Ein Paradies für Knoblauchkröte, Kammmolch und Co entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Teichwirtschaft Kemnitz in Aukrug-Innien. Mit 160 000 Euro vom Kreis Rendsburg-Eckernförde saniert der Naturschutzring Aukrug mit viel Baggereinsatz eine wertvolle Kulturlandschaft und schafft dabei neue Lebensräume, von deren Vielfalt neben den Amphibien auch Seeadler, Reiher, Karauschen, Quappen und Rotfedern, Eisvögel und Fischotter profitieren sollen.
„Das ist schon eine ziemlich große Baustelle, wo ich jeden Tag neue Entscheidungen treffen muss“, sagt Jan-Marcus Carstens vom Naturschutzring Aukrug über die ökologische Sanierung der einstigen Teichwirtschaft Kemnitz und die damit einhergehende Aufwertung der umliegenden Landhabitate in der Nähe der B430 in Innien. Auf einer Fläche von 20 Hektar sind 40 verschieden große Teiche verteilt, die nun alle umgestaltet werden, um so noch attraktiver für möglichst viele unterschiedliche Lebewesen zu machen.
„Unsere Hauptziele sind der Erhalt der Teiche als historisch gewachsene Kulturlandschaft, eine Vereinfachung des Wassermanagements sowie die Verbesserung der Lebensräume für Amphibien, Fischotter und Wasservögel“, erläutert Projektleiter Carstens. Derzeit werden 2000 Kubikmeter Schlamm ausgebaggert und auf den Flächen eines benachbarten Landwirts verteilt. „Der nährstoffreiche Schlamm muss weg aus den Gewässern, weil er eine gesunde Teichorganik erstickt“, erklärt Carstens. Diverse Teichen werden für den Amphibienschutz optimiert, indem die Ufer abgeflacht werden.
Kröten nutzen den Tunnel an der L 121
Geradezu paradiesische Biotopbedingungen erwarten die in Aukrug heimische Knoblauchkröte, wenn sie im Frühling die vor zwei Jahrzehnten extra für sie angelegten Krötentunnel an der L 121 nutzt, um zu ihren frisch ausgebaggerten Laichgewässern zu kommen, wo jetzt drei kleinere zu einem großen Teich vereinigt wurden. Im sandigen Uferbereich können sich die Kröten prima einbuddeln.

„Gerade die Verbindung von Quell/ und Trockengebieten macht diesen Lebensraum so besonders für die Amphibien“, weiß Carstens. Die für die Amphibien bestimmten Teiche sollen regelmäßig abgelassen werden, um die Fische zu entnehmen. „Für unser Wassermanagementwerden jetzt insgesamt acht Mönche verbaut, mit denen wir den Wasserstand regulieren können“, erläutert der Projektleiter. Regelmäßiges Abfischen sei auch wichtig zur Kontrolle von eingewanderten Neozoen. In einem der Teiche wurden jetzt zum Beispiel 500 nordamerikanische Signalkrebse eingesammelt. Auch die ursprünglich aus Asien stammenden Blaubartbärblinge gingen den Naturschützern ins Netz. Alle entnommenen Fische werden in der Bauphase in einem einzigen Teich gesammelt. Später soll es eigene Fischteiche geben, aus denen sich See/ und Fischadler, Eisvögel sowie Grau- und Silberreiher bedienen können. „Es wird auch Teiche für die Fischotter geben, die wir auf diese Weise von den kommerziellen Teichwirtschaften der Region fernhalten wollen“, sagt Carstens. Die neu installierten „,Mönche“ werden es den Naturschützern in Zukunft ermöglichen, „mit dem Wasserstand zu spielen“, um passenden Lebensbedingungen für die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Auch an Land sollen verschiedene Biotopen entstehen. Carstens hofft, dass es auf einem Trockenbodenareal gelingen wird, Heide anzusiedeln, denn: „Wir wollen hier mit möglichst vielen unterschiedlichen Lebensräumen auftrumpfen“. Förderfähig ist das Projekt des Naturschutzrings, weil das vor zwei Jahren von der Kurt-und-Erika-Schrobach-Stiftung erworbene Areal Teil eines europäischen Schutzgebietssystems ist. Die Teichlandschaft gehört zum FFH-Gebiet „Wälder in Aukrug“. Die 160 000 Euro aus seinem „Schutz und Entwicklungs“-Programm, mit denen der Kreis Rendsburg-Eckernförde das aktuelle Projekt fördert, stammen aus Ausgleichsgeldern des Landes.


„Das hier geplante Naturschutzzentrum soll zukünftig insbesondere auch die nun hergerichteten Teiche für die Umweltbildung nutzen“, kündigt Carstens an, „darüber hinaus planen wir einen barrierearmen Wanderweg durch die Teichketten und Wälder entlang der zahlreichen Quellen.“