Marschbahn-Chaos : Nordfriesen fordern zweigleisigen Ausbau der Sylt-Bahnstecke

Nichts geht mehr: Auf der Marschbahn kommt es immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen.
Nichts geht mehr: Auf der Marschbahn kommt es immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen.

Nordfriesen lehnen Trostpflaster des Bundesverkehrsministers für Sylt-Bahnstrecke ab und fordern zweigleisigen Ausbau.

shz.de von
30. Mai 2018, 06:27 Uhr

„Wir sind fassungslos, wütend und maßlos enttäuscht, weil die Bundespolitik und die Deutsche Bahn AG die Probleme auf der Strecke Niebüll-Westerland nicht in den Griff bekommen – im Gegenteil, es wird immer schlimmer statt besser“, erklären Heinz Maurus und Dieter Harrsen. Nordfrieslands Kreispräsident und der Landrat des Kreises haben das Vertrauen nun endgültig verloren, nachdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach den massiven Problemen im Zugverkehr zwischen Niebüll und Sylt vom vergangenen Wochenende angekündigt hat, als „raschen Beitrag“ zur Problemlösung das rund einen Kilometer lange Überholgleis auf dem ansonsten eingleisigen Engpass zwischen Klanxbüll und Niebüll ausbauen zu wollen (wir berichteten).

Maurus und Harrsen sind davon überzeugt, dass nur eine einzige Maßnahme das Chaos auf der Strecke nach Sylt wirklich beenden kann: „Die Strecke zwischen Niebüll und Klanxbüll muss durchgängig zweigleisig ausgebaut werden – und das so schnell wie irgend möglich!“ Das fordere der Kreis Nordfriesland seit 20 Jahren, heißt es dazu weiter in einer Pressemitteilung des Kreises. Die wechselnden Bundesverkehrsminister hätten die Notwendigkeit des Ausbaus zwar anerkannt, ihn aber nie als vorrangige Maßnahme eingeplant. „Regelmäßig wurden andere Bauprojekte mit Bundesgeld verwirklicht, während der nördliche Abschnitt der Marschbahn auf Verschleiß gefahren wurde.“ Die jetzt vom Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, als Notmaßnahme ins Spiel gebrachte Verlängerung des Überholgleises wird nicht viel bringen, ist sich der Landrat sicher: „Als isolierte Maßnahme ist das nicht mehr als ein Trostpflaster. Eine entschlossene Verkehrspolitik, die das Problem ernst nimmt, sieht anders aus.“

Kreispräsident Maurus erinnert sich daran, dass Ferlemann den gleichen Vorschlag vor etwa einem Jahr schon einmal gemacht hat. „Bereits damals haben wir ihm ausführlich dargelegt, dass es nur einen Weg gibt, die Verkehrssituation wirksam zu bereinigen – und das ist der vollständige zweigleisige Ausbau! Die Baumaßnahmen können ja gerne bei dem Überholgleis beginnen, aber sie müssen dann eben in beiden Richtungen weitergehen. Alles andere wäre für Pendler, Fahrschüler, Urlaubsgäste und die Sylter Wirtschaft ein Schlag ins Gesicht.“

Unterdessen erklärte die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Damerow gestern nach einem Telefonat mit dem parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann zur Verlängerung des Überholgleises bei Klanxbüll: „Wir sind uns einig, dass diese vorgezogene kurzfristige Maßnahme gut ist, aber allein nicht reichen wird.“ Und: „Diese darf in keiner Weise die Hochstufung des Ausbaus der Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan blockieren.“ Die Entscheidung darüber solle Anfang Juli fallen. Danach müsse alles schnell und verlässlich laufen: „Eine Jahrzehnte-Baustelle können wir uns hier nicht leisten“, so Damerow.

Die andauernden Zugausfälle hätten inzwischen dazu geführt, dass viele pendelnde Arbeitnehmer gekündigt haben. Sylter Unternehmer sähen sich zunehmend in ihrer Existenz bedroht, da sie ihre Fachkräfte verlieren. „Neben den Pendlern leiden auch die Tages- und Übernachtungsgäste, die mit Stress ihren Urlaub beginnen und beenden. Das ist keine gute Werbung für Sylt“, so Damerow, die für Anfang Juli die zweite Runde des Marschbahn-Gipfels in Berlin ankündigt.

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