Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden
Präsentiert von

"ER IST MEIN HAPPYPLACE, MEIN RUHEPOL“

FOTOS ALEXANDER HALL

Wenn Alexander Hall von seinem „Ocean Drive“ spricht, dann fangen seine Augen an zu leuchten. Er hat unserer Redaktion erzählt, warum der meerblaue VW-Crafter ihn so glücklich macht und wie viel Arbeit, Schweiß und Tränen dennoch in seinem Selfmade-Camper stecken.

Eigentlich waren meine Frau Anja und ich bisher echte Wassercamper und lieben unser Motorboot. Doch uns wurde irgendwann klar, dass uns das in unserem Bewegungsradius ganz schön einschränkt. Du kommst einfach nicht so schnell von A nach B und bist auf die Wetterbedingungen angewiesen. Bootfahren ist uns daher irgendwann zu unflexibel geworden. Wir wollen. Deutschland und Europa entdecken. Daher war Camping auf der Straße schon immer in meinem Hinterkopf. Mit einem Bus ist man einfach beweglicher und kommt schneller und entspannter am Ziel an.

Letztes Jahr waren wir auf der Caravan und Co. in Rendsburg und haben uns inspirieren lassen. Ich hab auf der Messe etliche Fotos gemacht und nach und nach formte sich bei mir der Gedanke: Bau doch einfach selbst einen Camper. Im Internet machte ich mich auf die Suche nach einem Kastenwagen und konnte mit viel Glück einen VW-Crafter in Neubrandenburg finden. In der Farbe Blau, denn Weiß wollten wir auf keinen Fall. Vier Jahre war er da alt und zum halbwegs vernünftigen Preis zu haben. Danach wurden erst einmal drei Sachbücher über den Busausbau gelesen und gefühlt hunderte YouTube-Videos geguckt. Innerhalb eines Tages wurde ich Follower von etlichen Instagrammern, die zeigen, wie Vanlife aussieht. Den Kastenwagen dann zum Camper umzubauen, war für uns fast so wie unser Hausbau vor zwölf Jahren. Auch da sind wir durch das Tal der Tränen und durch alle dazugehörigen Höhen und Tiefen gegangen. Der Camper ist wie ein kleines Haus und ein Ausbau nicht eben so in ein paar Monaten erledigt, vor allem wenn man einen Vollzeitjob hat. Wir sind jetzt gut zehn Monate damit beschäftigt und noch lange nicht fertig. Ich werde oft gefragt, ob ich so ein Projekt noch einmal machen würde. Meine erste Antwort ist„Auf keinen Fall.“ Meine Frau Anja sieht das nicht so, sie würde sagen, dass ich das wieder machen werde. Ich kann mir aber nicht vorstellen, den Bus jemals zu verkaufen. Es hängt schon zu viel Herz an ihm.

Unternehmen aus der Region

Im November letzten Jahres haben wir angefangen den Wagen auszubauen und ihn erst einmal komplett entkernt. Ich bin handwerklich geschickt und konnte schon am Haus viel selbst bauen. Das einzige, was ich nicht gern übernehme, ist flexen. Es war schon ein beklemmender Moment, als die Flex angesetzt wurde, um die Fenster in den Bus zu schneiden. Du zerstörst gerade dieses Auto und wenn ich mich vermessen habe, gibt es kein Weg zurück. Wir haben dann die komplette Seitenverkleidung abgebaut, gereinigt und alles ordentlich isoliert, damit wir auch mal loskönnen, wenn es kühler ist. Wir, das sind übrigens mein 20-jähriger Sohn Benjamin und ich. Der Ausbau wurde so zu einem richtigen Vater-Sohn-Projekt. Besonders an den Wochenenden wurde viel gearbeitet, abends zusammengesessen und geplant. Der Grundriss wurde von uns bestimmt noch zehnmal geändert. Wie soll unser Energiekonzept aussehen, wo soll die Dusche hin? All die Fragen mussten erstmal geklärt werden. Auf die Einrichtung habe ich relativ wenig Einfluss, für die ist Anja zuständig. Für mich ist nur wichtig, dass es praktisch ist und ich mit meiner Körperlänge von 1,95 Metern bequem drin stehen kann.

Zum Glück gehören zu meinem Freundeskreis ein Tischler, ein Elektriker und ein Kfz-Mechaniker. Damit ist alles an Handwerk da. Wir haben uns zudem für einen Maxfan entschieden um auch im Sommer ein gutes Klima im Auto zu haben. Die Planung der Zuladung und Verteilung des Gewichts war noch einmal spannend, damit wir unter 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bleiben.

Ich freue mich total, wenn ich abends nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und den Bus da stehen sehe. Er ist mein Happyplace, mein Ruhepol. Auch wenn ich das Ding zwischendurch schon verschenken wollte, weil man beim Ausbau an kleinen Dingen ganz schön verzweifelt. Beim Busausbau arbeitest du stundenlang und siehst ewig keinen Fortschritt. Doch auf einmal ist da eine Küche und steht da ein Bett.

Wir haben jetzt schon viele kleine Touren gemacht, maximal vier Tage, planen aber spätestens im nächsten Jahr eine längere Tour Richtung Süden zu machen. Ich will mich treiben lassen und liebe es einfach, mit dem Bus spazieren zu fahren. Wenn ich in unseren Campingstühlen sitze, bin ich innerhalb einer halben Stunde total runtergefahren. Das allein zeigt uns, dass es genau das Richtige für uns ist.


Meine Favoriten:
Alle Orte: