Er ist das Prunkstück der Freiwilligen Feuerwehr Klein Nordende – der legendäre Volkswagen-Bulli T1 TSF 8/8. Beim Tag der Feuerwehr am Samstag, 5. September, feiert er seinen 70. Geburtstag. 1956 wurde er gebaut, ein Jahr später markierte er in Klein Nordende den Beginn der Motorisierung bei der Wehr und tat dort 19 Jahre seinen Dienst.
Danach erlebte er eine wechselvolle Geschichte. Dazu gehört der Verkauf an privat – einen Feuerwehrkameraden, der das Fahrzeug der Wehr zurückgab.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Ortswehr im Jahr 1990 wurde der Bulli fahrbereit hergerichtet und neu lackiert. Dann noch einmal 25 Jahre später - wurde der Oldtimer mithilfe von Sponsoren und dem Förderverein umfassend restauriert und in seinen Originalzustand zurückversetzt. Seitdem pflegt und betreut ihn ein kleines Team von Feuerwehr-Oldtimer-Fans, die „Bulli Schrauber“, unter der Leitung von Rainer Weers.
1700 Stunden Herzblut fließen in Restaurierung
Er ist der älteste T1-Bulli in Schleswig-Holstein, der noch läuft“, sagt Rainer Weers und ist stolz auf die rund 1700 Arbeitsstunden, die von dem Team in das Fahrzeug investiert wurden, um es wieder in Schuss zu bringen. Da eine Restaurierung durch Fachfirmen wegen der absehbaren Kosten ausgeschlossen war, fand sich die kleine Gruppe aus der Ehrenabteilung bereit, den Oldtimer mit Unterstützung von Firmen aus dem Ort in Eigenleistung wieder herzustellen. Das erforderliche Geld stellte der Förderverein zur Verfügung. Rechtzeitig zum125-jährigen Jubiläum der Wehr 2015 war alles fertig.
Regelmäßig wird das historische Fahrzeug mit dem ehemaligen Funkrufnamen Florian Pinneberg 22/9 auf Oldtimertreffen und Festen in der Region präsentiert. Vor vier Jahren nahm es sogar mit Fahrzeugen aus ganz Deutschland an einer Oldtimer-Parade von knapp 50 alten Fahrzeugen in Hannover teil. Ältester Oldie war damals übrigens ein offenes Magirus Löschfahrzeug der Feuerwehr Celle aus Niedersachsen, Baujahr 1934. Doch auch der 22 Jahre jüngere Bulli aus Klein Nordende fand begeisterte Zuschauer auf der Weltleitmesse.
Bei der Veranstaltung am Samstag in Klein Nordende beweist der Oldtimer-Bulli nicht nur, dass er noch fahrtüchtig ist und sowohl Blaulicht als auch Martinshorn noch funktionieren. Bei dem klassischen Tragkraftspritzenfahrzeug arbeitet ebenso noch das „Herzstück“ - die tragbare, an den seitlichen Ladetüren eingeschobene Motorspritze mit ihrer Förderleistung von 800 Liter Wasser pro Minute.
Originalgetreu - das war die Devise bei der Restaurierung. Statt moderner, leichterer Ausrüstung findet man im Laderaum heute wieder Original-Kupplungen, historische gummierte Druckschläuche sowie die typischen Strahlrohre aus der Nachkriegszeit. „Wie früher“ galt auch bei kleineren Dingen am Fahrzeug: Selbst die Rücklichter und das ursprüngliche Bremslicht über dem Nummernschild wurden wieder eingebaut, und auch die Seitenwinker funktionieren wieder wie vor 70 Jahren. Ebenso wie das Fahrzeug selbst wurde auch die Tragkraftspritze auseinandergenommen und restauriert. „Sie ist seitdem voll einsatzfähig und bringt ihre alte Leistung“, berichtet Rainer Weers.
30 PS und eine funktionsfähige Spritze

Auch der ursprüngliche Dachgepäckträger, auf dem ein Saugkorb auf einer kurzen Leiter montiert war, ist nach seinen Worten ebenfalls aufwendig restauriert worden.
Der Bulli selbst verfügt im Heck über einen luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor, der technisch direkt aus der Weiterentwicklung des VW Käfers steht. Er leistet - wie es für die damalige Zeit typisch war - 30 PS und schafft mit voller Ausrüstung eine Geschwindigkeit von 70 bis 80 Stundenkilometern.
Zwei Jahre nach dem Bulli hatte die Wehr 1959 einen Schlauchwagenanhänger erhalten, in den zwei C-Haspeln und eine B-Haspel eingebaut waren. Da das alte Anhänger-Fahrgestell noch vorhanden war, wurde auch der Anhänger seinerzeit zum 125-jährigen Jubiläum wieder aufgebaut. Zusammen mit dem Bulli wurde er vom Baurat ohne Mängel abgenommen und als Feuerwehrfahrzeug zugelassen.
Oldtimer-Fahrzeuge spielen bei den Feuerwehren nach wie vor eine große Rolle als wichtiges Kulturgut. „Sie sind Zeugen einer lebendigen Kultur- und Technikgeschichte“, sagt Rainer Weers, der während seiner aktiven Zeit 14 Jahre stellvertretender Wehrführer in Klein Nordende war. „Für die Jüngeren dokumentieren sie den Wandel der Brandbekämpfung und fördern den Wissensaustausch mit unseren Nachwuchskräften.“ Und außerdem, so ist sich Weers sicher, sind sie immer wieder Publikumsmagneten für Jung und Alt.
Wolfgang Duveneck