Es ist der klassische Gänsebraten, das Roastbeef, die Knödel und der Rotwein dazu. Es ist das italienische Tiramisu und die französische Mousse au Chocolat. Weihnachten und gutes Essen gehören einfach zusammen wie die Kugeln am Baum.
Doch gerade heute sitzt das kleine Teufelchen mit erhobenem Zeigefinger auf der Schulter und ermahnt, dass sich all die Leckereien danach auf Hüfte & Co. breitmachen. Wie sich die festlichen Tage genießen lassen, ohne dass sich gleich ein schlechtes Gewissen einstellt?„Keiner muss auf sein Lieblingsessen zu Heiligabend verzichten, am Schluss kommt es immer auf die Menge an“, weiß Dr. Petra Schulze-Lohmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Zudem sei gerade bei der Gans oft nicht das Fleisch selbst das Problem, sondern der Umgang mit dem austretenden Fett. Beim stundenlangen Braten läuft das Fett heraus und endet häufig in reichhaltigen Saucen.
Hier liegt einer der typischen Fehler: Statt das verlorene Fett wieder auf den Teller zu bringen, könnte man gesünder genießen, wenn auf die fettreiche Sauce verzichtet wird. Das bedeutet nicht den Verzicht auf Fleisch, sondern eher, auf die richtige Portionierung zu achten ein kleineres, aber qualitativ hochwertiges Stück Fleisch.
Gleichzeitig kann man das weihnachtliche Essen neu denken, indem man dem Rotkohl mehr Platz auf dem Teller gibt. Alternativen zu den kohlenhydratreichen Beilagen wie Knödel könnten Nudeln, etwa aus Kichererbsen oder Linsenmehl, sein.
Doch Schulze-Lohmann sieht noch einen Stolperstein, der auf der Kalorienbilanz zur Buche schlägt: „An Weihnachten gibt es oft keine richtigen Essenspausen und der Insulinspiegel läuft ständig auf Hochtouren, was die Fettverdauung stört. Ihr Tipp: Einfach mal eine Mahlzeit auszulassen und stattdessen einen Spaziergang machen. Und in Sachen Dessert? Warum nicht mal einen leckeren Obstkuchen statt der klassischen Sahne oder Buttercremetorte? Mit Dinkelmehl und Rapsöl beispielsweise, wählt man eine gesündere Variante.
Alkohol ist ebenfalls ein gewichtiges Thema, da schon in einem Glas reichlich Kalorien stecken und zudem die Fettverbrennung gehemmt wird. Auch hier muss nicht verzichtet werden, aber immer mal wieder zum Wasser greifen bringt schon einiges. Das kann man übrigens gut mit Gurke oder Zitrone geschmacklich attraktiver machen.
Die DGE spricht generell eher von ausgewogener als von gesunder Ernährung. Der Ernährungskreis empfiehlt, dass etwa drei Viertel des Speiseplans aus pflanzlichen Produkten bestehen sollten, einschließlich viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Besonders in der Weihnachtszeit sind Hülsenfrüchte und Nüsse, wie Walnüsse, eine gute Wahl. Wobei man Nüsse in Maßen genießen sollte, da sie viel Fett enthalten“, sagt die Expertin. Fleisch bleibt Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. „Es gibt keinen ernährungsphysiologischen Grund, es komplett zu meiden. Wichtig ist die richtige Auswahl und Zubereitung, also mageres Fleisch und schonendes Garen“, sagt Schulze-Lohmann. Die Reduzierung der Fleischempfehlung durch die GDE zielt mehr auf Nachhaltigkeit ab, da der CO₂-Fußabdruck von Fleisch hoch ist. Insgesamt lautet die Devise „bunt und gesund“.
Ebenso die Wertschätzung des Essens spielt für Petra Schulze-Lohmann eine Rolle.„Es ist viel schöner, das Essen mit der Familie in Ruhe und mit Zeit zu genießen und dann lieber etwas gemeinsam zu spielen, als noch einmal in die Keksdose zu greifen.“ //Julia Voigt