Der Tod gehört zum Leben, doch wie wir Abschied nehmen, wandelt sich. Zwischen Tradition und Trend stellt sich die Frage: Wo finden wir heute noch einen Ort für unsere Trauer? Dennis Hein ist Bestatter in vierter Generation im Amt Nortorf und stellvertretender Obermeister der Bestatterinnung Schleswig-Holstein. Im Interview spricht er über den Trend zur Feuerbestattung und warum der klassische Friedhof für ihn zu Unrecht ein Imageproblem hat.
Es gibt ja mittlerweile viele Formen der Bestattung. Können Sie sie kurz erklären?
Im Kern gibt es zwei Bestattungsarten: die Erdbestattung im Sarg und die Feuerbestattung – mit unterschiedlichen Beisetzungsformen der Urne, zum Beispiel auch die einer Seebestattung. In Schleswig-Holstein liegen wir bei einem Anteil von ungefähr 85 Prozent der Feuerbestattung. Regional ist das verschieden: In ländlichen Regionen wird die Erdbestattung noch häufiger gewählt, in Städten finden dagegen mehr Feuerbestattungen statt. Und bundesweit gibt es ein Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle. In Bayern und katholischen Regionen sind Erdbestattungen häufiger, im Norden und Osten gibt es mehr Feuerbestattungen.
Wenn Sie in die Glaskugel schauen: Wie sieht Bestattung in zehn Jahren aus?
Ich befürchte, dass die Feuerbestattung weiter die favorisierte Art bleibt – möglicherweise mit zusätzlichen Modellen wie CO₂-Kompensation. Mein Wunsch wäre eher eine Rückkehr zur klassischen Erdbestattung, weil sie aus meiner Sicht die ökologischste und nachhaltigste Form ist.
Was gehört für Sie zu einer guten Bestattungskultur?
Dass Angehörige möglichst einbezogen werden. Das ist nicht immer einfach – Patchwork-Struktur, Konflikte und unterschiedliche Wünsche innerhalb der Familien sind nicht selten. Aber es ist wichtig. Und es geht für uns Bestatter auch um die Balance: Wir müssen mitfühlen, dürfen aber nicht mittrauern.
Wie wichtig ist Bestattungsvorsorge in Ihrer Arbeit?
Es wird mehr und eine Vorsorge ist auf jeden Fall sinnvoll, weil man ohne Zeitdruck über Wünsche sprechen kann. Wir haben dafür auch eine Broschüre entwickelt, in der man zentrale Punkte ankreuzen kann: Art und Ort der Bestattung, Ausgestaltung der Trauerfeier, Musik, Blumen. Man muss nicht alles bis ins Detail regeln. Aber man sollte Wünsche in der Familie kommunizieren. Es ist äußerst ungut, wenn erst nach der Bestattung ein Zettel in der Schublade gefunden wird, auf dem alles stand, was man sich gewünscht hätte.
Zum Schluss: Gibt es etwas, das Sie Menschen grundsätzlich mitgeben möchten?
Ich möchte Werbung für den Friedhof machen. Friedhöfe sind unterschätzte, besondere Orte – oft zentral, barriereärmer als andere Orte, mit Infrastruktur, grüne Lungen der Städte. Viele haben ein schlechtes Image, auch wegen früherer Grabpflegepflichten. Aber heute gibt es auf Friedhöfen so viele Möglichkeiten. Mein Rat: hingehen, anschauen, sich zeigen lassen, was vor Ort möglich ist.
Julia Voigt