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Naturpark Schlei - Mehr als nur ein Schild an der Autobahn

Im Hintergrund befindet sich die Schlei mit Segelbooten, angrenzend eine Grünlandniederung, die durch ein Projekt wieder an das brackige Wasser der Schlei angebunden wurde, sodass sich dort Salzwiesen ausbilden können. Die Beweidung ist essentiell zur Offenhaltung des Gebiets, sodass Wasservögel sich dort ebenfalls zurückziehen können. FOTO: JAN-ERIC VOSS

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem braunen Schild an der Autobahn? oder "Die Schlei ist das Herzstück, um das sich hier alles dreht!"

Wer auf der A 7 Richtung Norden zwischen Rendsburg den und Flensburg unterwegs ist, kommt zwangsläufig an dem braunen Schild mit der Aufschrift „Naturpark Schlei“ vorbei. „Und die Urlauber, die neugierig geworden sind und abbiegen, stehen dann bei mir und fragen: Wo ist denn nun der Park?“ Jan-Eric Voß, Projektmanager im Naturpark, erklärt den Besuchern dann: „Sie stehen bereits mittendrin!“ 

Unternehmen aus der Region

Die Idee zu dem heute nördlichsten der sechs Naturparke Schleswig-Holsteins entstand bereits 2008, als sich einige Bürgermeister aus der Region zusammenfanden. Schließlich waren 39 Gemeinden und Städte rund um die Schlei und aus den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde dabei und gründeten den Naturparkverein, der sich vier entscheidenden Handlungsfeldern widmen sollte. 

Unternehmen aus der Region

Die immense Bedeutung dieses Meeresarms für so viele Bereiche in der Region überzeugte auch die Politik. Der Naturparkverein wird durch Förderung durch beide Kreise und des Landes Schleswig-Holstein maßgeblich unterstützt. So konnte aus anfänglich intensiver ehrenamtlicher Arbeit inzwischen ein Team von neun Mitarbeitenden, darunter Biologen, Land- und Forstwirte sowie Umweltpädagogen, werden, die so - breit aufgestellt - für die unterschiedlichen Fragestellungen zuständig sind. 

Unternehmen aus der Region

Der Vorsitzende des Naturparkvereins ist Jens Kolls. Angesiedelt ist die Verwaltung des Naturparks inzwischen unter einem Dach mit der Ostseefjord Schlei GmbH mit Max Triphaus als gemeinsamen Geschäftsführer eine Kooperation, die für beide Seiten viele Vorteile bringt. Denn der Tourismus ist wichtig für die Region, kann durch diese Symbiose aber gleichzeitig naturverträglich gelenkt werden. 

Apropos Urlaubsgäste: „Wenn sie hier anrufen oder vor mir stehen, frage ich nach ihren Wünschen: Sind sie ornithologisch interessiert? Oder generell an Naturschutz? Oder möchten sie nur einen schönen Spaziergang machen?“ Jan-Eric Voß fällt bei Vogelfreunden sofort das Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Reesholm ein, auf der ein Beobachtungshäuschen steht und gerade neue Schilder zur Identifizierung der Tiere angebracht wurden. Auch die Lotseninsel mit dem Naturschutzgebiet Schleimündung ist ein beliebtes und lohnenswertes Ziel - für Interessierte wie Erholungssuchende.

Kathrin Erbe ist für die Modellregion Schlei zuständig und empfiehlt eine Wanderung entlang der Salzwiesen am Südufer der Schlei oder durch das Weltkulturerbe in Haithabu-Dannewerk, in dem sich auch ein gleichnamiges Naturschutzgebiet befindet. Wichtig zu wissen: Ein Naturpark ist nicht dasselbe wie ein Naturschutzgebiet. „Der Naturpark umfasst viel mehr, er ist explizit alles, was wir hier haben“, erklärt Jan-Eric Voß. 

Tourismus ist wichtig, aber noch wichtiger sind die Menschen, die in der Region leben. Durch die Arbeit des Naturparks entstehen Wanderwege oder Knicklehrpfade, es werden nachhaltig arbeitende Betriebe und deren Hofläden vorgestellt, unter anderem mit einem eigenen Einkaufsführer und insgesamt das regionale Netzwerk lokaler Produzenten gestärkt. Landwirte werden unterstützt, wenn sie sich freiwillig im Naturschutz engagieren möchten, vielleicht die Nutzung ihrer Weiden extensivieren, Streuobst- oder Blühwiesen anlegen wollen. 

Die Mitarbeitenden des Naturparks helfen, wenn Menschen und Gemeinden freiwillig etwas für die eigene Region tun möchten. Sie wissen, wie man es anfängt und wo es gegebenenfalls Fördergelder gibt. „Wir sind die Kümmerer für diese Aspekte, die Ideenentwickler, die Berater und Begleiter für die Menschen hier“, sagt Kathrin Erbe. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Ministerien sei man Vermittler zwischen Land und Region. 

Ebenfalls zum Team gehören zwei Ranger, die „draußen unterwegs“ sind und Besucher für die einzigartige Naturlandschaft sensibilisieren möchten. Sie sprechen mit den Menschen, legen Flyer nach und stellen Infotafeln auf. Jan-Eric Voß und seine Kollegen sind auch an Schulen aktiv. Schon drei Grundschulen in Angeln und Schwansen konnten als Naturparkschulen mit entsprechenden Unterrichtseinheiten gewonnen werden.

Bei all den Aktivitäten im Naturpark geht es nur um eines: um die Schlei, und das betonen seine engagierten Mitarbeitenden mit Nachdruck. Es geht darum, dass sie sich erholt und es ihr gut geht: „Für die, die hier wohnen und für die, die zu Besuch kommen. Die Schlei ist das Herzstück, um das sich hier alles dreht!“
Der Verband deutscher Naturparke hat den Naturpark Schlei 2022 als Qualitätsnaturpark ausgezeichnet.


|| Text: Doris Smit

INFO

Die Naturpark-Handlungsfelder sind angelehnt an § 27 des Bundesnaturschutzgesetzes und umfassen Natur- und Umweltschutz, Umweltbildung, nachhaltigen Tourismus sowie die regionale Wertschöpfung. Dafür wird an der Verbesserung des Umweltzustands der Schlei gearbeitet, sollen Netzwerkpartner wie Landwirte, aber auch touristische Anbieter, Handwerker und Dienstleister mit ins Boot geholt und der Nachwuchs an ausgewählten Naturparkschulen nachhaltig aufgeklärt werden. Ranger kümmern sich um die Landschaftspflege, die Ostseefjord Schlei GmbH um die Lenkung des sanften Tourismus.


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