Kommunalwahl in Husum : Kommunalwahl in Husum: Der glücklose Sieg der CDU

Glückliche Gewinner sehen anders aus: Bei einer Losentscheid um Direktmandat gewinnen die Christdemokraten – und verlieren einen Vize-Bürgermeisterkandidaten.

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11. Mai 2018, 07:50 Uhr

Glückliche Gewinner sehen anders aus: Mit besorgten Mienen verfolgten mehrere Mitglieder der Husumer CDU am Mittwoch die Sitzung des Gemeindewahlausschusses im Rathaus. Dabei war ihnen Fortuna in Gestalt von Uwe Schmitz zumindest in der Theorie hold: Nicht die SPD, sondern die CDU gewann das Direktmandat im Wahlbezirk Straßenmeisterei, das der Bürgermeister feierlich verloste. Ein Gewinn, das sah man den Mienen deutlich an, auf den diese CDU-Mitglieder ganz gerne verzichtet hätten.

Zur Erinnerung: Inge Zimmermann (SPD) und Adrian Gerlings (CDU) hatten in jenem Wahlbezirk am Sonntag genau die gleiche Anzahl Stimmen errungen. Nun musste also das Los entscheiden. Hätte der Bürgermeister Inge Zimmermann gezogen, hätte sich an der vorläufigen Besetzung der Stadtvertretung nichts geändert. Doch durch den Entscheid zugunsten von Gerlings verliert Sven-Thomas Schmidt-Knäbel seinen Sitz. Der bisherige Vorsitzende des Bauausschusses ist noch zweiter stellvertretender Bürgermeister – er wurde gerade erst vom CDU-Ortsvorsitzenden Martin Kindl als Kandidat für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters ins Gespräch gebracht. Daraus wird nun nichts: Der Bürgermeister-Vize muss Mitglied der Stadtvertretung sein.

Für die Christdemokraten gäbe es nur einen Weg, Schmidt-Knäbel als Nachrücker wieder ins Gremium zu holen: Einer der acht CDU-Stadtvertreter nimmt sein Mandat nicht an. Von dieser Idee hielten zumindest die CDU-Mitglieder vor Ort nicht viel: „Wir wollen nicht, dass es am Ende heißt, dass bei der CDU gemauschelt wird“, sagte Lothar Pletowski unter Nicken von Hans-Jörg Thauer und Ralf Fandrey.

Dafür war eine andere Personalfrage gleich wieder Thema: Pletowski ließ am Rande der Sitzung einen neuen Namen für das Amt des Vize-Bürgermeisters fallen: seinen eigenen. Sollten die Voraussetzungen gegeben sein, könne er sich vorstellen, dieses Ehrenamt noch einmal zu übernehmen. Er betonte: Hätte Schmidt-Knäbel in der Stadtvertretung bleiben können, würde er diesen Schritt nicht gehen.

Nun aber zu Adrian Gerlings, dem frisch ausgelosten achten CDU-Stadtvertreter. Gerlings ist wohl für die meisten Husumer unbekannt, ist er doch erst im vergangenen November in die Storm-Stadt gezogen. Der 30-Jährige ist stellvertretender Pflegedienst-Leiter in Tönning und Reservist bei der Bundeswehr. Über seinen Einzug in die Stadtvertretung freue er sich sehr, erklärte Gerlings auf Nachfrage unserer Zeitung: Zwar wäre Sven-Thomas Schmidt-Knäbel aus seiner Sicht „der beste Kandidat“ für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters gewesen – für ihn sei dies aber kein Grund, sein Mandat aufzugeben.

Wer im Internet nach Gerlings sucht, stößt schnell auf eine Facebook-Seite, auf der er öffentlich zugänglich seine Ansichten als Kommunalpolitiker darlegt. Gerlings bemüht dort eine Tonalität, die nicht so ganz in die viel gepriesene Harmonie der Husumer Stadtvertretung zu passen scheint: In nassforschem Ton schießt er gegen „die Sozen“ beziehungsweise „die Jusus“ (sic).

„Ich nehme kein Blatt vor den Mund“, erklärt er auf Nachfrage, „ich bin ein jung-dynamischer Politiker, der auch durch Provokationen Aufmerksamkeit erreichen will und die Menschen so zum Nachdenken bringt.“ Allerdings, schränkt Gerlings ein, greife er prinzipiell niemanden persönlich an: „Mit mir werden die Diskussionen in der Stadtvertretung sicher hitziger, aber nicht verletzend.“

Die erste Möglichkeit, derartige Diskussionen vom Zaun zu brechen, bietet sich am Montag, 11. Juni, ab 16 Uhr im Ratssaal: Dann konstituiert sich die neue Stadtvertretung.

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