Erst seit wenigen Monaten ist Ronald Geist (Foto) Chef der Agentur für Arbeit Elmshorn. Doch schon jetzt hat der gebürtige Hamburger so einiges auf seiner Agenda stehen. Wie gut es sich im Kreis arbeiten lässt und warum es sich lohnt, den Norden nie aus den Augen zu verlieren, hat der zweifache Familienvater unserer Redakteurin Julia Voigt erzählt.
Herr Geist, was macht das Leben und Arbeiten im Kreis Pinneberg attraktiv?
Sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer ist der Kreis Pinneberg eine interessante Region mit sehr guten Rahmenbedingungen. Unter anderem sind wir durch die Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund schnell in der Hansestadt und haben durch die großen Verkehrsachsen, die A23 vom Westen und die Nord-Süd-Achse durch die A7, eine optimale Lage. Im Kreis Pinneberg zählen wir um die 55000 Auspendler und 15000 Einpendler nach und aus Hamburg. Ebenso gut erreichbar ist der Flughafen. Auch die Schullandschaft ist gut ausgebaut, unter anderem gehören gleich zwei Berufsschulen zum Kreis sowie die Nordakademie in Elmshorn. Der Kreis Pinneberg ist einer der Landkreise mit der höchsten Bevölkerungsdichte.
Sie sind selbst gebürtiger Hamburger und wohnen dennoch mit Ihrer Familie in Elmshorn. Welchen wesentlichen Grund gab es für a den Umzug? Und gab es für Sie schon einmal den Gedanken, den Norden zu verlassen?
Tatsächlich sind wir damals aus Hamburg weggezogen, weil wir mehr Ruhe gesucht haben und trotzdem hat man im Kreis Pinneberg alles, was man zum Leben benötigt. Ich hatte noch nie den Gedanken, woanders zu leben. Ich finde, der Norden bietet eine hohe Lebensqualität und ich schätze sehr die Art und Weise, wie Menschen hier miteinander umgehen. Meine Wurzeln sind hier.
Welche Branchen sind denn im Kreis besonders gut vertreten?
Besonders stark vertreten ist der Groß- und Einzelhandel, das Baugewerbe und das Gesundheits- und Sozialwesen. Zudem sind die Nahrungs- und Genussmittelherstellung und die öffentliche Verwaltung im Kreis gut vertreten.
Wie bewerten Sie die momentane Arbeitssituation im Kreis?
Wir haben eine nicht ganz einfache Arbeitsmarktlage. Auf der einen Seite steigt aktuell die Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite haben wir den Fachkräftemangel. Das sind zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass oft die Qualifizierung fehlt. Das ist ein Thema, das uns als Arbeitsagentur natürlich sehr beschäftigt. So fördern wir besonders die Qualifizierung von Arbeitslosen, aber auch von Beschäftigten, damit diese langfristig in den Betrieben bleiben können.
Werden denn die Beratungsangebote und Qualifizierungsmöglichkeiten über die Arbeitsagentur gut angenommen?
Der Zuspruch wird immer größer und die Nachfrage nach qualifizierter Beratung ist in diesem Jahr noch einmal deutlich angewachsen. Das betrifft Ausbildungen wie auch Weiterbildungen.
Wo sehen Sie denn das größte Wachstumspotenzial?
Also klassischerweise haben wir ganz viel Wachstumspotenzial im Bereich Pflege und Gesundheit. Vor allem wegen der demografischen Entwicklung erwarten wir hier steigende Beschäftigtenzahlen.
Wie beschäftigt die Arbeitsagentur das Thema KI?
Auch wir überlegen, wie bestimmte Abläufe in Zukunft über die KI gesteuert werden können. Beispielsweise haben wir ein großes Online-Angebot, bei dem die KI Einsatz finden wird. Perspektivisch arbeiten wir daran, dass viele Routinevorgänge, zum Beispiel in der Antragsbearbeitung von KI unterstützt werden. Das entlastet unsere Fachkräfte. Doch die Nachfrage nach persönlicher Beratung wird es weiterhin geben, davon bin ich fest überzeugt.
Gibt es denn gezielte Maßnahmen, um Fachkräfte aus dem Ausland in unsere Region zu holen?
Ja, die Bundesagentur für Arbeit hat verschiedene Programme ins Leben gerufen. Besonders in der Gastronomie und in der Pflege versuchen wir gezielt Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Das ist allerdings aufwendig und auch die Arbeitgeber müssen sich engagieren. Laut Studie brauchen wir etwa 300 000 Menschen pro Jahr aus dem Ausland, um unseren Bedarf zu saturieren. Wir benötigen als Land unbedingt diese Unterstützung von außen. Doch da sind wir auch in Konkurrenz mit anderen Ländern. Arbeitgeber sollten so oder so verstärkt für ihre Arbeitsangebote werben.
Und wie wirbt man gut für sich?
Natürlich ist das Gehalt immer ein Thema. Es geht aber auch um die Möglichkeit einer guten Work-Life-Balance der Mitarbeiter. Ebenso das Betriebsklima und die Flexibilität sind heute ausschlaggebend.
Mit Blick in die Glaskugel, wo sehen Sie den Kreis in zehn Jahren?
Wir werden digitaler und noch enger vernetzt sein und das Thema der erneuerbaren Energien wird weiter an Bedeutung gewinnen, davon profitiert auch der Arbeitsmarkt. Wir haben im Pinneberg derzeit Kreis noch einen sehr hohen Anteil an produzierenden Betrieben. Der Bereich Dienstleistung, wie zum Beispiel Erziehung und Pflege, wird größer werden. Ich denke, auch der Zuzug von jungen Familien kann sich bemerkbar machen, da im Kreis die Lebenshaltungskosten bezahlbarer sind und die Lebensqualität sehr hoch ist. Das heißt auch, dass wir uns im Kreis Pinneberg auf eine vergleichsweise relativ junge Altersstruktur werden stützen können.