Pflegebevollmächtigter auf Föhr : Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung kämpft in Wyk für die Jobs im Gesundheitswesen

Sind sich in vielen Punkten einig: Andreas Westerfellhaus (l.) und Christian von der Becke.
Sind sich in vielen Punkten einig: Andreas Westerfellhaus (l.) und Christian von der Becke.

Andreas Westerfellhaus will Berufe im Gesundheitswesen attraktiver machen – das verdeutlichte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung in Wyk. Das Kernthema ist die Versorgung der Menschen in hoher Qualität.

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14. Mai 2018, 07:30 Uhr

Der Mann kommt von der Basis: Bevor er Pädagogik und Betriebswirtschaft studierte, hat Andreas Westerfellhaus den Beruf des Krankenpflegers erlernt und ausgeübt. Nun ist er neuer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung – und informierte sich in der Inselklinik Föhr-Amrum etwa über die stationäre medizinische Versorgung in einem Flächenkreis oder die Personalgewinnung in der Pflege.

Westerfellhaus’ Kernthema ist die Versorgung der Menschen in hoher Qualität, zukunftsorientiert und in ausreichender Quantität. Die Fachkräftesituation in Deutschland sieht der 61-Jährige als derzeit größte Herausforderung, weshalb der Bereich Pflege und dessen Kompetenz in allen Bereichen im Fokus stehen müsse. Dass dafür immer weniger Menschen zur Verfügung stehen, ist ein offenes Geheimnis. Hier erfolgreich gegenzusteuern, müssten Berufe im Gesundheitswesen mehr Perspektiven bieten und angemessener entlohnt werden.

Eine Klinik funktioniere dann, wenn sie neben einer guten ärztlichen auch eine gute pflegerische Versorgung anbieten kann, sagte Westerfellhaus. Dies sei derzeit deutschlandweit eher ein frommer Wunsch, nachdem in den vergangenen Jahren tausende Mitarbeiter dem Beruf den Rücken gekehrt hätten. Mehr Arbeit laste auf immer weniger Schultern. Dazu komme, dass hoch qualifizierte Pflegekräfte aufgrund fehlender beruflicher Autonomie nur einen Bruchteil des Erlernten praktisch anwenden dürften. „Wir müssen künftig im Rahmen der Zielsetzung einer Versorgungssicherheit mit immer weniger qualifizierten Menschen in neuen Strukturen denken“, sagte Westerfellhaus. Nicht Abgrenzung dürfe mehr im Mittelpunkt stehen, sondern das Miteinander.

Dass dieses Miteinander in der Inselklinik gut funktioniere, betonte Christian von der Becke, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland. Berufsgruppen-übergreifend würden sich hier alle den Menschen widmen: „Ob Ärzte oder Pfleger, jeder muss fast alles können.“ Das sei eine große Herausforderung, konstatierte auch Dr. Thomas Wander, stellvertretender ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Man decke auf Föhr mit Innerer Medizin, Chirurgie und Gynäkologie als Belegabteilung drei Fachgebiete ab. Dies setze viel Fachwissen voraus. 18 Betten hält das kleine Akut-Krankenhaus vor, rund 1500 Patienten werden im Jahr stationär und 5000 bis 6000 Patienten ambulant betreut.

Neben den Ärzten habe die Berufsgruppe der Pflege eine entscheidende Bedeutung, so von der Becke. Gerade in diesem Bereich aber sei die immer geringere Wertschätzung zu spüren. Die Ursache dafür sieht der Geschäftsführer in der mangelnden Attraktivität des Berufsbildes. So sei die Quote der Abbrecher in der dreijährigen Ausbildung enorm hoch. Pflege aber sei eher Berufung. Die Praxis jedoch stimme mit den Vorstellungen der Auszubildenden nicht überein. „Das Notwendige, die Zuwendung zum Menschen, bleibt auf der Strecke.“

Ob richtiger Pflegekräfte-Mix, Personalschlüssel oder Versorgungssicherheit: Deutlich wurde, dass die Erwartungen an Westerfellhaus groß sind. Und der kündigte an, Gas zu geben: „Die Profession Pflege soll Ende 2018 sagen, es tut sich tatsächlich etwas – ein Weiter so in allen Sektoren kann es nicht geben.“

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