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„Kohlenhydrate verdient man sich durch Bewegung“

„Man überschwemmt mit Fruchtsäften seinen Körper regelrecht mit Zucker“, erklärt Experte Dr. Dirk Padberg. Foto: Adobe Stock

Warum wir Menschen immer mehr „verzuckern“ und was man dagegen tun kann

Ein Blick auf unsere Entwicklungsgeschichte zeigt: Der Mensch war schon immer auf Süßes aus. Uns wird Energie versprochen, und unterbewusst denken wir, was süßlich schmeckt, kann nicht giftig sein. Schon von frühester Kindheit werden wir darauf programmiert, denn bereits die Muttermilch schmeckt süßlich und der Apfelsaft so viel besser als Wasser.

Dennoch waren bis in die 70er-Jahre Zuckerkrankheiten und Übergewicht kaum ein Thema für uns. Ganz einfach, weil nicht ständig mehr Kalorien gefuttert wurden, als man verbrauchte. Erst mit Einzug von Softdrinks, Fast Food & Co. kamen auch die Zivilisationskrankheiten bei uns an. Fettleber, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzleiden und BMI-Werte weit über dem Normbereich sind längst täglich Brot in den Arztpraxen, wie der von Dr. Dirk Padberg in Flensburg.

Dr. Dirk Padberg
Dr. Dirk Padberg

„Viele chronische Erkrankungen müssen aber nicht sein. Der Lebensstil und die Ernährung spielen dabei eine große Rolle“, weiß der Allgemeinmediziner und Ernährungsexperte.

Der Superstar auf der Bühne der Bösewichte sind Kohlenhydrate, die zuhauf in Süßem, Fertiggerichten und mehr stecken. „Kohlenhydrate sind für den Körper Treibstoff, aber nie Baustein“, erklärt Padberg. Heißt: Bekommt unser Körper Kohlenhydrate, kann er sie entweder als Energie verbrennen oder aber er speichert sie als Fettreserve ein. Diese schadet nicht nur unserer Figur, sondern auch unserer Gesundheit. Einfache Kohlenhydrate wie Traubenzucker (Glukose) gehen schnell ins Blut, gefolgt von vermehrter Insulinausschüttung, die wiederum eine Fettleber fördert. Der menschliche Körper benötigt aber überhaupt kein süßes Extra, um gut funktionieren zu können. Denn Grundnahrungsmittel wie Brot, Nudeln und Kartoffeln enthalten schon genug sogenannte komplexe oder langkettige Kohlenhydrate, die wiederum aus vielen kleinen Zuckerbausteinen bestehen.

„Der Körper gewöhnt sich an weniger Zucker und hat irgendwann auch kein Verlangen mehr danach.“
Dr. Dirk Padberg
Allgemeinmediziner

Wer in einer Mahlzeit viele Kohlenhydrate isst, sorgt dafür, dass sein Hormonsystem auf Energiespeicherung umschaltet, also Fett einlagert. Die Folge: Der Körper braucht neue Energie, und wir haben schnell wieder Hunger- und alles geht von vorne los. Anhalten lässt sich das Karussell nur, indem man seinem Körper beibringt, seine Energie aus den Fettreserven zu ziehen. Dafür braucht man Geduld und Durchhaltevermögen. Doch das zahlt sich aus. „Der Körper gewöhnt sich an weniger Zucker und hat irgendwann auch kein Verlangen mehr danach.“

Von Diäten hält der Flensburger Mediziner allerdings nichts. „Die sind Quatsch, weil man sie nicht durchhalten kann. Nur eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist effektiv.“ So oder so lehnt der Ernährungsexperte den Totalverzicht ab. „Wer Sport treibt und sich viel bewegt, kann auch mal eine Scheibe Brot oder eine Schale Müsli essen. Wer allerdings den ganzen Tag an seinem Schreibtisch sitzt, verbrennt nicht genug Energie. Kohlenhydrate verdient man sich durch Bewegung.“ 

Doch nicht nur der Industriezucker rückt uns Menschen zu Leibe, auch beim Fruchtzucker, der vor allem im Obst steckt, lohnt sich ein zweiter Blick. „Fruchtzucker wirkt insulinunabhängig und wird direkt in der Leber verstoffwechselt. Der Überschuss dort wird in Form von Fett gespeichert und kann zu einer Leberverfettung führen“, erklärt Padberg. Reich an Fruchtzucker sind unter anderem Trauben, Bananen und Ananas. „Beerenobst hingegen ist super.“ Vor allem aber sollte Obst als Obst gegessen werden und nicht in Form von Säften, Mus oder Smoothies. „Man überschwemmt mit Fruchtsäften seinen Körper regelrecht mit Zucker“, erklärt der Ernährungsberater.

Ebenso in Sachen Darmbeschwerden geben bestimmte Zuckerarten den Ton an. Durch Gärungsprozesse im Darm können insbesondere Fruktose, Laktose und Zuckeraustauschstoffe Bauchschmerzen oder Durchfall verursachen. Sie kommen in Obst- und Gemüsesorten vor, aber vor allem in zahlreichen industriell hergestellten Lebensmitteln.

Wer sich vernünftig ernähren möchte, dem empfiehlt Dr. Dirk Padberg, wie ein Steinzeitmensch einzukaufen. Gegessen werden darf alles, was die Jäger und Sammler damals auch zur Verfügung hatten. Also Fleisch, Fisch, Gemüse, Eier, Nüsse, Samen und Obst. Getreide und Hülsenfrüchte hingegen stehen in zweiter Reihe, denn die kamen erst mit dem Ackerbau auf den Plan.
Julia Voigt

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