Das Reetdach von „Dat ole Hus“ in Aukrug-Bünzen wird neu eingedeckt. Weil die Weidenrutenbindungen an den 234 Jahre alten Dachbalken landesweit einmalig sind, müssen bei solchen alle 30 Jahre notwendigen Renovierungsmaßnahmen immer auch die Experten vom Denkmalschutz konsultiert werden.
Umstrittenes Wahrzeichen
„Dat ole Hus“ ist eines der unumstrittenen Wahrzeiunverchen des Naturparks Aukrug. Wie durch ein Wunder blieb das Bauernhaus in Sichtweite der Lübschen Trade (heute: Bundesstraße 430) weitgehend sehrt, als das umliegende Dorf Anfang des 19. Jahrhunderts von einer Feuersbrunst heimgesucht wurde. „1803 ist Bünzen komplett abgebrannt, aber „Dat ole Hus' wurde nicht allzu stark beschädigt“, weiß Martin Westendorff vom Vorstand des Museumsvereins „Dat ole Hus“. Das Fachhallenhaus wurde nachweislich 13 Jahre vor der Brandkatastrophe errichtet.
„Das Holz, das im ,olen Hus' verbaut ist, wurde 1790 geschlagen - das haben dendrochronologische Untersuchungen ergeben“, berichtet Westendorff, der auch den gemeindlichen Bauausschuss leitet. 1961 erwarb Malermeister Werner Hauschildt (1927-2019) das ehemalige Bauernhaus in Bünzen, um es in ein privates volkskundliches Freiluftmuseum ་umzufunktionieren. 2011 ging das über 200 Jahre alte Gebäudeensemble für einen symbolischen Euro in den Besitz der Gemeinde Aukrug über, die sich fortan um die Instandsetzungsmaßnahmen kümmerte.
Historische Authentizität
Das Besondere an dem Museumsareal ist seine unverfälschte historische Authentizität. „Dat ole Hus steht hier schon immer so - wir haben ein Foto von 1914, wo es absolut genauso aussieht“, erzählt Westendorff. Keinerlei Umbauten haben das Originalbild verunstaltet: „Seit dem Ersten Weltkrieg hat man die Finger davon gelassen.“
Das Ergebnis ist ein überaus wertvoller historischer Schatz. „Das Dach ist an vielen Stellen noch genauso erhalten, wie es 1790 gebaut wurde“, vermerkt Bürgermeister Jochen Rehder: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das ist einmalig in Schleswig-Holstein.“ Das Einmalige an der historischen Dachkonstruktion sei die Nordseite Weidenbindung im Originalzustand, die man insbesondere an den 234 Jahre alten Dachbalken der noch gut erkennen könne, erläutert Alban Dieckmann vom Museumsverein. Als Betreiber des Museumscafés leistet der Ziehsohn von Werner Hauschildt einen aktiven Beitrag zum Erhalt der historischen Dachkonstruktion.
„Wir backen unsere Waffeln auf dem offenen Bilegger-Ofen, und der Rauch zieht über das Dach ab und konserviert so die alten Holzbalken“, erklärt Dieckmann. Somit leisten also auch alle Museumscafé-Besucher, die nach Bünzen pilgern, um sich die ebenso leckeren wie kultverdächtigen Waffeln schmecken zu lassen, einen Beitrag zur Konservierung der einmaligen Dachkonstruktion. Im zurückliegenden Jahr wurden knapp 7000 waffelessende Museumsgäste gezählt. „Damit sind wir jetzt fast schon wieder auf unserem sehr guten Vor-Corona-Niveau“, freut sich Westendorff.
Regen kann zum Problem werden
80 000 Euro hat die Gemeinde Aukrug nun für die Neueindeckung des Reetdachs von „Dat ole Hus“ bereitgestellt. 1992 hatte die Südseite, 1995 die Nordseite des Dachs zuletzt eine neue Reetschicht bekommen. „Auch diesmal wollten wir eigentlich nur eine neue Lage Reet auf das Dach aufbringen lassen, aber dann hat die Dachdeckerei Meier aus Kellinghusen uns angeboten, das Dach für den gleichen Preis komplett neu einzudecken“, berichtet Westendorff. Die fachgerechte Neueindeckung wird ein paar Wochen in Anspruch nehmen. „Regenwetter ist tödlich für diese Arbeiten“, weiß der Vorsitzende des Bauausschusses: „Wir hoffen, dass das neue Dach Ende Januar fertig sein wird.“
Hans-Jürgen Kühl