Von den Naturschutzmaßnahmen, die derzeit auf dem Golfplatz in Aukrug-Bargfeld stattfinden, sollen vor allem wirbellose Kleinstlebewesen profitieren. Teiche werden entschlammt, Bachdurchlässe vergrößert und Sohlgleiten geschaffen, damit sich die sogenannten Makrozoobenthos am untersten Ende der Nahrungskette wieder so richtig wohlfühlen und für eine bessere biologische Wassergüte in dem nun schon fast komplett renaturierten Sellbek sorgen.
Vor 60 Jahren wurde der Sellbek verrohrt
Der Sellbek ist ein Nebengewässer der Bünzau. Der Bach entspringt im Naturschutzgebiet Tönsheider Wald auf dem Gelände des „Rehazentrums im Naturpark Aukrug“, unterquert die Kreisstraße 88 zwischen Aukrug und Sarlhusen, fließt dann über den Platz des Mittelholsteinischen Golfclubs und mündet nach viereinhalb Kilometern südlich von Aukrug-Bünzen in die Bünzau. Wie so viele regionale Bäche wurde auch der Sellbek vor 60 Jahren im Zuge der Flurbereinigung verrohrt. Die im Sinne des Artenschutzes wünschenswerte Entrohrung war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt. 2018 hat der Naturschutzring Aukrug in Kooperation mit dem Wasser- und Bodenverband Bünzau sowie der Schrobach-Stiftung mit der schrittweisen Renaturierung des Sellbek begonnen.
Bei den aktuellen Naturschutz-Baumaßnahmen auf dem Golfplatz in Bargfeld handelt es sich um den vierten – und vorletzten – Teilabschnitt der Sellbek-Renaturierung. „Wir haben bislang einen Sandfang entschlammt sowie auf 60 Metern Sohlgleiten geschaffen, auf denen die Kleinstlebewesen aus der Sellbek an Land klettern können“, berichtet Sven Hollesen. Der Bauingenieur für Wasserwirtschaft zählt auf, was in den kommenden Tagen noch alles passieren soll: „Wir wollen noch an zwei Teichen Umgehungsgewässer anlegen, und wir werden noch zwei bislang verrohrte Sellbek-Durchlässe so vergrößern und heller gestalten, dass sich die wandernden Kleinstlebewesen in Zukunft auch trauen, da hindurch zu krabbeln.“
Eine „gut ausgeprägte Makrozoobenthos-Community“ ist ein „guter Indikator für eine gute Wasserqualität“, weiß Claudia Mollenhauer von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde: „Je mehr Arten sich in einem Gewässer tummeln, desto besser.“ Weil die Sellbek-Renaturierung so positiv für die Artenvielfalt ist, übernimmt der Kreis die Finanzierung der auf 70.000 Euro veranschlagten Naturschutzmaßnahme, indem er Ausgleichsgelder aus der Windkraftindustrie in gleicher Höhe zur Verfügung stellt.
„Bis auf den Durchlass unter der K88 haben wir die Durchgängigkeit des Sellbek nun auf ganzer Länge hergestellt“, bilanziert Petra Harms. Aus Sicht der Naturschutzring-Chefin sollte der letzte Teilabschnitt der Renaturierung bis spätestens Sommer 2026 in Angriff genommen werden: „Es wäre schön, wenn die Vergrößerung des Durchlasses unter der Kreisstraße fertig ist, bevor mit der Sanierung der B430 begonnen wird.“
Hans-Jürgen Kühl