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Amrum: Wald mit dunkler Vergangenheit

Fotos: adobestock.com (3)

Vom mystischen Mischwald mit Schwarzkiefern bis zur historischen Vogelkoje – Spaziergänge zwischen Natur, Geschichte und faszinierender Inselgeschichte

Die Schwarzkiefer ist seit jeher der für Amrum prägendste Baum. Ihre Stämme ragen weit in den Himmel, die vielen Tannenzapfen auf dem Boden und der Duft ihrer Kiefernnadeln prägen die wohlige Atmosphäre eines Ausflugs in den Amrumer Forst. Schwarz, dunkel und mystisch ist auch ein Teil der Geschichte des zu früheren Zeiten deutlich kleineren Waldes. Besonders Kinder trauten sich damals – oft noch verstärkt durch die Spökenkiekerei ihrer Großmütter – kaum in den Wald. Allein oder gar bei Dunkelheit durch den Wald zu gehen, galt als Mutprobe.

Der Grund dafür sind vor allem die ehemaligen Fanganlagen für Wildenten, die heute ganz idyllisch Vogelkoje heißen und ein Naturmuseum sind. Früher waren sie eine wichtige Nahrungs- und Wirtschaftsquelle für die Amrumer. Um wilde Enten und Gänse zu fangen, wandten die Amrumer eine listige Taktik an. Ein ruhiger und umwaldeter See, auf dem zahme Enten als Lockvögel schwammen, war für die Wildvögel auf ihrem Vogelzug geradezu eine Einladung für eine Rast. Wenn sich diese Vögel dann in die Seitenarme der Anlage, in die sogenannten Pfeifen, vorwagten, landeten sie schnell und ohne eine Chance auf Rückkehr in den reusenähnlichen Fangkörben. Den gefangenen Enten wurde der Hals umgedreht. Sie wurden gerupft und danach zu Fleisch sowie haltbarer Pastete und Pökelfleisch verarbeitet. Für die Instandhaltung der Anlage war der Kojen-Mann verantwortlich, für viele damals eine düstere Gestalt. Er scheuchte die zugeflogenen Enten jeden Tag in die Reusen, leerte die Fangzäune, zählte die Enten und verteilte auch den Fang. Jeder Amrumer konnte sich zwei Anteilscheine und damit einen gewissen Fleischertrag sichern. Eine Zählung, die im Jahr 1866 begann, ergab bis zur Aufgabe der Vogelkoje im Jahr 1936 die unvorstellbare Zahl von 500.000 gefangenen Enten und Gänsen.

Bis heute steht im Eingangsbereich der Vogelkoje das kleine, verwunschene Haus des Kojen-Manns. Vor zehn Jahren wurde das Innere wieder in den historischen Zustand versetzt. Seitdem gibt es authentische Einblicke in das Leben der ehemaligen Wächter der Fanganlage. Die schon ein wenig gruselige Geschichte der Vogelkoje ist längst Vergangenheit. Die Fanganlage im Wald bleibt aber als ein Stück Inselgeschichte erhalten.

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Große und kleine Besucher können heute ohne Angst. durch den Amrumer Wald spazieren, und der ist durch Anpflanzungen erstaunlich groß geworden. Rund 200 Hektar umfasst der grüne Gürtel zwischen dem Leuchtturm und Norddorf, das entspricht etwa zehn Prozent der Amrumer Fläche, einen so hohen Wert bietet keine andere Nordseeinsel. Der Wald verläuft wie eine Trennlinie zwischen den Dünen im Westen sowie dem Geestkern mit seinen Heideflächen und landwirtschaftlichen Feldern im Osten. Gepflanzt wurde der Wald einst zum Schutz der Siedlungen vor Sandverwehungen. Heute wird er mit heimischen Laubbäumen aufgeforstet, um einen Mischwald zu erhalten, der den Folgen des Klimawandels gewachsen ist. Spaziergänger können in dieser Ruheoase neben Singvögeln auch Eulen und Fledermäuse beobachten. Die kleinen Vampire in der Dämmerung über den Himmel flattern zu sehen und zu hören, zaubert auch heute eine mystische Atmosphäre in den Wald, aber auf eine schöne Weise. Der „Naturerlebnisraum Vogelkoje Meeram“ ist zum Paradies für alle Wildvögel geworden, die dort heute sicher rasten können.

Text: Anja Werner


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