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IHK-Präsident der IHK zu Kiel, Knud Hansen: „Den inneren Kompass richtig einstellen“

Schleswig-Holsteins Häfen gehören zu den stärksten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Foto: adobestock/snapshotfreddy

Zukunftsperspektiven für Unternehmen in Schleswig-Holstein: Erneuerbare Energien, maritime Wirtschaft, Digitalisierung und moderne Berufsausbildung

Foto: IHK/Fabian Frühling.
Foto: IHK/Fabian Frühling.

Knud Hansen (kl. Foto) ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel, Inhaber von Sportgeschäften vor Ort, mehreren Online-Shops und nebenbei noch Vater von fünf Kindern. Was für ihn „Karriere“ bedeutet und welches Rüstzeug man dafür braucht? Die Redaktion hat nachgefragt.

Unser Sonderthema trägt den Titel “Karriere im Norden“. Wie definieren Sie ganz persönlich den Begriff „Karriere“?
Für mich hat der Begriff Karriere sehr viele Facetten. Es ist neben wirtschaftlichem Erfolg vor allem auch eine ganz große Portion Lebensfreude dabei. Die größte Karriere - wie auch immer Größe definiert ist - ist nichts ohne Lebensfreude. Familie, Freunde und Wegbegleiter sind immer ein Teil der Karriere. Sie begleiten, unterstützen und beraten mich in sehr vielen beruflichen Schritten. Ich versuche daher, das Gleichgewicht zu halten.

Viele kennen die IHK, aber nicht jeder weiß genau, wofür sie steht: Was ist der Kernauftrag der IHK?
Wir sind das Sprachrohr und das Netzwerk der regionalen Wirtschaft. Unser Kernauftrag ist es, die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen gegenüber der Politik zu vertreten - vom kleinen Einzelhändler bis zum Industrie-Champion. Gleichzeitig kümmern wir uns hoheitlich um unsere wichtigste Ressource für die Zukunft: die duale Berufsausbildung. Kurz gesagt: Wir machen uns dafür stark, dass Unternehmen im echten Norden erfolgreich wirtschaften können.

Welche Stärken hat Schleswig-Holstein als Wirtschaftsstandort, die oft unterschätzt werden?
Unsere mittelständische Prägung wird oft unterschätzt. Wir haben hier im Land viele Hidden Champions, die weltweit hoch erfolgreich agieren, aber tief in der Region verwurzelt sind. Dazu kommt unsere absolute Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien. Früher wurden wir für den vielen Wind belächelt, heute ist grüner Strom unser wichtigster Standortvorteil der Zukunft.

Welche Branchen haben im Norden besonders gute Zukunftschancen?
Ganz klar die Energiewirtschaft und die gesamte Wertschöpfungskette darum herum - vom Anlagenbau bis zum grünen Wasserstoff. Ebenso sehe ich ein riesiges Potenzial in der Gesundheitswirtschaft, der maritimen Industrie und natürlich im digitalen Sektor. Wir haben im Norden beste Voraussetzungen, um Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg miteinander zu verbinden.

Wie wichtig sind maritime Wirtschaft, Häfen und Logistik für die Perspektive des Landes?
Sie sind unsere historische und wirtschaftliche Lebensader. Schleswig-Holstein liegt zwischen zwei Meeren und ist das Tor nach Skandinavien und ins Baltikum. Unsere Häfen und die starke Logistikbranche sind nicht nur für den Norden wichtig, sondern für die Versorgungssicherheit und Lieferketten ganz Deutschlands und Europas von zentraler strategischer Bedeutung.

Welche Rolle spielen Lebensqualität, Natur und „weiche Standortfaktoren“ in der Fachkräftegewinnung?
Das ist unser vielleicht größter Trumpf im Werben um kluge Köpfe. Wer hart arbeitet, möchte auch gut leben. Zu arbeiten, wo andere Urlaub machen - an Küsten, Seen und in einer intakten Natur - zieht Menschen an. Wir müssen diese Lebensqualität aber auch selbstbewusst nach außen tragen und im bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte noch aktiver als Argument nutzen.

Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf im Land: Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung, Energie oder etwas anderes?
Eindeutig beim Thema Bürokratieabbau, verbunden - mit der Infrastruktur. Wenn wir Jahre brauchen, um eine Brücke, eine Straße oder eine Stromleitung zu genehmigen, lähmt uns das. Wir müssen schneller, digitaler und mutiger werden. Die Unternehmen wollen anpacken und investieren, aber wir müssen ihnen von politischer Seite die Fesseln abnehmen.

Sie verbinden als Unternehmer stationären Handel und Online-Shops: Was haben Sie aus diesem Spagat gelernt?
Für mich besteht Handel heute sowohl stationär als auch online. Beides ist nicht sinnvoll voneinander zu trennen. Wir müssen unsere Kunden dort ansprechen, wo sie unterwegs sind. Die Zeiten der überfüllten Innenstädte sind lange vorbei und auch die Kunden, die nur online einkaufen wollen sind in der klaren Minderheit. Daher kann aus meiner Sicht Handel nur omnichannel erfolgreich sein. Nicht entweder Laden oder Internet, sondern beides so verbinden, dass der Kunde gar nicht mehr darüber nachdenkt, welchen Weg er nimmt.

Wie verändert sich der Handel in den nächsten fünf Jahren - was unterschätzen viele?
Die nächste Revolution wird durch den Einsatz von KI erfolgen. Ich glaube, dass diese Entwicklung langsam in den Köpfen ankommt und auch Angst hervorruft. Wir werden online noch einmal andere Möglichkeiten der Beratung erleben. Auf der anderen Seite wird uns die KI bei vielen Aufgaben im Hintergrund unterstützen können. Einkaufsprozesse oder In-Season-Steuerung werden zu weiten Teilen durch KI-Unterstützung schneller und präziser. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Mitarbeitenden für die Aufgaben einzusetzen, die durch „echte“ Menschen erfolgen müssen. Beziehungsmanagement ist eine Überschrift, die wir in Zukunft noch intensiver durch unsere Mitarbeitenden mit Leben füllen müssen. So können wir auch Ängste vor der KI-Revolution abbauen.

Unternehmen aus der Region

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Hebel gegen den Fachkräftemangel im Norden?
Es gibt leider nicht den einen Schalter, den wir umlegen können. Erstens müssen wir jeden Jugendlichen für die Chancen einer dualen Ausbildung begeistern. Zweitens brauchen wir gezielte, unbürokratische Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, gepaart mit einer echten Willkommenskultur. Und drittens müssen wir es wieder attraktiver machen, freiwillig mehr zu arbeiten - hier ist die Politik bei den steuerlichen Anreizen gefragt. 

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für den Standort: Welcher wäre das?
Realismus auf vielen Ebenen wäre ein wichtiges Signal. Wir müssen so vieles für die Zukunft fit machen. Dabei wäre es wichtig, dass wir mit realistischen Plänen, Plänen, mit Ehrlichkeit und mit Mut an diese Herausforderungen herangehen.

Julia Voigt


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