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Nooröffnung: Zukunftsprojekt für Eckernförde

Mitten in der Stadt zwischen Binnenhafen und Windebyer Noor entsteht auf einer Fläche von 8,5 Hektar das Großprojekt Nooröffnung. Neben einer großen Wasserfläche sollen dort 125 Mietwohnungen gebaut werden - Fertigstellung etwa 2030. FOTO: CARSTEN BERNOT

Dort sollen 125 Mietwohnungen dort gebaut werden.

Es ist das größte städtebauliche Projekt der vergangenen Jahrzehnte: die „Nooröffnung“ in Eckernförde. Ein Großprojekt mit gewaltigem zeitlichen Vorlauf, das erst 2030 komplett fertig sein soll.
Die Ostsee und das Windebyer Noor in Eckernförde waren einst verbunden. Ein Gewässer. Die Stadtverantwortlichen haben daraus 1929 durch Aufschüttungen zwei gemacht, um neue Verkehrs- und Wirtschaftsflächen zu schaffen: hier der Ostseehafen, dort der neue Binnensee, dazwischen Land für Straßen, Parkplätze und Betriebe. Das ist lange her, inzwischen denkt man genau umgekehrt und lässt das Wasser zumindest teilweise wieder in die Stadt. „Nooröffnung“ heißt das Riesenprojekt mitten in der Eckernförder Innenstadt, auf dem schon seit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) im Jahr 2006 herumgedacht wird. 

Unternehmen aus der Region

Jahrzehnte später tut sich nach schier endlosen Abstimmungs- und Genehmigungsprozessen zwischen den Geldgebern Stadt, Land und Bund, die sich die Kosten teilen, dem siegreichen Planungsbüro ppp-Architekten, dem Sanierungsträger BIG Städtebau sowie diversen Gutachten, Bodenuntersuchungen und Abbrüchen von Silos, Verbrauchermärkten und einem Parkdeck endlich etwas: Es wird gebaut. 

Zwar ist die Wasserfläche, die dem Projekt seinen Namen gibt, noch nicht ausgehoben, und es stehen auch noch keine Wohn- und Geschäftshäuser am Ufer. Aber zumindest das vorgeschriebene und rund 750.000 Euro teure Ersatzquartier für die 200 bis 300 geschützten Fledermäuse, die bisher in dem noch abzureißenden unterirdischen Kanal zwischen Hafen und Noor gelebt haben, ist fertig. Auch die Baustraßen sind angelegt und das neue Durchlassbauwerk am Hafen mit elektronisch gesteuerten Stautoren, das für die Wasserregulierung zwischen Ostsee und Noor sorgen soll, ist in Arbeit. Täglich verfolgen Schaulustige den Fortgang und staunen darüber, wie stark sich schon jetzt das Stadtbild in diesem zentralen Bereich von Woche zu Woche verändert.

 Noch in diesem Jahr sollen die Aushubarbeiten für die etwa 6.000 Quadratmeter große und bis zu zwei Meter tiefe Wasserfläche beginnen. Die Ufer werden entsprechend befestigt. Zwischen dieser Wasserfläche und dem Binnenhafen sollen die Noorterrassen angelegt werden und den Aufenthaltswert erhöhen.

 Für die Arbeiten am Steindamm direkt am Binnenhafen muss ein etwa 100 Meter langes Teilstück der Reeperbahn zwischen Langebrückstraße und Gaehtjestraße, das die Innenstadt mit dem nördlichen Stadtteil Borby verbindet, für drei bis vier Jahre gesperrt werden. Es wird eine Umleitung geben, doch gerade in den stark frequentierten Sommermonaten mit stark erhöhtem Verkehrsaufkommen werden dort erhebliche Verkehrsbelastungen mit Rückstaus in die noch nutzbaren Straßen erwartet. 

Noch sorgt das städtebauliche Großprojekt Nooröffnung auf 8,5 Hektar durchaus für Skepsis bei dem einen oder anderen. Weil vieles von dem, was die Planer erdacht und so gerühmt haben, steht bisher nur auf dem Papier und den großen Tafeln am Rande der Baustelle - aber so recht den Weg in die Köpfe der Bürger hat die Nooröffnung bisher nicht immer gefunden. Es ist trotz des Baustarts tatsächlich eine große Vorstellungskraft erforderlich, um zu erahnen, wie das Ganze 2030 - spätestens dann soll alles inklusive der Wohnhäuser mit den 125 Mietwohnungen fertig sein - einmal aussehen wird.

Bezahlt wird alles von einem Treuhandkonto, das zu je einem Drittel von der Stadt Eckernförde, dem Land und dem, Bund bedient wird. Das Projekt geht ins Geld: Ohne die Kosten für die bereits getätigten Grundstücksankäufe und Gebäudeabbrüche sind vor Kurzem 20 Millionen Euro für die Erschließung des Geländes, die Aushubarbeiten für die Wasserfläche und das Durchlassbauwerk freigegeben worden. Es dürften noch einige weitere Millionen Euro notwendig sein, um die weiteren Baumaßnahmen bis hin zum Straßenbau zu finanzieren. Einnahmen werden aber auch erzielt durch den Verkauf der Grundstücksflächen für die Investoren.

Dass es sich um ein außergewöhnliches und mutiges Stadtentwicklungsprojekt handelt, hat der siegreiche Planer Klaus Petersen aus Lübeck schon früh erkannt: „Hut ab für die Entscheidung, Land zu Wasser zu machen, das machen nicht alle Städte“, sagte er schon 2017 bei einer öffentlichen Präsentation. Die Schließung der historischen Stadtkante am südöstlichen Ufer der Nooröffnung und die Inwertsetzung der außergewöhnlichen maritimen Situation bezeichnete der Architekt und Stadtplaner als „faszinierende Aufgabe. Wenn es fertig ist, werden Sie überzeugt sein.“

Zentrale Bedeutung kommt dabei neben der neu anzulegenden Wasserfläche dem Hochbau und der Schaffung von Wohnraum zu. Rund 125 Mietwohnungen sollen an der Nooröffnung in zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern mit Staffelgeschoss entstehen, 25 Prozent davon sozial gefördert. Es gibt mehrere Bewerber, unter ihnen auch das Genossenschaftliche Wohnungsunternehmen (GWU) aus Eckernförde, das mit Abstand der größte Akteur auf dem Eckernförder Mietwohnungsmarkt ist. Der Zuschlag an den Wettbewerbssieger soll noch in diesem Jahr erfolgen. Zudem gibt es noch einen Privatinvestor, der mehrere Wohngebäude direkt an der Wasserkante errichten darf. Die Fahrzeuge sollen weitgehend in Tiefgaragen unter den Mehrfamilienhäusern und einer Quartiersgarage am Rand des Gebiets untergebracht werden, auch Platz für Geschäftsräume sollen in Randlagen zum Schulweg entstehen. Die Stadtwerke SH planen eine innovative Wärmeversorgung mit Kalter Nahwärme aus dem Boden.
Das Stadtumbau-West-Projekt Nooröffnung ist seit 18 Jahren ein Dauerthema in Eckernförde. Es ist aber mittlerweile auf dem besten Weg, keine unendliche Geschichte zu werden.

Text: Gernot Kühl


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