Satter Sound und starke Stimmen - „Ella meets Frankie“ rocken Niebüll

Michel Nitschke als Sinatra (l.) mit Bandleader Rainer Kleinlosen.
Michel Nitschke als Sinatra (l.) mit Bandleader Rainer Kleinlosen.

Angesichts des vielversprechend lautenden Programms „Ella meets Frankie“ waren die Reihen in der Niebüller Stadthalle trotz des herrlichen Wetters gut gefüllt. Ein sehr gemischtes Publikum mit Lust auf Jazz und Bigband-Swing hatte sich eingefunden.

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09. Mai 2018, 16:25 Uhr

Angesichts des vielversprechend lautenden Programms „Ella meets Frankie“ waren die Reihen in der Niebüller Stadthalle trotz des herrlichen Wetters gut gefüllt. Ein sehr gemischtes Publikum mit Lust auf Jazz und Bigband-Swing hatte sich eingefunden.

Stolz stellt Bandleader Rainer Kleinlosen sein Jazzcoast-Orchestra vor. Schon der Blick auf die bühnenfüllende Bigband, 19 Musiker mitsamt ihren Instrumenten, ist imposant. Die Besetzung ist klassisch unterteilt in Saxophon-, Posaunen- und Trompetensektion, sowie einer Rhythmusgruppe. Mit großem und vollem Sound ertönt sie dann auch, als „Frankie“-Sänger Michel Nitschke mit dem Swing-Klassiker „I’ve got you under my skin“ die Bühne betritt. Der junge Mann singt sich mit „Come fly with me“ besonders in die Herzen der weiblichen Zuhörerschaft, charismatisch, textsicher und mit überzeugender Stimme.

Dann kommt „Ella“ mit „I’m beginning to see the light“. Die amerikanische Sängerin Regina Ebinal verkörpert diese Ikone des Jazz‘ in faszinierender Weise. Die temperamentvolle Frau sprüht vor Esprit und Charme, hat eine fesselnde Ausstrahlung und eine grandiose Stimme voller Reife, Volumen und Vielfalt. Mit „You can’t take that away from me“ singen „Ella Fitzgerald und Frank Sinatra“ den ersten Song im Duett und bieten sowohl gesanglich als auch im Miteinander eine überzeugende Performance. Es folgen viele der bekanntesten Songs dieser beiden Weltstars.

Das Jazzcoast-Orchestra glänzt im Hintergrund und sorgt mit dem unvergleichlichen Bigband-Sound für Stimmung. Die Bläsersätze wechseln sich ab, immer wieder gibt es solistische Einlagen von Saxophonisten, Posaunisten und Trompetern. Präzise Einwürfe und knackig gespielte Offbeats verleihen dem Swing zusätzliche Würze.

Kaum ein Besucher sitzt noch ruhig auf seinem Stuhl. Es wird geschnippt, die Beine wippen, die Menschen sind durch und durch „beswingt“. Das ist sicher auch der gut eingespielten und soliden Rhythmusgruppe zu verdanken. Bandleader Kleinlosen nimmt sich einerseits zurück, andererseits hält er mit seiner Körpersprache die zahlreichen Fäden dieses großen Orchesters zusammen. Im ständigen Blickkontakt mit Sänger und Sängerin bündelt er die geballte musikalische Kraft.

Auf Nachfrage in der Pause erläutert Saxophonist Karsten Utecht: „Wir haben fast zwei Jahre an diesem Programm gefeilt und es hat sich gelohnt“. Trompeter Jörg Müller-Kern fügt hinzu: „Es bringt total Spaß, diese Musik zu spielen!“ Eine Steigerung der Stimmung scheint kaum möglich, aber Regina Ebinal steckt alle mit ihrer Energie an. Mit einem amerikanischen Akzent zum Dahinschmelzen und mit Augenzwinkern Richtung Publikum untertreibt sie: „Ich glaube, wir kommen so langsam in Stimmung hier, ich mag Niebüll!“ Man fragt sich: Wer inspiriert wen, die Bigband die Sänger oder umgekehrt? Jedenfalls ist das Ergebnis mitreißend für alle Anwesenden.

Mit großer Show singen Ebinal und Nitschke solistisch oder im Duett. „Get happy“, „Have you met Miss Jones“ oder auch „Me and my Shadow“. Bei dem melancholischen Song „It was a very good year“ wechseln die beiden Damen im Saxophonsatz ihre Instrumente. Flöte und Bass-Klarinette erweitern den Orchester-Sound noch einmal mehr. Auch das musikalische Tête-à-tête zwischen „Ella“ und dem Pianisten und Gitarristen ergänzt die klangliche Vielfalt.

Auf „My way“ haben wohl viele gewartet. Michel Nitschke interpretiert auch den Song großartig, einzig fehlt seiner Stimme in diesem Fall die Lebenserfahrung des großen Stars. „Can’t buy me love“ hat Fitzgerald 1964 von den Beatles übernommen und auf ihre Weise interpretiert. Bigband und Sängerin lassen bei diesem Song noch einmal alle Kraft, die in ihnen steckt, Richtung Publikum strömen. Mit euphorischem Applaus ernten die Zuhörer noch zwei Zugaben: „New York, New York“ und „Mack the Knife“. Beeindruckt resümiert Gastronom und Techniker Sven Stümer: „Das ist mit das Beste, was wir je hier hatten.“

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