Die Luft ist kälter, der Wind kräftiger und das Licht oft besonders klar. Statt Badehose und Sonnencreme gehören bei einer winterlichen Wattwanderung wetterfeste Kleidung und feste Schuhe zur Ausrüstung. Wo genau es langgeht, wie weit es rausgeht - das sieht man erst, wenn man draußen ist. Umso besser, wenn man einen erfahrenen Wattführer wie Werner Mansen an seiner Seite hat. Gemeinsam mit Jan Krüger bietet er das ganze Jahr über Führungen durch das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer an - im Winter allerdings nur auf Anfrage.

Wind, Wellen und Strömungen hinterlassen fast schon künstlerische Spuren im Watt. Eine leichte Eisschicht verleiht dem Schlick im tiefsten Winter einen reizvollen, arktischen Charakter. Wer jetzt das Watt erkundet, ist umgeben von einer unbeschreiblichen Ruhe, die jegliche Sorgen sofort verpuffen lässt. Nicht weniger reizvoll ist für Werner Mansen das Kontrastprogramm: Vom Küstenwind getriebene Wolken bilden am Himmel eindrucksvolle Formationen, während einzelne Regentropfen für einen kurzen Frischekick sorgen. Hinter den Dünen dröhnt das Meer.
Den Takt im Watt geben auch im Winter die Gezeiten vor. Die verschieben sich im Winter täglich um etwa 40 bis 70 Minuten, weiß Werner Mansen. Die Möglichkeiten für einen Ausflug im Watt sind also begrenzt, auch weil die Tage merklich kürzer sind. Für den Sylter lohnt sich eine Wattwanderung im Winter trotz alledem. Besonders reizvoll: warm eingepackt der langsam aufgehenden Sonne entgegenlaufen. Besser kann man im Winter auf Sylt wohl kaum in den Tag starten – zumindest, wenn man Werner Mansen fragt.
Ein Marsch durch das winterliche Watt schenkt Ruhe. Selbst oder gerade dann, wenn der Nordseewind einem kräftig um die Nase weht. Genau dies sind die Eindrücke, die bleiben, und den Winter auf Sylt für Einheimische und Gäste so besonders machen. Martina Kramer