Nicht mehr lange und du hast deinen Schulabschluss in der Tasche und noch nicht so richtig eine Idee, wie es weitergeht? Eine gute Möglichkeit Arbeitsluft zu schnuppern, Erfahrung zu sammeln und dich gleichzeitig für die Gesellschaft zu engagieren sind Freiwilligendienste. Welche Möglichkeiten es gibt und was für sie spricht? Die Redaktion hat sich mit Marc Denk, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Kiel unterhalten.
Herr Denk, was denken Sie, entscheiden sich heutzutage mehr junge Menschen für eine Ausbildung anstelle eines Studiums?
Ja, in den letzten Jahren hat sich das gewandelt. Auch durch den Fachkräftemangel und Corona hat sich die Wahrnehmung von Ausbildungsberufen verbessert. Viele Schulabsolventen schätzen heute eine Ausbildung mehr, als es vor zehn Jahren der Fall war. Junge Menschen sind heute besser informiert und sehen die Wertigkeit und die Möglichkeiten einer Ausbildung klarer.
Welche Branchen haben besonders an Attraktivität gewonnen?
Die IT-Branche und der öffentliche Dienst haben stark gewonnen. Der öffentliche Dienst bietet durch seine Stabilität und festes Gehalt in unsicheren Zeiten ebenfalls gute Perspektiven. Auch die Ingenieurberufe bleiben weiterhin sehr gefragt.
Welche Branchen müssen mehr um den Nachwuchs kämpfen?
Der Einzelhandel und soziale sowie pflegerische Berufe haben es schwerer. Trotz eines großen Bedarfs gibt es nicht so viele junge Menschen, die sich für anspruchsvolle Jobs wie Altenpflege begeistern können. Dennoch verbessert sich die Attraktivität durch höhere Vergütungen und das verstärkte Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Berufe.
Es gibt viele verschiedene Freiwilligendienste, wie den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige ökologische Jahr. Wo sind denn die Unterschiede?

Hauptsächlich in organisatorischen Aspekten. Alle Varianten ermöglichen es, für sechs bis zwölf Monate in verschiedenen Bereichen zu arbeiten und eine Aufwandsentschädigung zu erhalten. Der Unterschied zwischen Bundesfreiwilligendienst und Freiwilligem Sozialen Jahr liegt auch in der Verwaltung - ersterer wird vom Bundesamt organisiert, letzterer regional.
Wie hilfreich ist ein Freiwilligendienst für den beruflichen Weg?
Sehr hilfreich. Es zeigt Engagement und die Bereitschaft, Erfahrungen zu sammeln. Viele Arbeitgeber schätzen das und beachten es positiv im Lebenslauf. Ein freiwilliges Jahr kann auch als praktischer Teil für die Fachhochschulreife zählen und Wartesemester für ein Studium überbrücken.
Welche Jugendlichen sollten besonders über einen Freiwilligendienst nachdenken?
Besonders diejenigen, die ihren Lebenslauf verbessern wollen. Selbst, wenn die Noten nicht so gut sind, zeigt ein Freiwilligendienst, dass man bereit ist, sich zu engagieren. Es fördert außerdem wichtige Kompetenzen wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Belastbarkeit.
Haben Sie Tipps, die Sie jungen Menschen, die sich für einen Freiwilligendienst interessieren, mitgeben können?
Kümmert euch frühzeitig um eine Stelle, um mehr Auswahl zu haben. Verschafft euch einen Überblick über alle Optionen - von ökologischen, kulturellen bis zu sportlichen und politischen Bereichen. Optimal ist es, wenn der Dienst in einem Bereich gemacht wird, für den man sich begeistern kann und in dem man sich später auch beruflich sieht.
Welchen Vorteil hat man denn mit einem Freiwilligendienst für seine spätere Berufswahl?
Mit einem Freiwilligendienst baut man wertvolle Kontakte in verschiedenen Berufsbranchen auf. Selbst wenn man später beruflich etwas ganz anderes macht, kennt man Leute, die einem weiterhelfen können. Solche Netzwerke können später beruflich sehr nützlich sein. Insgesamt werden etwa 33 Prozent aller Stellen nicht über reguläre Bewerbungen vergeben, sondern über persönliche Kontakte, also „Vitamin B“.
Und wie können Schüler die Berufsberatung erreichen?
Unsere Berufsberater sind ja meist in den Schulen schon vor Ort, also einfach ansprechen. Ansonsten gern telefonisch oder per Mail einen Termin bei uns vereinbaren.
Interview: Julia Voigt
Kontakte und mehr:
www.fsj-sh.org
www.bundesfreiwilligendienst.de/bundesfreiwilligendienst/platz-einsatzstellensuche/einsatzstelle-suchen
www.arbeitsagentur.de