Der neue Imagefilm ist zu lang : Südtondern auf der Leinwand

Das Skandaløs-Festival nimmt im Image-Film einen zu großen Rahmen ein, sagen Kritiker.
Das Skandaløs-Festival nimmt im Image-Film einen zu großen Rahmen ein, sagen Kritiker.

Es ist das Geschenk, das sich das Amt Südtondern zum zehnten Geburtstag selbst gemacht hat: ein Imagefilm. Doch gibt es Kritik an der Umsetzung. Zu lang und falsche Schwerpunkte sind nur zwei der Kritikpunkte.

shz.de von
01. Juni 2018, 06:45 Uhr

Südtondern | Es ist das Geschenk, das sich das Amt Südtondern zu seinem zehnten Geburtstag Anfang des Jahres selbst gemacht hat: ein Imagefilm, der eine Stunde und 37 Minuten lang ist und beim Geburtstagsempfang am 4. Januar in der Nordsee Akademie in Leck Premiere feierte – vor geschlossener Gesellschaft. Schon wenige Wochen später – so die damalige Ankündigung – sollte der Film über Südtondern und seine Bewohner auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das ist knapp ein halbes Jahr später immer noch nicht passiert. Grund dafür sind die Kritik und Anmerkungen, die nach der Vorführung von den Vertretern doch einiger Gemeinden geäußert wurden.

Einheitlicher Tenor dabei: Der Film ist zu lang, spätestens nach einer Stunde steigt der Betrachter gedanklich aus. Das bestätigt Frerk Matthiesen, Sprecher von Amtsdirektor Otto Wilke. „Der Streifen wurde von der Filmemacherin Elin Rostecküberarbeitet, seit kurzem liegen mehrere, maximal 60 Minuten lange Varianten vor.“ Doch nicht nur an der Länge, auch an den inhaltlichen Schwerpunkten wurde Kritik geübt – schon am Büfett nach der Präsentation. Wie soll der Film für das Amt genutzt werden? Für welchen Bereich kann damit geworben werden? Warum kommen mit Niebüll und Leck die beiden größten Gemeinden des Amtes nur am Rande vor?

„Man muss feststellen, dass einige Themen zu langatmig dargestellt werden und dadurch ein falsches Bild von Südtondern transportiert wird“, sagt auf Anfrage Lecks Bürgermeister Andreas Deidert, der zu der ausschließlich politisch besetzten Arbeitsgruppe für das Filmprojekt zählt. Man habe zwar das Storybook gelesen, „doch was am Ende dabei raus kam, hat dann doch erstaunt“. Gemeint sind immer wiederkehrende Sequenzen beispielsweise über das Skandaløs-Festival, das Weckwerth-Museum oder auch drei junge Moped-Fahrer. Letztere geben laut Einschätzung von Deidert, „eher einen dödeligen Eindruck vom Amt. Tatsächlich ist Südtondern eine innovative und kreative Region, Weltmarktführer in der Windenergie und Vorreiter in der Elektromobilität“.

Andreas Deidert betont, es gehe ihm nicht um mehr Minuten für Leck. „Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn Clausen & Bosse zu sehen gewesen wären. Doch durch diesen Film sollten Kirchtürme ja gerade abgeschliffen werden, es geht um Südtondern als Ganzes. Doch dafür fehlen doch einige der vielen Facetten, deshalb würden sich in der derzeitigen Fassung wohl viele Einwohner nicht wiederfinden.“

Es gehe um Identifikation, um ein Lebensgefühl, das bestätigt auch Frerk Matthiesen. Daher wurden denn auch einige Sequenzen von häufig wiederkehrenden Themen herausgeschnitten. „Die neuen Versionen mussten neu vertont werden – auch das hat Zeit gekostet“, sagt der Sprecher des Amtsdirektors über das Geburtstagsgeschenk, für das im Haushalt 120000 Euro eingestellt wurden, die aber wohl nicht komplett ausgeschöpft werden müssen.

Eine weitere Verzögerung habe die Erkrankung von Amtsvorsteher Peter Ewaldsen mit sich gebracht. Da es doch gravierende Änderungen gibt, sollten die gerne mit allen Mitgliedern der überschaubar großen Arbeitsgruppe abgeklärt sein. „Das soll nun auf alle Fälle passieren, bevor die Sommerurlaubszeit beginnt“, kündigt Matthiesen an. Mit der Fertigstellung werde im Juli gerechnet. „Ziel ist, den Film gleich nach den Ferien in den Kinos in Leck und Niebüll zu zeigen. Daneben wird es den Film auf Blu-ray und als DVD geben.“

Im nächsten Schritt stellt sich dann die Frage nach dem Vermarktungspotenzial für das Werk, für das ein professionelles Filmteam ein Jahr lang im Norden Nordfrieslands unterwegs war. Für die Wirtschaft an sich dürfte es schwierig werden, doch für den Tourismus bietet sich einiges. „Themen wie Biike, Nolde oder Trachtengruppe sind ja auch zeitlos“, sagt Frerk Matthiesen.

An den Bewohnern wird das Projekt also trotz der langen Verzögerung nicht vorbei gehen. „Es nützt ja auch nichts, viel Geld in die Hand zu nehmen, und dann den Film in die Schublade zu packen“, meint Matthiesen. „Der Sinn war ja gerade, das Selbstbewusstsein der Einwohner zu stärken und ihr Engagement für ihre Heimatregion zu fördern“, betont Andreas Deidert. „Der Film soll die Lebensfreude der in Südtondern lebenden Menschen dokumentieren und zur Stärkung der regionalen Identität beitragen“, erklärt Amtsdirektor Otto Wilke.

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