Zum ersten und bei den 27 bisherigen Auflagen auch einzigen Mal hatte das Fußballturnier um den Wanderpokal der Raiffeisenbank Elbmarsch im Sommer 2002 einen Landesligisten in seinem Teilnehmerfeld. Der TSV Holm, der im Mai 2022 unter Trainer Hansjörg Kallenbach als Bezirksliga-Meister erstmals in die Landesliga aufgestiegen war, konnte seiner Favoritenrolle beim Raiba-Cup nicht gerecht werden: Wegen starken Regens musste das Turnier - glücklicherweise ebenfalls zum bisher einzigen abgebrochen werden, Mal ohne dass ein Sieger ermittelt werden konnte.
22 Jahre später nimmt nun zum zweiten Mal ein Landesligist am Raiba-Cup teil. Dies ist der Hetlinger MTV, der im Mai als Meister der Bezirksliga West erstmals in seiner Geschichte in die Landesliga aufgestiegen war. Die daraus, dass sie nun sogar zwei Spielklassen höher als drei ihrer Gegner (TV Haseldorf, TSV Heist und Moorreger SV) sowie drei Ligen über ihrem Auftaktgegner TSV Holm um Punkte kämpfen, resultierende Favoritenrolle nehmen die Hetlinger gerne an. „Für uns zählt einzig und allein die erfolgreiche Titelverteidigung“, betonte HMTV-Fußball-Abteilungsleiter Michael Kirmse.
Eine besondere Motivation zieht Kirmse daraus, dass es bisher nur dem TV Haseldorf gelang, die prestigeträchtige Veranstaltung sechsmal in Folge (von 2008 bis 2013) zu gewinnen. „In dieser Wertung wollen wir jetzt mit den Haseldorfern gleichziehen und sie möglichst im nächsten Jahr überholen“, betonte Kirmse. Gute Erinnerungen haben die Hetlinger insofern an das Holmer Waldstadion, als dass sie dort im Juli 2017 mit Coach Marc Zippel ihren allerersten Raiba-Cup-Sieg gefeiert und damit die bis heute anhaltende Erfolgsserie begonnen hatten.
Der Haseldorfer Fußball-Abteilungsleiter Jörg Dalecki wies darauf hin, dass sich„die Favoritenstellung der Hetlinger durch ihren erneuten Aufstieg nochmals vergrößert“ habe. Allerdings versicherte der 54-Jährige zugleich: „Wir werden alles geben, um den Pokal nach Haseldorf zu holen.“ Eine ähnliche Sichtweise hat Stefan Puttmann, Fußball-Abteilungsleiter des Moorreger SV: „Realistisch betrachtet ist die klassenhöchste Mannschaft der klare Favorit - aber wir werden den Turniersieg nicht kampflos abschenken, sondern in jedem Spiel unsere Chance zum Sieg suchen, um die bestmögliche Platzierung zu erreichen.“
Dies gelang vor Jahresfrist am besten dem TSV Heist, der - damals noch als Kreisklassen-Vertreter in Hetlingen Zweiter wurde. „Diesen Platz wollen wir jetzt bestätigen“, betonte der Heistmer Obmann Volker Großmann, der sich aber keinen Illusionen hingibt: „Sicherlich werden alle anderen Mannschaften versuchen, uns diese besondere Position streitig zu machen.“
Dazu zählen auch die gastHolmer, deren gebenden Coach Daniel Kleinwort betonte: „Wir spielen zuhause und wollen so gut wie möglich abschneiden. Die Gegner sollten uns nicht unterschätzen - im Fußball ist alles möglich, solange wir an uns glauben.“
Allerdings sind die Holmer, die die beiden zurückliegenden Turniere auf den fünften und letzten Platz beendet hatten, das klassentiefste Team im Teilnehmerfeld. Denn während sie die Serie 2023/ 2024 in der Kreisklasse 1 als Sechster beendeten, wurden die „Heistmer Jungs“ Dritter. Dass sie von den acht Kreisklassen-Drittplatzierten den siebtbesten Punkte-Quotienten aufwiesen, genügte nachträglich soeben noch zum Aufstieg, weil sich Blau-Weiß 96 Schenefeld II Ende Juni aus der Kreisliga 1 zurückzog. „Wir hatten schon damit gerechnet, dass wir noch aufsteigen würden“, gab sich TSVCo-Trainer Philipp von der Reith, der einst als Stürmer seine erste Erwachsenen-Station beim TSV Holm gehabt hatte, gelassen.
Entspannt blickt auch Kirmse der ersten BezirksligaSaison seiner Hetlinger entgegen: „Wir fühlen uns gut aufgestellt“, versicherte der „Macher“ der „Deichkicker“. So verabschiedeten sich nach dem Aufstieg Gianini Balasea, Malik Baycuman, Abdulsamed Batin Kilinc, Nico da Ros, Aivas Shamoyan und Lasse Wolf. Ob Torjäger Jeremy Wachter-zuletzt 38 Treffer in der Bezirksliga – noch einmal das HMTV-Trikot überstreifen wird, ist fraglich: „Er hat zuletzt leider nicht mehr mittrainiert, aber sein Spielerpass liegt weiterhin bei uns“, verriet Kirmse.
Im Gegenzug ließ HMTV-Coach Burak Bayram aber auch seine hervorragenden Kontakte spielen, weshalb er neben dem neuen Torwart-Trainer Niklas Marten (27, von der SV Halstenbek-Rellingen) auch schon zwölf neue Spieler verpflichten konnte: Mansur Abdul (24, SV Blankenese), Hanif Adam (20, TBS Pinneberg), Nur Ahmet Bayat (27, FC Bingöl 12), Kaan Bilgin (26, FC Türkiye), Tobias Maximilian Bödeker (20), Tyron Milan Kastner (21, beide Niendorfer TSV II), Hischem Oudjouadj (28, ASV Hamburg), Gazwane Kassimou (19, TuS Osdorf), Luca von der Heide (18, A-Jugend SV Eidelstedt), Rüchan Öz (28, SSV Rantzau), Okan Özütemiz (23, FC Eintracht Norderstedt II) und Kwadwo Osei (33, VfR Horst).
Sie alle sollen laut Kirmse dazu beitragen, dass die Hetlinger „in der Landesliga einen guten Mittelfeldplatz erreichen“, denn dem Abteilungsleiter wäre es „zu wenig, nur den Klassenerhalt anzupeilen“. Sollte Kirmses Rechnung aufgehen, hätten es die HMTV-Kicker besser gemacht als die Holmer, die im Mai 2003 als Tabellenletzter mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer sofort wieder in die Bezirksliga abgestiegen waren.
Johannes Speckner