellungen an. Diese können online über QR-Codes abgerufen werden.
Gibt es einen persönlichen Wunsch, den Sie an unsere Leser richten mögen?
Ich wünsche allen frohe und friedliche Feiertage. Ich hoffe, dass unser Slogan „Dein Müll ist ein Rohstoff!“ in den Köpfen der Menschen verankert wird, damit sie ihre Abfälle richtig trennen. Dieses Bewusstsein kann auch den Schritt unterstützen, Müll zu vermeiden und Dinge zu reparieren.
||Julia Voigt
Am Ende ist alles für die Tonne
Biotonne: Alle kompostierbaren Abfälle, einschließlich gekochter Speisereste und Gartenabfälle.
Papiertonne: Reines Papier und saubere. Kartonagen, jedoch keine fettverschmierten Kartons.
Gelbe Tonne: Verpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen.
Restabfalltonne: Alles, was nicht in die anderen Tonnen gehört, wie Hygieneabfälle und Kehricht. Kein Bioabfall, keine Elektrogeräte, keine Batterien oder Schadstoffe.