Während bundesweit von Rezession die Rede ist, schreibt der Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg seine ganz eigene Erfolgsgeschichte. Mit aktuell 98451 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steht der Kreis gut da. Binnen eines Jahres entstanden hier 1730 zusätzliche Arbeitsplätze. Parallel dazu sank die Arbeitslosigkeit im November weiter auf nun 5,3 Prozent.
Arbeitsmarkt im Höhenflug
Normalerweise kehrt im November Ruhe auf dem Arbeitsmarkt ein, oft steigen die Arbeitslosenzahlen saisonbedingt sogar leicht an. Nicht so in diesem Jahr im Kreis Pinneberg: Hier setzte sich die Herbstbelebung einfach fort. Die Zahl der Arbeitslosen sank nochmals um 130 auf aktuell 9700 Personen.
Michaela Bagger (kleines Foto), Chefin der Agentur für Arbeit Elmshorn, zeigt sich erfreut über diese Dynamik: „Der Arbeitsmarkt in unserer Region startet von einem guten Niveau in die kommenden Wintermonate“. Besonders positiv fällt auf, dass viele Menschen den direkten Sprung zurück in den Job geschafft haben.
Im November meldeten sich 654 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, um eine neue Stelle anzutreten - das sind über 100 mehr als noch vor einem Jahr. Hinter den nackten Zahlen verbirgt sich ein gesellschaftlicher Trend, der den Standort nachhaltig stärkt: Der Job „vor der Haustür“ wird immer begehrter. Jahrelang war der Blick vieler Pinneberger stur auf die Metropole Hamburg gerichtet, doch das ändert sich gerade spürbar.
„Trotz der offenen Stellen sehen wir ebenfalls diesen Trend“, bestätigt Susanne Heyn von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg (WEP). Die Gründe für diese Rückbesinnung auf die Heimat sind rational und emotional zugleich. Zum einen schlagen die Kosten zu Buche: Ob an der Tankstelle, bei der Anschaffung eines Pkw oder durch steigende Preise im ÖPNV - Pendeln wird schlichtweg teurer und damit unattraktiver. Zum anderen hat sich die Einstellung zur Arbeit gewandelt.
Der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance und mehr Lebensqualität lässt sich kaum mit langen Fahrzeiten vereinbaren. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle. Regionalität im Konsum und kurze Wege zum Arbeitgeber rücken stärker in das Bewusstsein der Menschen.
Pinnebergs Job-Geheimnis
Warum aber steht der Kreis so robust da, während andere Regionen straucheln? Das Zauberwort heißt Vielfalt. „Der Kreis Pinneberg weist aufgrund seiner breit diversifizierten Wirtschaftsstruktur mit seinem gesunden Branchenmix eine gute Resilienz in Zeiten von Rezessionen und Krisen auf“, erklärt Susanne WEP-Sprecherin Heyn.
Der Kreis profitiert davon, dass er nicht am Tropf einzelner Großkonzerne hängt. Die Wirtschaft wird vom Mittelstand getragen, von zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben. Selbst die Krisen in großen Leitbranchen, wie aktuell in der Automobilindustrie, haben hier kaum negative Auswirkungen. Diese Unabhängigkeit macht den Arbeitsmarkt stabil und verlässlich.
Wer aktuell auf Jobsuche e ist, findet im Kreis Pinne-berg reichlich Auswahl. 2304 freie Stellen sind derzeit gemeldet. Zwar agieren einige Firmen bei Neueinstellungen etwas vorsichtiger, doch der Fachkräftebedarf bleibt e hoch.
Die Job-Motoren laufen dabei in ganz bestimmten Bereichen auf Hochtouren: Soziales und Gesundheit, Verkehr und Logistik sowie Öffentliche Verwaltung und Dienstleistung. Rückgänge gibt es hingegen im verarbeitenden Gewerbe und am Bau. Um hier gegenzusteuern, setzt die Wirtschaftsförderung auf Zukunftsthemen. Mit Workshops zu Künstlicher Intelligenz, Automation und nachhaltigem Wirtschaften werden Unternehmen fit für die Transformation gemacht.
Auch für die Zukunft werden die Weichen auf Wachstum gestellt: Projekte wie der EQ Businesspark in Quickborn oder das geplante Gründungs- und Technologiezentrum sollen Startups und jungen Unternehmen den Weg ebnen. Der Kreis Pinneberg bleibt damit nicht nur Wohnort, sondern etabliert sich immer stärker als attraktiver Karriere-Standort mit Lebensqualität. Alexandra von Fragstein