Höfe Südtonderns : Warum Eier aus Westre ein Touristenschlager sind

Die Hühner lieben es, ein Sandbad zu nehmen.

Die Hühner lieben es, ein Sandbad zu nehmen.

Begonnen hat das Geschäftsmodell 2008 mit einem mobilen Freilandstall, den Edgar Friedrichsen gemeinsam mit seinem Schwager betrieben hat. Seit 2010 ist er alleine im Geschäft und hat zwei etwa gleich große Hühnergruppen.

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16. Mai 2018, 08:20 Uhr

Westre | Sie picken, scharren und gackern: Auf dem Hof von Edgar Friedrichsen in Westre leben rund 2200 Legehühner im Freien. Am liebsten suhlen sie sich in Erdkuhlen, die sie mit ihren Krallen in den Boden scharren, um dann Sand und Erde in ihr Gefieder zu werfen. „Das dient der Federpflege und hält Ungeziefer fern“, erklärt Landwirt Edgar Friedrichsen.

Die Hühner sind das ganze Jahr über draußen, können sich auf der Grasfläche nach Belieben bewegen. Unterstände aus Draht und Wellblech sollen davor schützen, dass sich der Habicht bedient, aber „ein Huhn erwischt er doch immer“, so Friedrichsen. Pro Jahr sind das etwa 70 Hühner – das müsse man bei Freilandhaltung einkalkulieren, deswegen seien auch die Eier teuerer als aus konventioneller Haltung. Die Eier auf der Wiese einsammeln muss er allerdings nicht: Einmal an einen Ort gewöhnt, geht das Huhn zum Eierlegen immer wieder an diesen zurück. Deswegen bleiben die Tiere erst vier Wochen im Stall, wenn sie im Alter von 20 Wochen nach Westre kommen. Anfangs sind sie  ohnehin sehr scheu, weil sie zuvor noch nie im Freien waren. Erst zögerlich trauen sie sich nach und nach ins Freie.

Hühner seien Fluchttiere und wollen bei Gefahr schnell den Stall – oder eben einen Unterstand – erreichen können, erklärt Friedrichsen. Das Leben im Freiland härtet die Tiere ab, Medikamente sind bis auf die  vorgeschriebenen Wurmkuren nicht notwendig. Etwa 12 bis 14 Monate dauert die Legezeit eines Huhnes, dann kommt es zum Schlachter. „Die Legeleistung nimmt ab und die Schale wird dann immer weicher und brüchiger“, erklärt der Westrer Landwirt.

Begonnen hat das Geschäftsmodell 2008 mit einem mobilen Freilandstall, den Edgar Friedrichsen gemeinsam mit seinem Schwager betrieben hat. Seit 2010 ist er alleine im Geschäft und hat zwei etwa gleich große Hühnergruppen.

Größtenteils passen sich die Tiere selber, mehr Aufwand machen die behördlichen Auflagen und das Einsammeln, Verpacken und Ausliefern der Eier, berichtet Edgar Friedrichsen. Jeden morgen um 9 Uhr werden die Eier eingesammelt und auf der Sortiermaschine nach Gewicht in die unterschiedlichen Größen kategorisiert: S, M, L und XL. Danach werden sie verpackt und  an regionale Supermärkte, Hotels und Gaststätten ausgeliefert.

„Das Freilandei aus Schleswig-Holstein ist sehr gefragt, da es einen super Ruf hat und es gibt im Grunde immer zu wenige“, so Friedrichsen. Vor allem in den Sommermonaten, wenn viele Urlauber in der Region  bekommt Edgar Friedrichsen regelmäßig Besuch auf dem Hof: „Das ist das, was die Menschen sehen wollen, die Hühner, die im Freien laufen.“

Regelmäßig  untersucht das  Landeslabor in Neumünster die Eier regelmäßig auf Salmonellen und Medikamente. Getestet werden Eier direkt vom Hof, aber auch solche  aus den Verkaufsstellen. Auch die Packstation wird regelmäßig inspiziert. Zudem ist es erforderlich, die Eierzahlen einmal pro Monat beim statistischen Bundesamt zu vermelden. Eine weitere Vorgabe ist, dass immer mindestens ein Drittel des Feldes, auf dem die Hühner laufen, grün sein muss.

Trotzdem:  das Geschäft lohnenswert – in allen Geschäften konnte Edgar Friedrichsen den Absatz erhöhen, obwohl er im vergangenen Jahr den Preis angehoben hat. „So ein Freilandei schmeckt auch einfach viel besser, als eins aus der Legebatterie von einem kranken Huhn“, sagt Friedrichsen.

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