Wer in diesen Tagen schönem Wetter bei mit einem Eis das charmante genießt Treiben am Lister Hafen oder in der „Alten Tonnenhalle“ nach einem Urlaubssouvenir Ausschau hält, ahnt meist nicht, welche reiche und wechselvolle Geschichte dieser Ort – speziell der Hafen im Norden der Insel – hinter sich hat.
Im Mittelalter war der Lister Hafen ein bedeutender Knotenpunkt im Handel zwischen Dänemark und England. Streitigkeiten zwischen der dänischen Krone und der Hanse waren dort keine Seltenheit. Richtig turbulent wurde es dann im 17. Jahrhundert. Im Jahr 1644, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, kam es im „Lister Tief“ zu einer großen Seeschlacht, bei der dänische, schwedische und holländische Kriegsschiffe aufeinander trafen. Dank der tatkräftigen Unterstützung der Sylter Frauen - die Männer waren auf Walfang - gelang es, die Schweden zu vertreiben. Seither heißt die Bucht Königshafen. Rund 40 Jahre später war die Szenerie weniger kriegerisch, aber dennoch hartnäckig, als es um den Zollstreit ging.
Während List zu Dänemark gehörte, war der Rest der Insel Teil des Herzogtums Schleswig. An der Westküste florierte ein nicht offiziell geregelter Handel, der sich für Schmuggler als ideal erwies. 1680 jedoch setzte der dänische König Christian V. diesem Treiben ein Ende und führte ein Gesetz ein, das die zollfreien Geschäfte beendete. Die Händler versuchten zwar, List zu umgehen, mussten jedoch schlussendlich der dänischen Vorschrift Folge leisten. Lang sind die Zeiten vorbei, in denen die Lister Zollstation hohe Einnahmen verzeichnete. Aber man kann noch heute eine Kopie des Zollsteins vor der Kurverwaltung in List bestaunen.
Erst im frühen 20. Jahrhundert, als das Militär in List Fuß fasste, gewann der Hafen wieder an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch der zivile Betrieb verstärkt ausgebaut.
1963 wurde die Fährverbindung mit dem dänischen Rømø eröffnet, wodurch der Hafen zur zentralen Anlaufstelle des Ortes wurde. Die Geschäftstüchtigkeit der damaligen Zeit brachte ihm bald den Spitznamen „List Vegas“ ein, da nachts die leuchtenden Neonschilder der Fischbuden und Souvenirstände weithin sichtbar waren.
Im Winter 2003/2004 erhielt das Gebiet am Lister Hafen ein neues Gesicht. Anstelle der alten Buden entstanden skandinavisch anmutende Holzhäuser, und gepflasterte Wege sowie ein neuer Kinderspielplatz wurden angelegt - sehr zur Freude von Einheimischen und Besuchern. In den vergangenen Jahren sind es wieder große Schiffe, die regelmäßig im Hafen anlegen. Zum Glück herrscht heute, anders als im 17. Jahrhundert, eine friedliche Atmosphäre. Kreuzfahrtschiffe machen List zu einem idyllischen Zwischenstopp, und während die Passagiere ein wenig Zeit auf der Insel verbringen, können Besucher des Hafens in die Ferne schauen und sich vorstellen, wie es wäre, mit der „MS Deutschland“, der „Hanseatic“ oder der „Maud“ um die Welt zu reisen und schließlich am Ellenbogen vorbei den Hafen von List zu erreichen.