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Ich will gute, leistungsstarke Pferde züchten

Erik Martensen aus Oldsum auf Föhr züchtet Holsteiner Pferde mit Leidenschaft. Erfolge bei Fohlenchampionaten, moderne Zuchtgemeinschaft und klare Vision für leistungsstarke Pferde.

Pferdeidylle in Oldsum auf der Koppel. Fotos: Benjamin Lehmann
Pferdeidylle in Oldsum auf der Koppel. Fotos: Benjamin Lehmann

Er ist jung, zielstrebig und erfolgreich. Nein, er ist kein Start-up-Unternehmer. Erik Martensen ist Pferdezüchter. Und ganz wichtig: er ist Feringer. So heißen die Föhrer auf Friesisch. Geboren 1996 und aufgewachsen in Oldsum, ist er dort auch heute noch mit seiner Familie zu Hause.

Knapp 5000 registrierte Pferdezüchter gibt es im Holsteiner Verband, davon sind 389 im Bezirk Nordfriesland registriert und 40 von ihnen gibt es auf Föhr. Ob die Föhrer Züchter tatsächlich alle noch aktiv dabei sind, ist nicht ganz klar. Von „nur noch zehn“ Züchtern, spricht der Föhrer Pferdezüchter Olaf Rörden, der auch Vorsitzender des Holsteiner Verbandes ist. Erik Martensen ist einer von den zehn. Einer, der dieses Jahr auf sich aufmerksam gemacht hat. Mitte Juli werden jedes Jahr auf Föhr die neuen Fohlen der Holstein-Züchter der Zuchtkommission des Verbands vorgestellt. Insgesamt 31 Fohlen waren dieses Jahr am Start. Eine Kommission bewertete die Fohlen. Wichtige Kriterien sind das Erscheinungsbild, die Körperproportionen und die Art und Weise, wie sich das Fohlen bewegt. Gleich zwei Fohlen von Erik Martensen waren diesen Sommer sehr überzeugend. Sowohl mit einem Hengstals auch mit einem Stutfohlen ging er in Witsum auf dem Hof von Olaf Rörden als Sieger vom Platz. „Da hat es Mendel gut gemeint“, stellt Olaf Rörden den humorvollen Bezug zum Entdecker der Vererbungslehre her.

Erik Martensen ist gelernter Zimmermann. Die Ausbildung hat er in seinem Heimatdorf Oldsum gemacht. Sein ehemaliger Lehrherr Hark Martensen züchtet bereits seit vielen Jahren Holsteiner Pferde. Verwandt sind die Beiden trotz gleichem Nachnamen zwar nicht, aber eine Zuchtgemeinschaft zu gründen, das bot sich an. Hier kann Erik von dem Wissen eines erfahrenen Züchters profitieren und junge Perspektiven, Ideen und Gedanken einbringen. Arbeit und Kosten rund um die Pferdehaltung werden geteilt. „Alle Fohlen, alle Entscheidungen, alle tierärztlichen Kosten. Alles wird halb-halb geregelt“, beschreibt Erik Martensen die Situation und bringt es anschließend auf den Punkt: „Hakki bringt sehr interessantes Blut mit in die Zuchtgemeinschaft, also hochinteressant sind seine Stuten. Ich kann ihm durch meinen Eigenbestandsbesamer helfen. Wir brauchen den Tierarzt nicht für die Besamung.“

Wer Eigenbestandbesamer ist und sein darf, regelt das Tierzuchtgesetz. Ein Tierhalter, der an einem entsprechenden Lehrgang teilgenommen und die abschließende Prüfung bestanden hat, darf seine eigenen Tiere selbst besamen. Erik Martensen hat diese Berechtigung. Bevor er eine der Stuten der Zuchtgemeinschafft besamt, recherchiert er gründlich, welcher Hengstsamen zu welcher Stute passen könnte. Dafür schaut er sich fast alle Hengstpräsentationen an, die auf einer Streamingplattform für Live-Übertragungen von Pferdesport und Zuchtveranstaltungen übertragen werden. Bei der Hengstauswahl gibt es viel zu beachten. Erik Martensen mag es etwas langbeiniger, erzählt er. Und eine seiner Stuten habe nicht das „schönste Auge“. Da achte er also immer darauf, dass der Hengst einen schönen Kopf habe. Und ganz wichtig ist ihm, dass der sich gut bewegen kann. „Der soll einen bisschen ein Typ darstellen. Der soll auffallen.“

Auch „welches Blut“ der Hengst hat, wie die „Blutlinie geführt wird“, ist interessant für Erik Martensen. Übersetzt bedeutet das, dass der Züchter durch die Auswahl einer Blutlinie Eigenschaften und Merkmale eines Pferdes versucht zu verstärken oder zu erhalten. Als Beispiel nennt Erik Martensen den holländischen Hengst „Heartbreaker“. Dessen Nachkommen„bringen eine gewisse Härte mit. Das sind Pferde für einen großen Sport. Das sind sportliche Typen.“

Olaf Rörden meint, dass die Gründung einer Zuchtgemeinschaft eine sehr gute Idee sei, bei der Jung und Alt voneinander profitieren können. Er berichtet, dass es im Holsteiner Verband eine aktive, sehr interessierte Jungzüchterszene gibt, es jedoch manchmal an der Umsetzung der züchterischen Ambitionen hapere. Denn „das ganze Marktumfeld ist schwierig“, sagt Olaf Rörden. Hierfür führt er politische und finanzielle Gründe an. Vor drei Jahren wurden die Tierarztgebühren drastisch erhöht. „In Zeiten, wenn alles teurer wird und die Nachfrage sinkt, stellt man sich die Frage, kann ich mir das leisten?“ Der Vorsitzende des Holsteiner Verbands ist sich aber sicher, dass die Holsteiner Zucht weitergeht: „Wir müssen darum kämpfen.“

Dass die Idee mit der Zuchtgemeinschaft der Martensens gezündet hat, wurde kurz nach der Föhrer Fohlenschau deutlich. Weil das Hengst- und das Stutfohlen, die beide bislang noch keinen Namen haben, auf Föhr gewonnen haben, haben sie sich für die nächste Stufe qualifiziert: das Fohlenchampionat des Bezirks Nordfriesland in Behrendorf. Hier präsentierten sich 14 Hengstfohlen der Zuchtkommission. Und auch hier ging Erik Martensen mit der Zuchtgemeinschaft Martensen und dem Hengstfohlen wieder als Sieger vom Platz. Das bedeutete für ihn und sein Hengstfohlen, sie sind noch eine Stufe höher geklettert. Ende August ging es zum Fohlenchampionat des Körbezirks Holstein in Elmshorn. Dort reichte es für den zehnten Platz von insgesamt 18 Hengstfohlen. Stolz am Championat teilgenommen zu haben und super zufrieden mit der Leistung des Nachwuchses, kehrte die Zuchtgemeinschaft nach Föhr zurück.

Das war der Lohn für viele Jahre Umgang und Arbeit mit Pferden.„Mit fünf Jahren kriegte ich mein Pony und dann ging es los mit der Reiterei“, erinnert sich Erik Martensen. Sein erstes Großpferd - die Stute Gabrina bekam er mit zwölf Jahren. „Mit der habe ich aber nur geritten. Mein erstes eigenes Fohlen hatte ich 2016. Da habe ich eine ältere Dressurstute übernommen. Mit der habe ich mein erstes Fohlen gezogen.“ Das jüngste Ergebnis aus Elmshorn war aber nicht nur ein runder Ausklang für eine erfolgreiche Saison des jungen Pferdezüchters. Das Jahr 2025 ist für Erik Martensen bislang ein Jahr mit vielen Höhepunkten. Gestartet ist er mit seiner Ehefrau Annika Martensen in das Jahr mit einem Wurf von Vizslas, einer Jagdhundrasse. Sechs Hündinnen und ein Rüde gingen in Oldsum an den Start. Im April und Mai kamen dann die beiden Fohlen. Und dann der vorläufige Höhepunkt im Juni. Das Paar wurde Eltern einer Tochter. Der Tochter haben die Beiden das Pferde-Gen gleich in die Wiege gelegt. Zum Fohlenchampionat in Elmshorn fuhr die Kleine mit. „Das muss sie gleich lernen“, sagt Annika Martensen.

Unternehmen aus der Region

Wer sich da fragt, wie bekommt Erik Martensen das alles hin, für den hat er eine klare und einfache Antwort parat: „Alles geht ja nicht ohne Familie. Man ist schon angewiesen auf Unterstützung. Wenn wir zum Championat fahren, kannst Du da nicht allein runterfahren. Da brauchst Du Leute, die Dir helfen.“ Und wie diese Unterstützung in Oldsum aussieht, beschreibt er ganz konkret. „Mein Vater ist eine ganz, ganz große Hilfe“, erzählt 28-Jährige. Gestern als er beim Ringreiten war, habe sein Vater in der Marsch eine komplette Weide eingezäunt und Wasser hingefahren.„Das spart dann schon Zeit. Jetzt wo ich Familie habe, wird die Zeit noch kostbarer zu Haus.“

Wie kostbar die Zeit zu Hause mit der Familie für Erik Martensen ist, wird klar, wenn er seinen Alltag schildert. Pferdezucht ist für ihn ein Hobby, ein zeitintensives. Im Frühjahr müssen die Weiden vorbereitet werden. Im Sommer, wenn die Pferde auf der Weide stehen, ist Erik Martensen nachmittags nach der Arbeit, immer bei seinen Pferden zu finden. Die Pferde müssen gefüttert, mit Wasser versorgt und umgesetzt werden, wenn das Gras abgefressen ist. Die Weiden müssen gepflegt werden.

Und wenn die Weidesaison zu Ende ist, kommen die Pferde zumindest über Nacht in den Stall. In der dunklen, kalten Jahreszeit wird das Hobby noch etwas arbeitsintensiver. Morgens vor der eigentlichen Arbeit, müssen die Pferde raus- und nach der Arbeit wieder reingebracht und die Pferdeboxen ausgemistet werden. Im Hauptberuf arbeitet Erik Martensen im Büro des Bauunternehmers Gerd Ohlsen aus Oevenum. Sein Chef, auch ein Pferdezüchter, ist auch sein Onkel. Von ihm habe er über die Jahre sein züchterisches Wissen, berichtet er.„Mit dem bin ich immer mit gewesen. Da habe ich gleich mal das ganze Wissen so aufgesogen und er hat mir alles beigebracht.“ Der Onkel hat der Zuchtgemeinschaft Martensen das Hengstfohlen schon frühzeitig abgekauft, bevor die Erfolge bei den Fohlenchampionaten gefeiert werden konnten. Finanziell profitiert Erik Martensen von den Erfolgen also nicht. Es gelte der alte Züchtergrundsatz: „Verkaufe und bereue, aber verkaufe“, klärt Karen Martensen, die Ehefrau von Hark Martensen, am Rande des Bundesringreiten in Oevenum Anfang August auf.

Über Preise für Fohlen scheinen Pferdezüchter nicht so gerne zu sprechen. Der Vorstellung aber, dass mit Pferdezucht Geld verdient werden kann, widerspricht Erik Martensen deutlich. „Der Spaß steht an erster Stelle. Klar, wenn man mit einem guten Fohlen auch mal eine Mark mehr verdient, dann macht das noch mehr Spaß. Aber so richtig verdienen tun wir damit nicht.“ Denn es gibt auch Jahre, da gelingt es einem Pferdezüchter nicht, sein Fohlen zu verkaufen. Dann muss er das Fohlen aufziehen, bis es dreijährig ist. Eine Zeit, die Arbeit und Kosten für einen Pferdezüchter bedeutet. Nach den drei Jahren kommt das Jungpferd zum Einreiten auf das Festland und muss komplett geröntgt werden. Nur mit Röntgenbildern, die zeigen, dass das Pferd einen gesunden Knochenbau und einwandfreie Gelenke hat, besteht die Chance, einen Käufer zu finden.

Erik Martensen, der von sich erzählt, dass er von klein auf jeden Tag mit Tieren unterwegs gewesen ist, wird das auch in Zukunft sein. Er hat eine Vision. „Ich will gute, leistungsstarke Pferde züchten.“ Und sein Ziel ist auch gesteckt: Irgendwann einen zuchttauglichen Hengst hervorzubringen. „Da würde ich mich schon sehr drüber freuen.“ 
Text: Sabine Giesbert-Wilke


Info

www.holsteiner-verband.de
www.pferdefoehr.de
www.magyar-vizsla-foehr.de
instagram zg_martensen
instagram insel.vizsla


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