Nach einem Jahr „Freiwilliges Handwerksjahr" (FHJ) zieht die Handwerkskammer Lübeck jetzt eine positive Bilanz: 74 Jugendliche haben das Angebot zur Berufsorientierung bisher wahrgenommen, bei dem sie innerhalb eines Jahres vier verschiedene Handwerksberufe ausprobieren können. Das Projekt ist von der Handwerkskammer Lübeck gemeinsam mit dem Schleswig-Holsteinischen Institut für Berufliche Bildung (SHIBB) im Sommer 2024 ins Leben gerufen worden und genießt bundesweit Pionierstatus.
Von den Jugendlichen, die bisher am FHJ teilgenommen haben, haben sich bereits 20 für eine Ausbildung im Handwerk entschieden und diese in diesem Sommer begonnen. Erfahrungen aus dem ersten FHJ-Jahr zeigen, dass sich rund die Hälfte der Teilnehmer bereits während des Praktikums im ersten oder zweiten Betrieb für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet. Insgesamt haben sich bisher mehr als 200 Betriebe bei der Handwerkskammer Lübeck registriert, um einen Jugendlichen in ihr Handwerk reinschnuppern zu lassen.
Einer von ihnen ist die Bau- und Fliesen Herzberg GmbH & Co. KG aus Kiel. Zwei Jugendliche haben die Arbeit im Betrieb über das FHJ kennengelernt und zum 1. September ihre Ausbildung im Betrieb gestartet. „Das Freiwillige Handwerksjahr ist genau das, was wir uns seit Jahren gewünscht haben. Wir lernen die Jugendlichen kennen und sie können herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt“, sagt Betriebsinhaber Habib Herzberg.
Der Erfolg des Angebots basiert für den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister vor allem auf dem Aspekt der Freiwilligkeit: „Dadurch sind sie motiviert, pünktlich und lachen, wenn sie morgens zu uns kommen. Das ist das Wichtigste.“
Die 15-jährige Celine Köster ist eine der neuen Azubis. Die Arbeit im Betrieb hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie sich für eine Ausbildung in ihrem ersten FHJ-Betrieb zur Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerin entschieden hat.„Ich durfte direkt mitfliesen, verfugen, verputzen und Silikon erneuern. Ich lerne hier sehr viel“, sagt die Kielerin. Auch auf Baustellen zu Kunden durfte sie mitfahren. „Ich finde das Handwerksjahr super zum Ausprobieren, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, welche Ausbildung man machen möchte.“ Nadine Grün, Leiterin der Abteilung Nachwuchsgewinnung der Handwerkskammer Lübeck, ist mit der bisherigen Resonanz von Jugendlichen und Betrieben sehr zufrieden. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen und wir sehen, dass unser Konzept aufgegangen ist. Denn sobald Jugendliche die Handwerkspraxis in Betrieben hautnah kennenlernen, treffen sie auch eine gezielte Entscheidung für eine Ausbildung.“ Das durchweg positive Feedback von Eltern, Lehrenden und Netzwerkpartnern aus der beruflichen Bildung habe dem Projekt massiven Rückenwind gegeben, so Grün.
Auch in anderen Bundesländern werde die Einführung eines Freiwilligen Handwerksjahres diskutiert. Das Projekt „Freiwilliges Handwerksjahr“ wird gefördert durch das Schleswig-Holsteinische Institut für Berufliche Bildung (SHIBB). Die Förderung ist zunächst auf drei Jahre angelegt. „Wir unterstützen das Projekt sehr gerne“, sagt Jörn Krü-ger, Direktor des SHIBB, „denn das Freiwillige Handwerksjahr ist ein innovativer und erfolgreicher Weg, um mehr Jugendliche zur Aufnahme einer Dualen Berufsausbildung im Handwerk zu bewegen. Damit wird ein Beitrag zur Sicherung des dringend benötigten Fachkräftenachwuchses geleistet.“
Das „Freiwillige Handwerksjahr“ ermöglicht es Ausbildungsinteressierten, vier Ausbildungsberufe in einem Jahr kennenzulernen. Für jeweils drei Monate gehen Jugendliche und Studienzweifler in einen Betrieb und probieren einen Handwerksberuf aus. Die Teilnehmenden erhalten von den Betrieben eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 450 Euro brutto. Die Handwerkskammer Lübeck berät, vermittelt und begleitet die Jugendlichen und Betriebe im Freiwilligen Handwerksjahr. Weitere Informationen gibt es online.
Zukunftssicher und systemrelevant
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