Was haben Einwegkittel, Haube und Überziehschuhe mit Konfitüre zu tun? Bei den Schwartauer Werken eine ganze Menge. Wer die Hallen des über 125 Jahre alten Unternehmens in Bad Schwartau in Ostholstein betritt, darf kein Staubkörnchen mitbringen und ohne die Hände vorher zu desinfizieren, bewegen sich die Drehkreuze zu den Produktionshallen erst gar nicht.
Katharina Heiber ist 34 Jahre jung und hat schon ihre Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik bei den Schwartauer Werken absolviert, hat dann die Schichtleitung in der Produktion übernommen und ist heute Koordinatorin für die Produktionsprozesse.
Was heißt, sie stellt die Umsetzung der Prozesse aus den Bereichen Qualität, Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement in der Konfitürenproduktion sicher und betreut zudem die Auszubildenen in der Konfitürenproduktion. Wie alle ihre Kollegen trägt Katharina Heiber einen auf sie angepassten Gehörschutz, denn wenn die Maschinen erst einmal auf Hochtouren laufen, wird es im Werk laut.
2024 WURDEN RUND 95 MILLIONEN GLÄSER KONFITÜRE PRODUZIERT
Das bloße Auge kann den Gläsern auf den Bändern dann kaum noch folgen. Pro Minute werden rund 400 Stück davon an der Konfitüren-Anlage abgefüllt. Das sind Stunde 25.000 Gläser. 2024 wurden bei den Schwartauer Werken rund 95 Millionen Gläser Konfitüre produziert. Das würde ausreichen, um jeden Menschen in Deutschland mit einem Glas zu versorgen. Der Klassiker und ewiger Verkaufsschlager ist und bleibt mit zwölf Prozent Umsatzanteil die Erdbeerkonfitüre.
In den Werkhallen des Lebensmittelunternehmens stehen mehrere Anlagen, die zusammen gut 60 verschiedene Sorten produzieren. In den Sommermonaten werden in sogenannten Kreislaufboxen frische Früchte wie Erdbeeren und Kirschen angeliefert. Bis auf Mangos und Ananas stammen die Früchte aus Europa. Ein Teil wird direkt verarbeitet, der andere wird in eigenen Kühlhäusern gelagert und für die Produktion im Winter vorgehalten.


"Von Kirsche, Erdbeere bis hin zur Pflaume: alles wird gewaschen, geschnitten und vorsortiert. "Das Wichtigste dabei ist die ständige Sicht- und Qualitätskontrolle durch die Mitarbeiter", weiß Katharina Heiber. Eingekocht wird die Masse in riesigen Stahlkesseln. "Funktioniert ähnlich wie ein Thermomix“, sagt die Koordinatorin mit einem Augenzwinkern. Bei 75 Grad und unter Vakuum entstehen unter Zugabe von Zucker und anderen Zutaten die Konfitüren. „Das Prinzip ist dem klassischen Einkochen zu Hause sehr ähnlich." Eineinhalb Tonnen liefert jeder Kochkessel. Nächster Halt ist das Pasteurisieren bei 88 bis 94 Grad. Von Anfang an wird jedes Produkt engmaschig kontrolliert. Beispielsweise macht ein Röntgengerät Kerne und Erdbeerkelch sichtbar.
Um eine gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten, sind eigene Produktentwickler mit im Boot und im hauseigenen Labor wird täglich das Produkt genaustens untersucht und kontrolliert. Nach dem vollautomatischen Etikettieren geht es für die fertigen Gläser durch Spiralen ein Stockwerk höher auf eine 800 Quadratmeter große Plattform, auf der sich die große Verpackungsstraße befindet.
Ebenso die Rückverfolgbarkeit der Produkte vom Wareneingang über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt und der Auslieferung an den Kunden ist ein wichtiges Thema. "Die größte Herausforderung liegt in der engen Abstimmung der Produktionsprozesse. Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, zeitlich und organisatorisch“, so Vanessa Krabiell, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Beliebt bei den Mitarbeitern ist die "Brownbag Session“, für den fachlichen Austausch auch über die eigene Abteilung hinaus - und inklusive einem gemeinsamen Frühstück mit reichlich Konfitüre.


Aktuell beschäftigen die Werke rund 1100 Mitarbeiter mit ganz verschiedenen Berufen. Vom Maschinen- und Anlagenführer, Fachkräften für Lebensmitteltechnik bis zu Verwaltungspositionen in Unternehmenskommunikation, Marketing und Qualitätssicherung wird ein weiter Bogen gespannt. Ebenso Experten im Bereich E-Commerce- und Industriekaufleute finden sich unter den Mitarbeitern. Sieben Ausbildungsberufe bieten die Schwartauer Werke an, aktuell sind es gut 50 junge Menschen, die im norddeutschen Unternehmen lernen oder ein duales Studium absolvieren. "Azubis schnuppern bei uns in jede Abteilung", so Katharina Heiber. Auch Quereinsteiger wie Maler und Lackierer gehören zur Mannschaft dazu.
Die Marke Schwartau mit Sitz in Norddeutschland ist in den Supermärkten überwiegend in Deutschland zu finden, wobei die Marke Corny - ebenfalls von den Schwartauer Werken produziert – in ganz Europa und auch in Nord- und Südamerika zu finden ist. Neben der Schwartau Konfitüre sind die Schwartauer Werke ebenso mit dem Corny-Müsliriegel Marktführer in Deutschland, während weiterhin noch Dessertsoßen und Sirupe zum Portfolio gehören.
// Julia Voigt