Noch herrscht Ruhe N im Zentrum, besonders in der Enge Straße von Garding. „Das ist sogar an den Auftrittstagen unserer Bands bis zum Nachmittag so“, sagt der Gründer der Musikantenbörse, Rainer Martens. Doch hinter den Kulissen sind die Vorarbeiten - wie jedes Jahr - voll im Gange, damit an den acht Abenden vom 2. Juli bis 20. August alles klappt zur großen Jubiläumsveranstaltung, der „Silberbörse“.
Kein geringerer als der berühmte Knut Kiesewetter (Sänger und Jazzposaunist, 1941-2016) regte 1998 den Namen „Musikantenbörse“ an, denn unter diesem Stichwort meldeten damals Musiker ihre Anfragen nach einem Auftritt (gig) beim Arbeitsamt an. Der Verein „Musik für Garding e.V.“, der seither die über Eiderstedt weit hinaus bekannte Musikveranstaltung organisiert, wurde im Jahr 2000 gegründet und hat inzwischen über 300 Mitglieder. Für einen Mindestbeitrag von 12,78 Euro im Jahr ist es nicht schwer, neue Mitglieder zu bekommen.
Die Mitglieder im neu gewählten Vorstand haben alle Hände voll zu tun. Rainer Martens als PR-Chef (bis vor kurzem) war zuständig für Plakate, Flyer und Veröffentlichungen. Jan Gawellek, seit zweieinhalb Jahren der 1. Vorsitzende im Verein und im Hauptberuf Bestatter, wird an den Abenden zum „Marktmeister“. Er sorgt vor den Bühnen für Essen und junge Gardingerin. Noch ein Jahr länger ist Dirk Jens dabei, der „Technik-Meister für die Bühnen“. Liebevoll vom Vorstand auch „der Wadenbeißer“ genannt, weil er für das nötige Geld von den Sponsoren sorgt. Last but not least sitzt Dorothee Kugler mit am Tisch, Mitarbeiterin im Bestattungshaus und hier im Verein „mehr als nur Schriftführerin“, auch zuständig für die Konzeption und Background-Organisation bis hin zum kleinsten Detail, das bei den Auftritten nicht fehlen darf. In diesem Jahr, dem Jubiläumsjahr, haben sich 64 Bands angemeldet – ein Rekord! Mit dabei natürlich Rainer Martens mit Band und der von ihm gegründete Plattdeutsche Chor „Sing man to“, der zum zweiten Mal zur Eröffnung des Festi-Martens, „eigentlich hat sie sich aufgelöst, kommt aber für unsere Jubiläumsveranstaltung extra wieder zusammen.“
Die Bands präsentieren sich auf fünf Bühnen, jeweils zwischen 19 und 22.30 Uhr dienstags: auf dem Hopfenmarkt, vor Dat Kontor, vor Lütt Matten sowie im Atrium des alten Rathauses und im Das Friedrichs. „Die technischen Vorbereitungen sind mit dem Amt Eiderstedt abgestimmt“, erzählt Martens. „Die jeweiligen Veranstaltungsorte werden Dienstagnachmittag von zwei Seiten her mit Gittern abgesperrt und Mittwoch früh werden diese Sperren wieder abgebaut.“ Parkverbote gelten ab 15 Uhr an den Veranstaltungstagen. Die Stromkosten werden teils vom Marienstift gesponsert. Immerhin müssen drei Beschallungsanlagen für die open air-Veranstaltungen aufgebaut werden und damit auch Licht.
„Der Verein hat genügend Biertischgarnituren im Bestand“, ergänzt Dorothee Kugler. Früher wurden sie ausgeliehen, aber inzwischen sind sie gekauft worden. An alles muss der Vorstand denken: Abfalleimer, Aschenbecher, Straßenfeger, Aufräumservice, Hüte und für Geldspenden, Eimer, denn der Eintritt soll weiterhin frei bleiben. Ist das nicht alles ein bisschen viel, für Berufstätige, die alles nebenbei stemmen müssen? Rainer Martens meint lapidar: Es geht eigentlich nicht, aber es funktioniert.
Thomas Andresen, der Versicherer, sponsert als Privatperson zwei Anhänger als Bühnenpodeste und bringt sie selbst an die Zielorte, dafür sind die Organisatoren ihm sehr dankbar. Überhaupt machen viele weitere Gardinger mit, anders würde es wohl auch nicht gehen. „Außerdem ist das eine Chance, sich kennenzulernen“, sagt Kugler verschmitzt. Auch sie hat ihren Partner bei der Musikantenbörse kennengelernt. Es soll sogar Leute geben, die extra deshalb hierhergezogen sind.
Übrigens: Bei Regen findet die Musikantenbörse trotzdem statt. Notfalls wird eine Plane über die Enge Straße gespannt. Nur bei Sturm würde man die Konzerte absagen müssen.
➡ Eintritt frei, Hüte gehen rum.