Schleswigs älteste und mit rund 140 Mitgliedern größte Schützengilde kann auf eine lange Tradition zurückblicken - 1449 wurde sie nachweislich dokumentiert. Die Altstädter St. Knudsgilde ist die älteste von insgesamt drei Gilden in Schleswig. Vermutlich wurde die Gilde bereits 1131 gegründet, wissen der 1. Ältermann Tim Vorpahl und die „Ex-Majestät Friedrich der Genießer“ Friedrich Bork zu berichten. Gilden sind im Mittelalter als Bruderschaften der fahrenden Händler gegründet worden und waren lange Zeit ein besonderes Kennzeichen des west- und nordeuropäischen Wirtschaftslebens. Um 900 bezeugt eine Runeninschrift eine Gilde friesischer und schwedischer Kaufleute in Sigtuna bei Uppsala. Gilde bedeutet im Friesischen wie im Altnordischen so viel wie „Gelage“ oder „Schmaus“ und steht im engeren Sinne für die Festmahlzeiten bei den Gildeversammlungen, die den gastronomisch-rituellen Höhepunkt bildeten. Dem Kaufmann sollte die Gilde auf seinen langen und gefährlichen Fahrten die Sippe ersetzen, im bruderschaftlichen Zusammenschluss Schutz bieten und Unterstützung „Das ist nun 575 Jahre her. In dieser Zeit hat sich die Welt verändert, unglaublich ebenso das Leben und die Bedürfnisse der Menschen“, sagt Vorpahl.
Mit seinen 42 Jahren ist Bäckermeister Tim Vorpahl der jüngste Ältermann der Traditionsgilde in Schleswig und vermutlich auch bundesweit. Bereits sein Großvater und Vater haben sich in der St. Knudsgilde engagiert, haben das Ehrenamt des Ältermannes und des Hauptmannes bekleidet oder gingen ebenso als Schützenkönig in die 575-jährige Gildegeschichte ein. Die Verbundenheit mit den Vorfahren wird als eine Art Andacht in der Tradition und der Zukunft der Gilde bewahrt. Sobald Tim Vorpahl im Ornat seines Amtes die Gemeinschaft der St. Knudsgilde gekleidet ist, wird mit ihm ein Stück der 600-jährigen Geschichte allgegenwärtig. Der schwarze Anzug und der schwarze Zylinder samt Pompon wird mit Würde getragen, dessen Fäden eng mit der Geschichte und nah in Gedanken an die Gründerväter verknüpft und verwoben sind.

Unter dem Motto „Frohsinn - Ordnung - und Einigkeit gelingt der Gemeinschaft der Schleswiger St. Knudsgilde der Spagat zwischen Tradition und alten Bräuchen, die für die Zukunft bewahrt und gepflegt werden. Doch vor lauter ernstem Hintergrund kommt der Spaß in der Gemeinschaft und die Freude am Leben in der Gilde keinesfalls zu kurz. „Eigentlich sind wir ein Verein voller humorvoller Menschen, die auch mal Scherze machen. Wir lachen gemeinsam, und dieses ist heutzutage so wichtig. Der Frohsinn steht bei uns an erster Stelle. Der Humor kommt bei uns nicht zu kurz“, sagt der junge Ältermann.
Zweck der Gilde ist es, die Gemeinschaft und die Tradition zu pflegen und zu fördern. Gegenseitige Achtung und Unterstützung sollen mit vorbildlichem Verhalten eine feste Grundlage für den Willen zum Erhalt von Freiheit und Demokratie bilden. Die Altstädter St. Knudsgilde versteht sich als eine dem Brauchtum verbundene Gemeinschaft; die sich aktiv am kulturellen Leben der Stadt Schleswig beteiligt. „Bei uns ist immer etwas los, kulturell und überhaupt. Wir sind eine tolle Gemeinschaft“, sagt Vorpahl und auch darin ist sich der Ältermann mit Friedrich Bork einig. In der Gemeinschaft der Schützengilde werden alle mit eingebunden, insbesondere die Frauen und die Familien gehören dazu. „Ohne die Frauen läuft bei uns überhaupt nichts, die einen großen Teil zum Gelingen der Schützenfeste und Veranstaltungen beitragen“, betont der Ältermann. chr