Sandra Klossowski gehört zu den Menschen, die man gleich gern hat. Ihre kleinen Fältchen um die Augen lassen vermuten, dass die 55-Jährige mit dem freundlichen Gesicht viel lacht. Liebevoll erzählt sie von ihren „Ankern“, wie sie ihre Tochter Smilla, ihren Lebensgefährten Matthias und Hündin Sherly nennt. Entspannt sieht sie aus, wenn sie von ihrer Geschichte erzählt. Doch an manchen Tagen, da kann Sandra morgens kaum aufstehen, obwohl sie viele Stunden geschlafen hat. Selbst das Reden fällt ihr schwer. An manchen Tagen schmerzt ihr ganzer Körper und „das Leben wird ganz klein“.

Sandra leidet seit ihrer Jugend an Fibromyalgie. Die ersten Symptome zeigen sich bei ihr schon im Kindesalter. In ihren Dreißigern, nach der Geburt ihrer Tochter, verschlimmerte sich ihr Zustand: „Ich hielt mich für eine schlechte Mutter, weil andere Mütter so viel mehr schafften. Doch irgendwann hatte ich keinen schmerzfreien Tag mehr.“
Ihre Hausärztin kann nicht helfen, ein Neurologe sagt ihr, sie hätte nichts, alles nur„die Psyche“.
Sandra macht eine Ausbildung zur Hebamme, doch irgendwann zwingt sie die Fibro, wie sie die Bezeichnung abkürzt, ihren Job aufzugeben und sie schult zur Bürokauffrau um. Doch ihre „Akkus laden nicht mehr auf“. Nur schwer kann sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren. Bald schon kann sie auch kein Auto mehr fahren. 2009 wird sie das erste Mal in eine psychosomatische Klinik eingewiesen. Bis 2018 sollte es noch dauern, bis endlich die Diagnose da ist. Weitere vier Jahre vergehen, bis ihr Antrag auf Erwerbsminderungsrente bewilligt wird.
Ihre Ehe scheitert und oft muss sie sich krankschreiben lassen. „Man verändert sich mit dem Schmerz“. Dünnhäutig sei sie geworden und depressiv. „Ich habe mich oft gefragt, was ich in der Gesellschaft noch wert bin.“
Die Wahl-Norddeutsche ist seit einiger Zeit Teil einer Selbsthilfegruppe. Als sie sich während der Corona-Pandemie nicht mehr treffen können, verlinkt sie sich mit Instagram und schreibt ihre Gedanken für andere Betroffene auf.
(@fibro.alltagsheldin). 2022 veröffentlicht sie ihr Buch im Eigenverlag „Schmerz-Gepäck“. Seit 1998 leben Sandra und Matthias in der Nähe von Flensburg an der norddeutschen Küste. „Wenn meine Füße in der Ostsee stecken, dann geht es mir gut.“ Mittlerweile hat sie auch herausgefunden, was ihr helfen kann. Wärme tut ihr gut und Entspannung. Vor Kurzem war sie zum Konzert ihrer Lieblingsband Coldplay und im August wird geheiratet. // Julia Voigt
Erst 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fibromyalgie als Erkrankung anerkannt. Zunächst als generalisiertes Weichteilrheuma definiert, zählt sie seit Kurzem zu den chronischen Schmerzsyndromen. Etwa zwei von 100 Menschen sind betroffen, Frauen bis zu siebenmal häufiger als Männer.

Schmerz-Gepäck
Begleite mich durch ein Jahr auf meiner Heilreise mit Fibromyalgie und anderen unsichtbaren Erkrankungen. Ich zeige Dir offene und ehrliche Einblicke in meinen Alltag mit chronischer Erschöpfung und Schmerzen, und was mir hilft, mit meinen Erkrankungen zu leben, welche Rolle Akzeptanz und Dankbarkeit dabei spielen und welche Erfahrungen ich im Medizindschungel gemacht habe....