• 2015-12-23 11:39:04.0 | 2015-12-23 11:39:04.0 Uhr
    Cord Böge
    Registriert seit: Sun Nov 03 08:05:05 CET 2013Beiträge: 334

    1984 rückt immer näher

    Moin,

    Der Irrglaube eine Aufzeichnung schützt vor irgendetwas scheint weit verbreitet. Richtig ist doch das eine Aufzeichnung nur im Nachgang die Aufklärung erleichtert und eine sorgfältige Sichtung genau solange dauert wie die Aufzeichnung selbst. Diese Daten können durch ein eingeschränktes Sichtfeld im Nachgang auch nicht verwertbar sein oder gar Schaden anrichten.

    Ich hab Argumente gelesen, wie es ist kein Geld da… niemand will diese Daten missbrauchen… Aber was passiert da eigentlich? Warum ist denn kein Geld da, um mehr Leute in allen Bereichen zu beschäftigen, um so den Einsatz von elektronischer Überwachungstechnik überflüssig zumachen?

    Ist es nicht die Profitgier vom Unternehmen die verhindert, das es genügend Jobs für alle gibt? Das erste Thema in jedem Unternehmen, wenn es um Kosteneinsparungen geht, sind Arbeitsplätze. Das passiert meistens dann, wenn durch bisherige Geschäftspolitik die Maschine Mensch ihre Leistungsgrenzen erreicht hat. In allen Bereichen wird dann auf maschinelle Lösungen gesetzt, die heute modern und morgen schon überholt sind. Genau wie das Modell Maschine Mensch.

    Negativ für die Menschen, aber super für das Überleben einer Wachstumsblase, auf das die Finanzwirtschaft setzt. Wachstum bedeutet auch mehr Schadstoffe in der Luft, Klimawandel und in der Folge noch mehr Rechtfertigung Kosteneinsparungen die ohne Überwachung aber nicht funktionniert.

    Willkommen in der Welt des Geldes und Überwachung. Orson Welles mit Citizen Kane und George Orwell mit 1984 grüßen.

  • 2015-12-23 09:23:33.0 | 2015-12-23 09:23:33.0 Uhr
    Patrick Breyer
    Registriert seit: Tue May 07 09:08:01 CEST 2013Beiträge: 34

    Wir wollen einen Erholungs- und keinen Kamerawald

    Sehr geehrter Herr Rieger,

    gerne möchte ich unsere Position erläutern und auf Ihre Kritik eingehen.

    Der Wald ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern rein rechtlich gesehen ein öffentlicher Raum und unterliegt damit eindeutig dem Bundesdatenschutzgesetz. Sicherlich werden Sie mir zustimmen, dass Recht und Gesetz auch in der Natur durchzusetzen sind. Nichts anderes tut die Dienstanweisung der Landesforsten.

    Zurecht sind viele Bürger betroffen bei dem Gedanken, dass Unterhaltungen beim Pilze sammeln, ein romantisches Rendezvous oder der spontane Drang zur Notdurftverrichtung in ungenannter Öffentlichkeit stattfindet. Wenn man nicht einmal in seiner Freizeit noch vor Überwachung sicher wäre und teilweise sogar im Dunkeln gefilmt oder fotografiert wird, ist das in meinen Augen nicht hinnehmbar.

    Gerade wegen der schon im täglichen Leben (z.B. beim Einkaufen) ausufernden Überwachung geht es nicht an, dass wir auch noch in unserer Freizeit bei Spaziergängen oder beim Pilze sammeln im Wald aufgenommen werden.

    Es trifft nicht zu, dass Waldbesucher weit ab von Spazierwegen oder Parkplätzen "nichts verloren haben". Nach dem Landeswaldgesetz ist - vorbehaltlich genau definierter Ausnahmen - jedermann zum Betreten des gesamten Waldes und zum Genuss unserer Natur berechtigt.

    Leider haben wir keine Kontrolle darüber, was mit Kameraaufnahmen von Waldbesuchern geschieht. In Österreich beispielsweise sind schon Aufnahmen intimer Handlungen im Wald an die Boulevardpresse gegeben worden.

    Zweifellos verfolgen Förster in aller Regel legitime Ziele mit Wildkameras. Ihr Informationsinteresse findet aber seine Grenzen in den Rechten der anderen berechtigten Waldbesucher. Das Unabhängige Landesdatenschutzzentrum hat die gesetzlich geforderte Abwägung vorgenommen und entsprechende Regeln aufgestellt, die Sie hier nachlesen können: https://www.datenschutzzentrum.de/artikel/527-Hinweise-fuer-den-Einsatz-von-Wildkameras.html

    Ich habe mit Förstern gesprochen, die noch nie solche Kameras eingesetzt haben und ihre Aufgaben auf andere Weise erfüllen. Bis diese Kameras vor einigen Jahren verfügbar wurden, haben sämtliche Förster ohne Überwachungstechnik gearbeitet. Aus diesem Grund habe ich - ebenso wie die Experten von den Landesforsten - keinen Zweifel daran, dass die bestehende Gesetzeslage den Interessen beider Seiten gerecht wird.

    Nach dem Gesetz ist der Einsatz von Wildkameras in öffentlich zugänglichen Räumen grundsätzlich unzulässig - uns das ist gut so.

    Weitere Informationen - auch zu ähnlichen Schritten in anderen Bundesländern - finden Sie auf meiner Homepage: http://www.patrick-breyer.de/?tag=wildkameras
    Dort finden Sie gerne auch meine Kontaktdaten.

    Mit freundlichem Gruß
    Patrick Breyer, MdL

  • 2015-12-23 08:36:49.0 | 2015-12-23 08:36:49.0 Uhr
    Walter Schmidt
    Registriert seit: Fri May 24 09:23:22 CEST 2013Beiträge: 899

    Tolles Eigentor,

    noch ein Grund mehr, die Piraten auf die schwarze Liste zu setzen.
    Schade dass für Leute mit geistig flottem Otto, vom Steuerzahler finanziert werden.

  • 2015-12-23 07:53:57.0 | 2015-12-23 07:53:57.0 Uhr
    Jochen Peters
    Registriert seit: Wed Feb 01 07:26:49 CET 2017Beiträge: 1754

    War nicht erst Anfang der Woche

    der geplünderte / zerstörte Horst eines Seeandlers Thema beim SHZ? Für mehr Förster ist kein Geld da und Kameras zum Tierschutz verstoßen gegen den Datenschutz.

    Aber wir schaffen das...

  • 2015-12-23 00:53:19.0 | 2015-12-23 00:53:19.0 Uhr
    Horst Rieger
    Registriert seit: Sun Nov 04 16:18:47 CET 2007Beiträge: 127

    "Bravo."...

    Herr Breyer, super, da haben Sie ja als "Datenschützer" mal so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Sie haben also Sorge das Waldparkplätze und Parkbänke unter permanenter Beobachtung steht. Das zeigt für mich nur, das sie sich mit dem Thema Wildkamera und deren Nutzen bzw. Nutzung NULL auseinandergesetzt haben. Wildkameras sind zur störungsfreien Wildbeobachtung gedacht und nicht um irgendwelchen harmlosen Waldbesuchern nachzuspionieren. Kein Jäger oder Förster will einen Waldparkplatz unter Beobachtung nehmen, nein er will sich auf moderne und störungsfreie Art einen Überblick über die wildlebenden Tiere verschaffen. Dazu werden diese Kameras an besonders angenommenen Wildwechseln oder Salzlecken, Kirrungen etc. aufgestellt. Diese liegen normalerweise weit ab von irgendwelchen Spazierwegen oder Parkplätzen etc., sondern dort, wo normale Waldbesucher nichts verloren haben und dem Wild die nötige Ruhe gönnen. Auch haben Sie sich offensichtlich nicht mit der Funktion solcher Kameras auseinandergesetzt. Aber Dank Ihnen Herr Breyer sind wir jetzt alle wieder unerkannt unterwegs in deutschen Wäldern. Hoffentlich fällt Ihnen das auch ein, wenn Sie mal wieder ein ein normales Kaufhaus gehen und dabei schon am Eingang in die Kamera lächeln, beim Tanken, an jedem Bahnsteig egal wo in Deutschland, Flughafenterminal, bei der Fahrt auf der Autobahn (auch dort wird ALLES erfasst), Dort wird RUND um die Uhr aufgezeichnet und nicht wenige Sekunden oder gar nur ein Standfoto wie einer läppischen Wildkamera. Ja Herr Breyer, Sie haben sich mit diesem Projekt wirklich um den Datenschutz verdient gemacht. Kurze Frage noch, womit verplempern Sie sonst noch so Ihre Zeit?!

  • 2015-12-22 23:03:13.0 | 2015-12-22 23:03:13.0 Uhr
    D. Nerdler
    Registriert seit: Thu Oct 09 21:50:11 CEST 2014Beiträge: 906

    Schade, schade

    Wie kann ich jetzt meine Kameraausrüstung erweitern?

  • 2015-12-22 18:58:13.0 | 2015-12-22 18:58:13.0 Uhr
    Peter Gabriel
    Registriert seit: Sun Dec 20 19:13:59 CET 2015Beiträge: 576

    Gerade der Abgeordnete Breyer ...

    "... or allem der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer hatte sich für ein Kamera-Verbot stark gemacht ..."

    Wer die persönlichen Daten von polizeilichen Ermittlern ins Internet stellt, der zeichnet sich gerade als "glaubwürdiger Schützer des Waldes" aus !

    Aber durchaus unterhaltsam, um was sich Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein so sorgen ...