Bildungsstätte in Leck : Nordsee-Akademie in Schieflage

Die Nordsee-Akademie in Leck steht vor einer grundsätzlichen Neuausrichtung des Angebots.
Die Nordsee-Akademie in Leck steht vor einer grundsätzlichen Neuausrichtung des Angebots.

Die Nordsee-Akademie schreibt rote Zahlen. Die Bildungsstätte bekommt einen neuen Leiter und im Herbst ein neues Konzept.

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31. Mai 2018, 07:50 Uhr

Die Nordsee-Akademie in Leck ist wirtschaftlich angeschlagen. Während die Arbeit der renommierten Bildungsstätte vor Ort immer noch medienwirksam inszeniert wurde, war Insidern und auch vielen Kreispolitikern längst klar, dass die Einrichtung in finanzieller Hinsicht immer mehr zur Belastung für den Deutschen Grenzverein wird. Der ist Träger von drei Bildungsstätten im Norden – der Akademie Sankelmark, dem Jugendhof Scheersberg und eben der Nordsee-Akadamie.

Da anscheinend nicht zu erwarten ist, dass die Nordsee-Akademie mit ihrer heutigen Ausrichtung die Talsohle wieder verlassen kann, hat der Vorstand des Trägervereins jetzt die Reißleine gezogen. So übernimmt der Geschäftsführer des Deutschen Grenzvereins, Stefan Ploog, ab sofort auch die Leitung der Bildungsstätte in Leck. „Der Vorstand sah sich zu diesem Schritt gezwungen, da die Akademie in den letzten Jahren Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatte“, hieß es dazu jetzt auf Anfrage. Unterstützt werden soll Ploog dabei „von einem fachlichen Team des Grenzvereins“.

Damit ist die bisherige Akademie-Leiterin Dr. Ariane Huml abgelöst. Sie hatte die Führungsposition erst Ende 2016 von Oke Sibbersen übernommen, der nach 37-jähriger Dienstzeit, davon zwölf Jahre als Akademie-Leiter, in den Ruhestand gegangen war.

Nach Informationen unserer Zeitung aus anderen Quellen soll Ariane Huml seinerzeit die Zielvorgabe mit auf den Weg bekommen haben, die Umsätze der Bildungsstätte deutlich zu steigern. Denn schon damals gab es Umsatzrückgänge, und die Erträge der Bildungsstätte reichten nur schwerlich aus, die Kosten des Akademie-Betriebs zu decken. Aber allein für 2017 – ein Jahr mit rund 16.200 Veranstaltungs-Teilnehmern – soll in Leck ein Defizit von rund 170.000 Euro aufgelaufen sein – bei einem Gesamtvolumen von 1,1 Millionen Euro. Dazu gehört ein Landeszuschuss in Höhe von 336 000 Euro, während der Kreis Nordfriesland das Gebäude zur Verfügung stellt. Den Fehlbedarf der Nordsee-Akademie im vergangenen Jahr muss der Grenzverein aus seinen Rücklagen decken. Das kann natürlich keine Dauerlösung sein.

Der bisherigen Leiterin – eine Literaturwissenschaftlerin, Historikerin und Journalistin – ist es offenkundig nicht gelungen, das Ruder herumzureißen: „Frau Dr. Ariane Huml hat die Leitung im Oktober 2016 übernommen und alles versucht, kurzfristig die Wende zu schaffen. Wir müssen aber leider feststellen, dass es ohne eine neue Grundausrichtung für die Akademie nicht geht“, erklärt Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, der stellvertretender Vorsitzender des Grenzvereins ist. Und weiter: „Der befristete Vertrag mit Frau Huml kann deshalb bedauerlicherweise nicht verlängert werden.“

Um die wirtschaftliche Misere der Bildungseinrichtung zu überwinden, muss sich die Nordsee-Akademie in Leck nun in naher Zukunft neu aufstellen. Dazu hat der Vorstand des Grenzvereins eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bereits intensiv an der neuen Strategie arbeitet. „Dabei werden die bestehenden Kundenbeziehungen nicht vernachlässigt, sondern es geht darum, zusätzlich neue Bereiche zu erschließen“, heißt es offiziell. Im Herbst soll dann über die Neuausrichtung der Bildungsstätte beschlossen und – darauf abgestimmt – die künftige Akademie-Leitung ausgeschrieben werden. Nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Akteure aus dem Grenzverein ist bei den Weichenstellungen zu keinem Zeitpunkt thematisiert worden, dass sich der Trägerverein womöglich sogar von der Akademie in Leck trennen könnte. „Es geht darum, nach vorne zu gucken“, heißt es vielmehr.

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