Seniorenbeirat Niebüll fordert Betreuungskonzepte für ältere Menschen mit Handicap

Für junge Menschen mit Handicap ist die Betreuung gut strukturiert, aber nicht für Behinderte im Rentenalter
Für junge Menschen mit Handicap ist die Betreuung gut strukturiert, aber nicht für Behinderte im Rentenalter

Ein würdiger und erfüllter Lebensabend für Menschen mit Behinderungen und eine Entlastung für deren Angehörige – so lässt sich das Ziel des Antrags auf den Punkt bringen, den der Seniorenbeirat Niebüll jetzt an den Landtag, die Landesregierung und das Altenparlament des Landes gestellt hat.

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29. Mai 2018, 07:00 Uhr

Ein würdiger und erfüllter Lebensabend für Menschen mit Behinderungen und eine Entlastung für deren Angehörige – so lässt sich das Ziel des Antrags auf den Punkt bringen, den der Seniorenbeirat Niebüll jetzt an den Landtag, die Landesregierung und das Altenparlament des Landes gestellt hat. Ziel ist die Durchlässigkeit und Vernetzung von Pflege- und Eingliederungshilfen, um maßgeschneiderte Angebote für pflegebedürftige Menschen mit Behinderungen schaffen zu können.

„Anlass ist für uns die Tatsache, dass in den kommenden Jahren erstmals in großer Zahl behinderte Menschen ins Rentenalter kommen und auch pflegebedürftig werden“, sagt Frauke Rörden-Prang, Vorsitzende des Niebüller Seniorenbeirats. Grund dafür seien die Auswirkungen der Euthanasie-programme während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese hätten dazu geführt, dass es auch in Nordfriesland nur wenige Menschen mit Behinderungen gibt, die vor 1945 geboren wurden, sagt Frank Steinauer, Mitglied des Seniorenbeirats. Doch danach ändert sich das Bild. „Experten gehen davon aus, dass sich die Lebenserwartung von Menschen mit angeborenen Behinderungen nicht mehr von der mit Menschen ohne Handicaps unterscheidet“, sagt Frauke Rörden-Prang. Mit steigendem Alter nimmt nun auch bei behinderten Menschen die Pflegebedürftigkeit zu – in einer bisher nicht gekannten Größenordnung. Dies sei mit einer Reihe bisher nicht gelöster Herausforderungen verbunden. Ein ambulant betreutes Wohnen sei kaum noch möglich, da im Rentenalter die Werkstatt- und Beschäftigungsprojekte wegfallen. Die Pflege behinderter Menschen in der Familie stoße ebenfalls an Grenzen, da die meist betreuenden Eltern versterben oder selbst zu Pflegefällen werden.

„Bei der stationären Wohnbetreuung besteht die Problematik, dass die Behinderteneinrichtung mit Blick auf Qualifikation und Personalstärke nicht auf die Pflege ausgerichtet ist“, sagt die Beiratsvorsitzende. Und die stationären Pflegeeinrichtungen seien aktuell wiederum noch nicht auf ältere Menschen mit Behinderungen eingestellt. „Wir brauchen also neue Angebote, die speziell auf pflegebedürftige Senioren mit Behinderungen ausgerichtet sind“, fordert Frauke Rörden-Prang im Namen ihres Beirats. Das Altenparlament soll nun die Landesregierung auffordern zu überprüfen, wie dies möglich ist. Verschiedene Finanzierungstöpfe dafür künftig miteinander zu verbinden, lautet der Vorschlag, den der Seniorenbeirat in seinem Antrag gleich mit liefert. Besonders die der Eingliederungshilfe (EGH), deren Aufgabe die Förderung der vollen und gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ist, und der Pflegeleistungen (auch Hilfe zur Pflege). „Bisher behindert das Denken der Leistungsträger in einzelnen Finanzierungstöpfen die Entwicklung der dringend benötigten Angebote“, betont Frank Steinauer.

Stehen die neuen Finanzierungskonzepte, müssten im zweiten Schritt Einrichtungen für ältere behinderte Menschen mit Pflegebedürftigkeit geschaffen beziehungsweise gebaut werden. Die Stadt Niebüll habe der Seniorenbeirat kürzlich per Antrag aufgefordert zu überprüfen, ob es geeignete Standorte dafür in Niebüll gibt. Denn nur in solchen kombinierten Pflege- und EGH-Einrichtungen würden die Erfordernisse einer modernen und personenzentrierten Pflege mit den Wohn- und Teilhabebedürfnissen von Menschen mit Behinderungen kombiniert werden können – für das angestrebte Altern in Würde.

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