In diesem Jahr wird es in Tornesch keinen Stadtwerkelauf geben - das Event mit Tradition wurde wegen zu geringer Anmeldezahlen abgesagt. Laut Organisations-Chef Michael Ammann vom Turn- und Sportverein (TuS) Esingen liegt das auch an gestiegenen bürokratischen Hürden.

Laufen verbindet und Bewegung hält fit. „Gegründet wurde die Laufveranstaltung von der Region für die Region, ohne Wettkampfcharakter“, Spartenleiter erklärt der Leichtathlet. Im Vordergrund stehe der Spaß an der Bewegung. Unter diesem Leitgedanken wurde der Stadtwerkelauf immer wieder weiterentwickelt. Weil der Sprung vom Kinder- zum Fünf-Kilometer-Lauf zu groß war, wurde die drei Kilometer lange Strecke mit ins Programm genommen. Auch Walker machten mit.
In der Regel schaffte es der Stadtwerkelauf, der seit dem Eintritt der Stadtwerke als Hauptsponsoren so heißt, auf etwa 500 Teilnehmer. Die Spitze lag laut Ammann bei 850. „Das war schon grenzwertig“, erinnert er sich. Um die Sturzgefahr zu verringern, wurden die Kinder in mehrere Gruppen aufgeteilt.
Vor der Pandemie, im Jahre 2019, fiel für genau 666 Läufer der Startschuss. Doch seit der Corona-Pause geht es bergab mit den Anmeldezahlen. 2023 liefen noch 320 Leute mit, in diesem Jahr meldeten sich bloß noch 150 an. Angesichts des hohen Aufwands zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, von den Organisatoren bis zu den Streckenposten, habe man den Stadtwerkelauf schweren Herzens abgesagt, berichtet Ammann. Denn erfahrungsgemäß erscheinen nur 80 Prozent der angemeldeten Läufer - bei schlechtem Wetter noch weniger. Im Worst Case käme dann auf einen Helfer gerade mal ein Läufer.
Hoher Aufwand und weniger Interesse
Dass es so gekommen ist, dafür macht der Leichtathletik-Trainer auch zunehmende bürokratische Hindernisse verantwortlich. Ärgernisse aus den Vorjahren waren bereits hohe Gema-Gebühren, die der musikalischen Untermalung das Ende bereiteten, und ein Foto-Verbot, denn die rechtlichen Hürden dafür liegen nun höher.
Im Jahre 2023 plagten sich dann die engagierten Zeitmesser mit teuren anwaltlichen Abmahnungen herum, denn die ausgehängten Teilnehmerlisten können gegen die Datenschutzverordnung verstoßen. Seitdem sei der bürokratische Aufwand enorm angestiegen.
„Früher haben Kindergärten und Schulen einfach Gruppenanmeldungen per Excel-Liste getätigt, nun aber ist vor der Veröffentlichung von Läuferlisten die Einverständniserklärung aller Erziehungsberechtigten nötig“, erklärt der Organisator. „Solchen Aufwand können Erzieher und Lehrer auf Ehrenamtsbasis kaum noch leisten.“
Als weiteren möglichen Grund nennt der Lauftrainer die Tatsache, dass Leichtathletik in Schulen eine immer geringere Rolle spiele. Im Sportunterricht stünden andere Bewegungsangebote auf dem Programm. Entsprechend schwinde auch das Interesse an Formaten wie dem Straßenlauf.


Neue Konzepte sollen den Stadtwerkelauf retten
Das endgültige Aus für den Stadtwerkelauf Tornesch soll die Absage des 16. Laufs in diesem Jahr aber nicht bedeuten. „Wir müssen überlegen, wie wir einen noch stärkeren Event-Charakter bekommen“, sagt Ammann. Denn von schwindenden Teilnehmerzahlen sei nicht nur der Tornescher Lauf betroffen. „Ich kenne etliche kleine Stadtläufe, die schon zuvor aufgegeben wurden“, erklärt er. Noch erfolgreich seien hingegen größere Veranstaltungen, hinter denen professionelles Management stecke, etwa der Haspa-Marathon.
Sowas wäre für Tornesch wohl eine Nummer zu groß, aber Ammann hofft darauf, Synergie-Effekte zu schaffen. Einen gewissen Volksfestcharakter hat der Lauf schon immer gehabt, mit Grillwürsten und jubelndem Publikum, doch da geht noch mehr. „Wir könnten die Laufveranstaltung einbetten in andere Events, so dass auch Leute angesprochen werden, die nicht allein fürs Laufen kommen würden“, nennt er eine Idee. Das könne der Weltkindertag sein, es seien aber auch andere Kooperationen denkbar. Hierzu soll es in Kürze Gespräche geben - in der „Hoffnung auf ein höheres Niveau“ und „einen anderen Kontext“.
Michaela Eschke
► Informationen zur Rückerstattung
des Startgelds wird zeitnah online
bekannt gegeben unter stadtlauf-tornesch.de .