Uwe Pein, Obermeister der Tischlerinnung des Kreises Pinneberg, sprach den neuen Tischler-Gesellen bei der Freisprechung ein besonderes Lob aus: „Trotz aller Hindernisse haben sie durchgehalten.“ Damit meinte er vor allem die Corona-Zeit mit Homeschooling. „Nach jahrelanger Ausbildung kann das Urteil heute nur lauten: Freispruch“, scherzte Pein.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Wer kann das besser bestätigen als Sie?“, fragte Pein und betonte: „Sie können stolz sein auf Ihren Beruf. Tragen Sie unser Handwerk in die Welt. Seien Sie ehrbar und rechtschaffen.“
Der Gesellenbrief sei die Grundlage für die berufliche Zukunft - und gleichzeitig der erste Schritt zur „Meisterschaft im Handwerk“. „Behandeln Sie Ihren Gesellenbrief daher als etwas Besonderes“, riet Pein. Er mahnte aber auch: „Melden Sie sich nicht direkt zur Meisterschule an. Erfahrung ist wie guter Wein und muss reifen.“ Pein griff auch das Thema Fachkräftemangel auf und betonte: „Als Handwerksbetrieb sollte es Pflicht sein, auszubilden. Es sollte Pflicht sein. Wir brauchen gute junge motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter.“ Wichtig sei aber auch die Akzeptanz für das Handwerk: „Die Gesellschaft muss erkennen, dass nicht nur mit einem Abitur oder Studium alle Wege offenstehen. Die handwerkliche Ausbildung hat mehr Anerkennung verdient.“ Mit Blick auf Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz steht für Pein fest: „Holz ist Zukunft.“ Der Gesellenbrief sei ein Grund, sich feiern zu lassen und zu feiern. „Vergessen Sie aber nicht, denen zu danken, die Sie auf dem Weg dorthin unterstützt haben: Eltern, Großeltern, Lehrer, Ausbilder und Ihre Lehrmeister, die Ihre Talente erkannt und gefördert haben.“
Außer den Gesellenbriefen gab es auch die Auszeichnung für den Wettbewerb „Die gute Form“ (siehe Infokasten). „Was heißt schon gute Form? Unabhängig von der Bewertung des Prüfungsausschusses hat eine Jury die Gesellenstücke nach Formgebung bewertet“, sagte der Jury-Vorsitzende Edgar Konetzny aus Elmshorn. Bei einem Gesellenstück war er, das räumt er ein, befangen. „Da wollte ich mich zurückhalten“, sagte er. Pein warf schmunzelnd ein: „Ich habe die Preisvergabe verfolgt. Drei Jury-Mitglieder haben sich sofort für ein Möbel ausgesprochen. Da kam er nicht mehr drumherum.“


Der erste Platz ging an Corvin Hachmann aus Elmshorn (Ausbildungsbetrieb: Johannes Konetzny, Elmshorn). Levin Thomsen aus Kollmar (Tischlerei Richter, Glückstadt) belegte den zweiten Platz, Mika Seupel aus Horst (Tischlerei Peter Schröder, Brande Hörnerkirchen) Rang drei. Malte Schmieder aus Norderstedt (Utz GmbH, Norderstedt) erhielt eine Belobigung, da der Ausbildungsbetrieb nicht in der Innung ist und er somit nicht offiziell am Wettbewerb „Die gute Form“ teilnahm.
Bastian Fröhlig