In Deutschland engagieren sich laut Bundesministerium des Innern und für Heimat - rund 29 Millionen Menschen freiwillig und unentgeltlich für das Gemeinwohl. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind etwa 40 Prozent der Menschen in Deutschland ehrenamtlich tätig - auch bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren.
Ehrenamt - das gibt es in der Heimat von Alaa Esber quasi nicht. „Das war neu für mich, in Syrien gibt es das nicht“, berichtet Esber, der seit rund einem Jahr in Deutschland lebt. Die Erklärung des 33-Jährigen: „Man verdient in Syrien so schlecht, dass man zwei, drei Stellen benötigt.“ Es mangelt also an Zeit.
Die ist auch bei Esber eingeschränkt. Aktuell besucht er seinen Sprachkurs, das Niveau B1 hat er erreicht, derzeit bereitet er sich auf die B2-Prüfung vor. Zudem arbeitet er in der Gastronomie. Und hilft in der Pinneberger Tafel. „Ich habe mich online informiert, was ich machen kann und fand das Angebot interessant“, berichtet Esber. Er ist kein Kunde der Tafel. Er kam im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland. Sein Bruder lebt hier seit zehn Jahren. Er übernahm die Bürgschaft.

Das bedeutet: Esber erhält keine Sozialleistungen. Alle Kosten muss sein Bruder tragen. „Ich will nicht auf den Staat oder meinen Bruder sein“, betont Esber, der in Syrien studiert hat. Er ist überzeugt: „Sprache ist wichtig für die Integration.“ Mittelfristig will er als Reparateur arbeiten - gern für angewiesen Smartphone - und seinen Führerschein machen.
Seine Motivation in der Tafel lassen sich in drei Bereiche aufteilen. „Ich mag es, Menschen zu helfen.“ Die Mitarbeit helfe aber auch bei der Integration, dem Austausch und der Verbesserung der Sprachkenntnisse. Letzter Aspekt: „Es macht sich bei der Jobsuche gut, wenn man sich ehrenamtlich engagiert.“
„Wir haben rund 120 Ehrenamtliche vor allem deutsche Bürger“, berichtet Michael Schmidt, Vorsitzender der Pinneberger Tafel. Wichtig seien Sprachkenntnisse und dass„die Helfer integer sind“. Esber ist für ihn ein kleiner Glücksfall: „Junge Menschen zu finden, ist nicht einfach. Zudem gibt es in vielen Ländern kein Ehrenamt wie in Deutschland. Daher ist es schwer, Menschen dafür zu begeistern.“
Aktuell ist Esber als sogenannter Beifahrer im Einsatz, hilft bei der Abholung der Lebensmittel aus den Supermärkten. „Wenn sich seine Sprachkenntnisse verbessern, kann er auch in anderen Bereichen helfen“, blickt Schmidt bereits in die Zukunft. Wenn Bedarf besteht, hilft Esber als Übersetzer. Aktuell ist er ein, zwei Tage pro Monat im Einsatz - dann jeweils vier bis fünf Stunden. „Wir haben rund 120 Helfer und die brauchen wir auch, auch um die Ehrenamtlichen nicht zu überlasten. Am Ende soll jeder so viel Zeit einbringen, wie sie oder er kann. Ich sage immer: Privatleben kommt vor Ehrenamt.“
Aktuell versorgt die Pinneberger Tafel rund 560 Haushalte mit Lebensmitteln. „Wir rechnen mit dem Faktor zweieinhalb bis drei“, erläutert Schmidt. Generell gehe man von rund 1000 Kunden aus. An den beiden Ausgabeterminen dienstags und donnerstags werden jeweils rund 150 Haushalte versorgt. Derzeit seien die Zahlen stabil. Das könne sich abhängig von der Weltlage ändern.
Für Schmidt ist eines absehbar: „Wir haben aktuell rund 95 Prozent ausländische Mitbürger und fünf Prozent deutsche Mitbürger, die das Angebot nutzen. Wir merken aber: Mit dem Einkommen ist kein Auskommen mehr. Das Kundenpotenzial bei deutschen Mitbürgern wird vermutlich steigen. Das Thema Altersarmut kennen wir alle und die Preise steigen.“ Das schlage sich auch bei der Tafel nieder: „Wir sehen tendenziell, dass es weniger Ware gibt, aber mehr Nachfrage.“
Unterstützung für die Pinneberger Tafel
Die Luther-Kirchengemeinde Pinneberg und der Verein Berufliche Bildung im Hausfrauenbund haben die Pinneberger Tafel 2003 gegründet. Mittlerweile ist der Verein eigenständig. Zweimal pro Woche - jeweils dienstags und donnerstags von 11.30 bis 13.15 Uhr - werden die Waren an der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Pinneberg, Fahltskamp 79, ausgegeben. Rund 1000 Kunden sind bei der Pinneberger Tafel registriert. Das entspricht etwa 560 Haushalten. Pro Woche nutzen rund 300 das Angebot der Tafel.
Die Bankverbindung lautet: Pinneberger Tafel e.V. VR Bank in Holstein e.G. IBAN: DE 10 2219 1405 0000 3040 60
oder
Sparkasse Südholstein IBAN: DE 48 2305 1030 0015 0411 14
Bastian Fröhlig