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Ein Treffen mit Lewis Holtby: Vier Jahre, die sich ins Herz gebrannt haben

Dieser Moment wird für immer bleiben: Lewis Holtby nach dem Bundesliga-Aufstieg im Mai 2024. Foto: imago/Philipp Szyza

Kapitän Lewis Holtby verlässt Holstein Kiel nach vielen Höhen und Tiefen

Jan Brix-Mannshardt

Mit Tränen in den Augen stand Lewis Holtby nach seinem letzten Auftritt für Holstein Kiel in der Fußball-Bundesliga bei Borussia Dortmund vor den 8000 mitgereisten Fans. Sein Abschiedsspiel nach vier Jahren bei den „Störchen“ hatte sich der Kapitän anders vorgestellt. Zwar erfüllte Trainer Marcel Rapp dem 34-Jährigen den Wunsch, von Beginn an aufzulaufen, doch nach einer unglücklichen Vorstellung war Holtbys Zeit bei der KSV in der Pause beendet.

Es war eine bewegte Zeit. Kaum ein Spieler prägte die Mannschaft in den vergangenen Jahren wie er. „Die vier Jahre sind wie mit einem Schnipsen vorbeigegangen und das bedeutet eigentlich immer, dass man viel Spaß hatte“, erzählt Holtby. „Es war einfach nur großartig, hier zu spielen. Das ist unglaublich und schwer in Worte zu fassen.“

Damals gab es Kritik an Holtbys Verpflichtung

Dabei begann seine Zeit in Kiel alles andere als vielversprechend. Als sein Vertrag 2021 bei den Blackburn Rovers nicht verlängert wurde, fand Holtby zunächst keinen neuen Verein. Erst als schon drei Spieltage in der 2. Bundesliga durch waren Holstein stand ohne Punkt auf Platz 18-, holte der damalige Sportchef Uwe Stöver den Mittelfeldmann an die Förde. Damals glaubte kaum jemand, dass daraus eine Erfolgsgeschichte werden würde. Die Verpflichtung sorgte sogar für Kritik. Holtby saẞ oft auf der Bank, auch zu Beginn der Aufstiegssaison. Schon vor einem Jahr äußerte er sich extrem emotional über die vergangenen Jahre.„Wie viel Shit ich abbekommen habe, wie die Leute mich in eine Schublade gepackt haben. Das sind Dinge, die gehen mir sehr nah.“

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„Die vier Jahre sind wie mit einem Schnipsen vorbeigegangen – und das bedeutet eigentlich immer, dass man viel Spaß hatte.“
Lewis Holtby

Rückblickend sei der Wechsel nach Kiel für ihn ein wertvoller Schritt gewesen, erklärt Holtby, der sich in dieser Zeit sowohl auf dem Platz zu einem Führungsspieler als auch abseits des Feldes als Mensch weiterentwickelt habe. „Es war auf jeden Fall ein Reifeprozess. Man muss Dinge erleben, falsche Entscheidungen treffen, man kommt auch mal von seinem Weg ab. Das ist das Schöne am Leben: Man lernt nie aus“, sagt Holtby. „Das Wichtigste ist, dass man seine Lehren aus den Dingen zieht. Ich habe einfach versucht, meinen Mitspielern meine Liebe zum Fußball zu zeigen und die Kabine mit Leben zu füllen."

Wie groß der Aufstieg mit dem kleinen Holstein Kiel war, „realisiert man jetzt noch viel mehr“, findet Holtby. „Als ich hier angefangen habe, waren im Schnitt vielleicht 11.000 Zuschauer im Stadion, jetzt ist es immer voll. Auch auswärts sind so viele mit durch die Nation gereist. Das weiß ich extrem zu schätzen. Das Größte, was ich mitnehme, ist Dankbarkeit für diese Zeit.“

Holtby kann sich Rückkehr vorstellen

Auch in dieser Bundesliga-Saison lief längst nicht alles rund für den zweifachen Vater – so wie eigentlich in seiner ganzen Karriere gab es auch in seiner letzten Spielzeit im deutschen Profifußball Höhen und Tiefen. Anfangs machte Rapp Holtby zum Kapitän, im Laufe der Saison fand er sich dennoch als Reservist auf der Bankwieder. „Ich hatte schon daran zu knabbern“ gesteht Holtby. „Als Kapitän musste ich das erstmal verarbeiten.“ Doch Holtby hat sich dem Erfolg der Mannschaft untergeordnet, seine Rolle auch außerhalb des Platzes ausgeübt.

Und nun?„Ich glaube, dass sich Holstein schnell rehabilitieren wird, der Verein wieder auf Kurs kommt und nächstes Jahr eine richtig gute Rolle spielt“, meint Holtby. Dann allerdings ohne den Blondschopf, den es mit seiner Familie ins Ausland zieht. Seine Kieler wird er aber auch von dort aus verfolgen. Der Club ist ihm so sehr ans Herz gewachsen, dass er sich sogar eine Rückkehr vorstellen - kann vielleicht als Trainer. „Ein Teil von mir sagt, dass ich weiterhin Lust habe, täglich auf dem Platz zu stehen. Und ich kann mir gut vorstellen, jungen Spielern meine Erfahrung weiterzugeben.“


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