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Schulp, die Wellhornschnecke und Bernstein: Strandfunde

Fotos: Benjamin Lehmann (2), adobestock.com (2)

Das Thema Müll im Meer rückt immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Einige erfreulichere Entdeckungen am Strand werden hier vorgestellt.

Die schlechte Nachricht zuerst: enorme Mengen an Müll, etwa durch gewerbliche Schifffahrt oder Tourismus- und Freizeitaktivitäten, illegale Verklappungen oder Müllkippen in Küstennähe, wie in manchen Ländern, um nur einige zu benennen, verschmutzen unsere Meere. Jener Teil, der sich an Stränden sammelt, bildet dabei lediglich die Spitze des sprichwörtlichen Eisberges. Minütlich landet rund eine LKW Ladung Plastikmüll in den Meeren. Die gute Nachricht: dieser besorgniserregende Umstand ist mittlerweile ein viel beachtetes Umweltthema und rückt zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Einige erfreulichere Funde stellen wir hier vor: 

Schulp

Findet man zum ersten Mal, meist im Herbst, eine dieser kalkhaltigen Platten am Strand, so ist die Assoziation eher die eines Vogelkäfigs, wo sie zur Schnabel- und Krallenpflege sowie als nährstoffreiche Ergänzung genutzt werden. Es handelt sich um den Rückenpanzer der Sepia, eines „Tintenfisches“. Das 20 bis 30 Zentimeter große und mit zehn Armen versehene „Chamäleon des Meeres“ hat die erstaunliche Fähigkeit, je nach Umgebung und Stimmung eine gelbe, orange, grüne oder braune Farbe anzunehmen – wahlweise marmoriert oder gestreift. Bei Gefahr verwirrt sie ihre Angreifer mit einer Tintenwolke. Mit dieser Tinte fertigte einst etwa Caspar David Friedrich etliche Zeichnungen an. Das Verbreitungsgebiet des in der Nordsee mit schätzungsweise 14 Arten vertretenen Weichtieres reicht von Marokko bis Norwegen. 

Die Wellhornschnecke

Es handelt sich bei den gelblich-weißen, fluffigen Gebilden am Spülsaum mitnichten um Schwämme, wie man annehmen könnte, sondern in ihren zahlreichen, rund einen Zentimeter großen Blasen befinden sich die Eier der Wellhornschnecke – der größten Schnecke des Wattenmeeres. In der südlichen Nordsee kommt diese durch eine jahrzehntelange Belastung des Meeres mit giftigen Schiffsanstrichen, die das Hormonsystem dieser Tiere schädigen, derzeit kaum noch vor – doch jeder Fund von Eiern gibt Hoffnung. 

Bernstein

Vor rund 50 Millionen Jahren gab es die Ostsee noch nicht. Von Skandinavien bis zum Ural existierte über Millionen Jahre der sogenannte „Bernsteinwald“, ein riesiges Gebiet mit Wäldern, Gewässern und Savannen. Die Nordsee ist im Vergleich sehr viel älter, machte jedoch in den rund 350 Millionen Jahren seit ihrer Entstehung enorme Wandlungen bis zur heutigen Form durch. 

Bernstein, fossiles Baumharz, der für seine Entstehung etwa eine Million Jahre benötigt, wurde während der letzten Eiszeit von Skandinavien bis in die Nordsee transportiert. Findet man Bernstein an der Ostsee mit größerer Wahrscheinlichkeit, so ist dies auf Föhr und Amrum ein seltenes Vergnügen. Hauptsächlich als Beifang in der Krabben- und Muschelfischerei, die auf den Inseln kaum noch stattfindet, kommen hin und wieder schöne Exemplare ans Licht. Was es bei der Suche am Strand und im Watt zu beachten gilt, ist ein Thema der Schutzstation Wattenmeer, die Vorträge, Wanderungen und sogar Bernsteinschleifen anbietet. Annette Keisat

Weitere Infos: www.schutzstation-wattenmeer.de

Tipp

„Viele kleine Leute, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern!“

Stefan Zweig

Liebe Strandbesuchende, das können Sie tun:
✓ bitte gefundenen Müll mitnehmen und in Strandmüllboxen entsorgen
✓ keinen eigenen Müll hinterlassen
✓ an Strand Clean-ups teilnehmen
✓ Schutzorganisationen unterstützen
✓ Konsumverhalten überdenken, Plastik vermeiden
✓ wenn Fisch, dann auf nachhaltigen Fischfang achten

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