1799 fällte Christian Testorf I. den mutigen Entschluss, im Katzhagen 5 eine Gerberei mit Schuhfabrikation zu gründen. Im Sommer wurde im Keller in Gruben gegerbt, die Häute anschließend auf dem Dachboden getrocknet. Im Winter wurden aus dem Leder in einer kleinen Werkstatt Schuhe hergestellt und verkauft.


Die Lage war damals verkehrsgünstig, denn Testorf Leder liegt an der alten Heerstraße von Dänemark. Diese überquerte dort die Pinnau, an der Stelle, wo die Schiffbarkeit begann. So bestand ein guter Land- und Wasserweg zum bedeutenden Handelszentrum Hamburg.
1802 entstand der mittlere Teil des heutigen Fabrikensembles, 1820 wurde das Wohnhaus an der Straße durch das heutige Haus ersetzt. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte baute jede Generation Testorf einen weiteren Gebäudeteil hinzu.
Anfang des 19. Jahrhunderts standen die Gerbereien in Uetersen in voller Blüte. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahre die Leder- und Schuhindustrie. Große Mengen Leder wurden an die damalige Schusterstadt Barmstedt geliefert, aber der Verkauf erstreckte sich bis Königsberg und Schlesien.
Seinerzeit war Leder ein Rohstoff für Produkte aus allen Lebensbereichen: Schuhe, Kleidung, Gürtel, Handschuhe, Taschen, Koffer, Eimer, Geschirr für Pferde und Rinder.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Lederherstellung unter Christian Testorf V. Hochkonjunktur. Der Erste Weltkrieg stand bevor und das Militär brauchte Kleidung, Stiefel, Handschuhe, ʼn Koppelgürtel oder Holster. 1937, nach dem frühen Tod ן Christian Testorf VI., wurde die Fabrik im Zweiten Weltkrieg stillgelegt, nahm die Produktion jedoch nach Kriegsende erfolgreich wieder auf.
1960, als die meisten Gerbereien in Deutschland ihren Betrieb einstellten, gründete Christian Testorf VII. die „Uetersener Feinlederfabrik Christian Testorf“ und investierte in Maschinen und Personal. Bis zu 1000 Kleintierfelle von Schafen, Ziegen, Kälbern, Kängurus, Hirschen oder Elchen wurden pro Tag ins In- und Ausland versandt - von den rund 50 Mitarbeitern zuvor gegerbt, gefärbt und veredelt.
1971 bis 2014 betrieb seine Ehefrau Marianne Testorf ihr „Lederstudio“ mit eigener Ledermode und solcher bekannter Hersteller. Ab 1983 wurde das Unternehmen um eine Pelzabteilung ergänzt. Es entstanden Schaffelle und Felle sowie Bälge aus der Jagd, etwa von Fuchs, Wildschwein oder Elch. Nach der innerdeutschen Grenzöffnung 1989 wurde im Rahmen der Wirtschaftsförderung ein Großteil der Lederproduktion in ostdeutsche Gerbereien verlagert. 1993 stellte die Uetersener Feinlederfabrik ihre Produktion ein. Der Maschinenpark wurde verkauft und die Fabrik stillgelegt. Der heutige Inhaber von Testorf Leder, Frank-Hartwig Testorf, war zu der Zeit bereits als Berater der Testorf Consulting in Kasachstan, der Mongolei und im Iran unterstützend tätig beim Aufbau und der Inbetriebnahme kompletter Lederfabriken. Sein Vater Christian verlagerte sich auf die Aufarbeitung von Ledermöbeln.
Heute betreibt Frank-Hartwig Testorf als letzter Gerbermeister in Uetersen in der achten Generation am Standort einen Lederhandel und restauriert Ledermöbel. Weitere Bereiche des Fabrikgeländes dienen heute als Gerbereimuseum sowie als Wohn- und Gewerberaum.